Die designierte Oberbürgermeisterin Noosha Aubel zu ihren Schwerpunkten

Bei der Stichwahl am 12. Oktober hat Noosha Aubel (parteilos) die meisten Stimmen auf sich vereinen können und wird neue Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt Potsdam. Am 16. Oktober veröffentlichte die Landeshauptstadt das amtliche Endergebnis der Stichwahl. Demnach erhielt sie 43.446 Stimmen (72,9 Prozent), Dr. Severin Fischer, der Kandidat der SPD, kam auf 16.177 Stimmen (27,1 Prozent).
Bezahlbares Wohnen Hauptpriorität
Befragt nach ihren ersten Vorhaben sagte sie der MAZ noch am Wahlabend: „Natürlich spreche ich zuerst mit den Kolleginnen und Kollegen im Haus: Wie kriegen wir die Transformation der Verwaltung gemeinsam hin? Und ganz oben auf der Agenda steht natürlich das Thema Wohnraum.“ Diese beiden Hauptprioritäten benannte sie auch in den PNN.
Am 13. Oktober veröffentlichte die MAZ ein weiteres ausführliches Gespräch. Hier kündigte sie drei konkrete Schritte an. „Ich hatte schon mit der zuständigen Staatssekretärin des Landes über Fördermittel und Belegungsrechte für den sozialen Wohnungsbau gesprochen“, berichtete Aubel. „Wenn ich im Amt bin, werde ich diesen Faden aufnehmen. Als Zweites möchte ich eine Wohnraumagentur etablieren, die das Potenzial des vorhandenen, aber noch nicht ideal genutzten Wohnraums hebt.“
Zudem habe sie bereits mit einem Investor und der ProPotsdam darüber gesprochen, „wie man gemeinsam Neubau auf Basis eines städtebaulichen Vertrags schaffen kann. Da soll die Miete gedeckelt werden und der überwiegende Teil der Wohnungen an Menschen vermietet werden, die in Potsdam leben oder arbeiten.“ Den Namen des Investors wollte sie nicht verraten.
Die „eine Lösung“ gegen die Wohnungsnot kenne sie nicht, bekannte Noosha Aubel am Tag vor der Stichwahl ebenfalls in der MAZ. „Kommunale Spielräume gibt es aber durchaus, etwa eine Stärkung der ProPotsdam, das Vorantreiben der Wohnflächensuffizienz“, sagte Aubel. „Ich hoffe sehr, dass der Bauturbo des Bundes zündet – dann reduzieren sich Vorschriften und an bestimmten Stellen werden die Baustandards gesenkt.“ Zudem wolle sie Konzeptvergaben bei Grundstücken und die Weiterentwicklung des Baulandmodells stärken.
Neubau, Aufstockungen und Nachverdichtungen
In einem am 9. Oktober in den PNN erschienen Streitgespräch sprach sie sich zudem für Aufstockungen von bereits bestehenden Wohngebäuden und Verdichtungen aus. Gerade werde im Rathaus ein Kataster für das Nachverdichtungspotential erarbeitet, sagte sie. „Ich plädiere auch für Neubauten, zum Beispiel an der Ecke Großbeeren-/August-Bebel-Straße oder am Rand von Gewerbegebieten wie dem ehemaligen Telekom-Gelände. Ich bin schon in Gesprächen mit Investoren für den Abschluss eines städtebaulichen Vertrags als Instrument für gedeckelte Mieten im mittleren Segment, verlässlich über Jahre und bevorzugt für Menschen, die bereits in Potsdam leben oder arbeiten.“
Im auf ihrer Website verfügbaren Wahlprogramm widmet sie dem Thema bezahlbarer Wohnraum ein ausführliches Kapitel. „Wenn alle kommunalen Spielräume genutzt werden, um ausreichend bezahlbaren Wohnraum zu erhalten und neu zu schaffen, kann Gentrifizierung und Verdrängung Einhalt geboten werden“, ist sie überzeugt. „Wir brauchen in Potsdam insbesondere Wohnungen für Haushalte mit niedrigen oder mittleren Einkommen.“ Dazu wolle sie in der Verwaltung eine Kultur des Ermöglichens bewirken. Zudem plädiert sie für Milieuschutzsatzungen, Vorkaufsrechte und Umwandlungsverbote überall dort, wo es möglich sei.
Auch die ProPotsdam und die Genossenschaften will die künftige OB stärken. „Ich unterstütze deren Engagement zur Schaffung und Erhaltung von gemeinwohlorientierten Wohnungsangeboten, wie z. B. im Bergviertel Krampnitz.“ Sozialwohnungen sollen gezielt auch in unterversorgten Stadtteilen geschaffen werden, die Sozialbindung langfristig gesichert werden. Aubel will Mietwohnungsbau auch in zentralen Lagen der Stadt ermöglichen, verstärkt Bauflächen aktivieren und den Ausbau von Krampnitz beschleunigen. Ihren Anspruch fasste sie folgendermaßen zusammen: „Weniger Miete. Mehr Leben. Für eine Stadt, in der sich alle ein Zuhause leisten können.“
Im Falle ihrer Wahl werde es in vier Jahren, zur Halbzeit ihrer Amtszeit, werde es eine gut funktionierende Wohnraumagentur geben, die das Potenzial der Flächensuffizienz hebe, kündigte Aubel im PNN-Streitgespräch mit ihrem SPD-Kontrahenten an. Und: „Wir sind bei Neubauten und Nachverdichtung einen deutlichen Schritt weitergekommen.“








