Die wbg 1903 erklärt ihre Kriterien für Neuvermietungen.

Sierra Ann Stiege ist bei der wbg 1903 die Objektbetreuerin in der Brandenburger Vorstadt und zuständig für die Hans-Sachs-Straße, Meistersingerstraße, Im Bogen, Roseggerstraße, Kastanienallee und Knobelsdorffstraße. Eine der vielen Aufgaben, mit denen sie sich befasst, ist das Thema Wohnungsvergabe. Die Redaktion des Mitgliedermagazins 1903 traf sie zum Interview.
Wie entstehen freie Wohnungen im Bestand der wbg 1903?
Eine freie Wohnung entsteht in der Regel aus zwei Gründen: Entweder Mitglieder vergrößern ihre Familie und brauchen dementsprechend auch eine größere Wohnung oder Mitglieder ziehen aus altersbedingten Gründen um. Oft leben unsere Mitglieder sehr lange in ihren Wohnungen und vor dem Einzug neuer Mitglieder besteht dann Sanierungsbedarf.
Wie viele BewerberInnen wir dann haben, kommt tatsächlich sehr darauf an, in welcher Gegend die Wohnung liegt und wie die Wohnung geschnitten ist. Bei einer großen Wohnung sind es teilweise bis zu 25 BewerberInnen. Aber ich hatte vor Kurzem zum Beispiel eine Einraumwohnung, da mussten wir länger nach einem Bewerber suchen.
Was passiert, wenn Sie nicht sofort BewerberInnen finden?
In diesem seltenen Fall haben wir die Wohnung erneut ausgeschrieben. Als wir dann noch immer keinen Interessenten hatten, haben wir das Wohnungsangebot in unserer App hochgeladen. Daraufhin haben sich Mitglieder mit Interesse an der Wohnung gemeldet.
Wie viele Wohnungen werden in der Brandenburger Vorstadt pro Monat durchschnittlich vergeben?
Im Durchschnitt sind es pro Monat zwei bis drei Wohnungen.
Werden bei der Wohnungsvergabe Nichtmitglieder mit einbezogen?
In der Regel nicht. Unsere Wohnungen werden vorrangig an unsere Mitglieder vergeben. Nur wenn kein Mitglied Interesse an einer frei gewordenen Wohnung hat, beziehen wir wohnungssuchende Nichtmitglieder aus unserem Interessentinnen-Pool mit ein.
Was sind die Prinzipien, an denen sich die Vergabe orientiert?
Wir arbeiten mit einem System, in dem all unsere wohnungssuchenden Mitglieder gelistet sind. Wenn wir eine Wohnung ausschreiben, dann hinterlegen wir die Eckdaten der Wohnung, also: Anzahl der Zimmer, Quadratmeteranzahl, Miethöhe. Die Mitglieder haben ebenfalls ihre Daten in ihrem Wohnungsgesuch hinterlegt. Passen die Daten zusammen, dann werden die Mitglieder informiert und erhalten das Wohnungsangebot.
Wenn Interesse besteht, wenden sie sich an uns und bekommen einen Besichtigungstermin. An dem Termin haben die BewerberInnen die Möglichkeit sich die Wohnung anzusehen und gegeben falls Fragen zu stellen. Mit dem Bewerberformular, was bei dem Wohnungsangebot mitgeschickt wird, können sich die Interessenten auf die Wohnung bewerben.
Im nächsten Schritt arbeiten wir dann mit unserer Vermietungscheckliste. Danach werden Punkte vergeben. Die Kriterien sind grundsätzlich gleich: Dauer der Mitgliedschaft, Dauer der Wohnungssuche, Anzahl der einziehenden Personen sowie die Höhe des Einkommens.
Können Sie uns erklären, wie die Punktevergabe funktioniert?
Bei der Wohnungsvergabe spielen mehrere Eckdaten eine Rolle: die Dauer der Mitgliedschaft, das Datum der Wohnungsbewerbung, die Angemessenheit der Wohnungsgröße in Relation zur Haushaltsgröße sowie die wirtschaftlichen Verhältnisse im Hinblick auf eine gesicherte Mietzahlung.
Liegen mehrere Bewerbungen mit vergleichbarer Eignung und gesicherter Zahlungsfähigkeit vor, entscheidet zunächst die längere Mitgliedschaft. Ist auch diese identisch, wird das frühere Bewerbungsdatum herangezogen.
Wichtig zu betonen ist: Bei der wirtschaftlichen Prüfung geht es nicht darum, wer das höchste Einkommen hat, sondern darum, wessen Einkommen in einem sinnvollen Verhältnis zur jeweiligen Wohnung steht. Wer insgesamt die meisten Punkte aller Vergabepunkte hat, erhält den Zuschlag für die Wohnung.
Was geben Sie wohnungssuchenden Mitgliedern mit auf den Weg?
Auch wenn der Wunsch nach einer neuen Wohnung oft dringend ist – bei uns ist Geduld ein wichtiger Begleiter. Unsere Wohnungen werden nach fairen, sozialen Kriterien vergeben, und manchmal braucht es einfach Zeit, bis das passende Angebot verfügbar ist. Wir empfehlen daher, regelmäßig im Kontakt zu bleiben, die Bewerbung aktuell zu halten und Vertrauen in das Verfahren zu haben.
Das Punktevergabe-System
Die Wohnungsvergabe bei der wbg 1903 basiert auf einem fairen Punktesystem.
Entscheidend sind:
• Dauer der Mitgliedschaft
• Dauer der Wohnungssuche
• Anzahl der einziehenden Personen
• Verhältnis von Miete zum Einkommen
Je besser das Verhältnis des Einkommens zur Miete, desto mehr Punkte gibt es. Entscheidend ist nicht das höchste Einkommen, sondern die passende Relation. Das System vergibt 1 bis 4 Punkte. Wer die meisten Punkte erreicht, erhält den Zuschlag. Das ist fair und nachvollziehbar.
Hier ein Beispiel:
Warmmiete: 650 €
• Einkommen: 8.000 €: 0 Punkte
• Einkommen: 2.500 €: 1 Punkt
• Einkommen: 1.300 €: 5 Punkte
Quelle: 1903








