Wirtschaftliches Handeln ist die Grundlage sozialer Verträglichkeit

StadtSpuren-Koordinator Carsten Hagenau über die Entscheidung der WG „Karl Marx“

Carsten Hagenau, Koordinator des Arbeitskreises StadtSpuren (l.), im Gespräch mit Sebastian Krause, Vorstand der WG „Karl Marx“ (mi.), und Prokurist Benedikt Nowak. Foto: Josefine Pohle

Die Wohnungsgenossenschaft „Karl Marx“ Potsdam eG bereitet den Verkauf von 397 Eigentumswohnungen vor, vornehmlich an ihre Nutzer und andere Mitglieder der Genossenschaft. Medien berichten, dass Noosha Aubel, Kandidatin für das Amt der Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt Potsdam, die Hoffnung habe, dass der Arbeitskreis StadtSpuren in dieser Sache aktiv werde.

Hierzu erklärt Carsten Hagenau, Koordinator des Arbeitskreises StadtSpuren:

„Der Vorstand der WG ‚Karl Marx‘ hat die Mitglieder des Arbeitskreises frühzeitig und nachvollziehbar über die Gründe und Hintergründe des Vorgangs und die Beschlüsse der Gremien der Genossenschaft informiert. Erläutert wurde auch das über zehn Jahre gestreckte Vorgehen bei der Umsetzung der Beschlüsse. Es ist gute Tradition des Arbeitskreises, dass er Entscheidungen seiner Mitgliedsunternehmen öffentlich nicht kommentiert. So werden wir das auch in diesem Falle tun und daher nicht aktiv werden.

In der öffentlichen Kommunikation wurde die Frage der Sozialverträglichkeit der Angelegenheit aufgeworfen. Zu diesem Thema gestatte ich mir als langjähriger Beobachter der Wohnungswirtschaft drei persönliche Bemerkungen.

1. Die Sicherung der Wirtschaftlichkeit von Tausenden genossenschaftlichen Wohnungen und damit die Sicherung ihrer sozialen Vorzüglichkeit ist nichts anderes als sozialverantwortliches Vorgehen. Aus wirtschaftlichem Handeln resultiert Sozialverträglichkeit, oder anders formuliert: Wirtschaftliches Handeln ist die Grundlage von sozialer Verträglichkeit.

2. Wenn die Genossenschaft abwägen muss zwischen den Interessen von 7.000 Mitgliedern und den Interessen von 400 Mitgliedern, dann muss sie sich für das große Ganze entscheiden. Das ist im Einzelfall bitter. Deshalb betreibt die ‚Karl Marx‘ großen Aufwand, um jede eventuelle Härte abfangen zu können: Vorkaufsrecht für Bewohner und deren Verwandte, Kündigungsschutz, Schutz vor Mieterhöhungen, finanzielle Umzugshilfe, drei Angebote als Alternativwohnsitz bei Auszug … Und das alles ergänzt durch individuelle Gesprächsangebote und die Option auf persönliche, der Lebenssituation angepasste Lösungen. Das ist ein ganzes Programm mit vielen Möglichkeiten, die Sache sozial verträglich abzuwickeln.

3. Ich bin schon viele Jahre in der Branche unterwegs und kann daher sagen: Das ist sehr gründlich, sehr sensibel und den Menschen zugewandt gemacht. So etwas habe ich in dieser Qualität noch nicht gesehen. Da haben Verantwortliche eine bittere Entscheidung getroffen, aber sie setzen alles daran, dass keiner dabei Schaden nimmt.

Potsdam, 11. August 2025“