Wie die Bundesgartenschau 2001 Potsdam veränderte

Wie die MAZ berichtete, habe die Bundesgartenschau 2001 für Potsdam eine Bedeutung gehabt, die weit über das eigentliche Veranstaltungsjahr hinausreiche.

Der Volkspark feiert in diesem jahr sein 20-jähriges Jubiläum. Foto: Benjamin Maltry

Was in einer Phase politischer Unsicherheit und wirtschaftlicher Stagnation begonnen habe, habe sich im Rückblick als zentraler Impuls für einen nachhaltigen Stadtumbau erwiesen – mit Folgen, die bis heute sichtbar seien.

Als die Buga am 21. April 2001 eröffnet worden sei, habe sich Potsdam in einer tiefen Krise befunden. Politische Umbrüche, stockende Investitionen und ein negatives Image hätten die Stadt geprägt. Selbst eine Absage der Gartenschau sei zeitweise diskutiert worden. Der damalige Oberbürgermeister Matthias Platzeck habe später eingeräumt, ein Scheitern der Buga wäre für Potsdam verheerend gewesen.

Vom Krisenimage zum Besuchermagneten

Die anfänglichen Zweifel hätten sich jedoch schnell gelegt. Bis zum Ende der Gartenschau am 7. Oktober 2001 seien rund 2,6 Millionen Besucherinnen und Besucher nach Potsdam gekommen. Die Stadt, die damals etwa 135.000 Einwohner zählte, habe einen deutlichen touristischen Aufschwung erlebt: Die Zahl der Übernachtungen sei im Vergleich zum Vorjahr um rund 60.000 gestiegen, zudem hätten etwa 15.000 Reisebusse Potsdam angesteuert.

Nach Angaben der MAZ sei dieser Erfolg nicht zufällig entstanden. Eine intensive Vorarbeit, positive Mundpropaganda, breite Medienberichterstattung und ein wachsender Rückhalt in der Stadtgesellschaft hätten dazu beigetragen, dass sich die Buga vom Risikoprojekt zum Publikumsmagneten entwickelte. Matthias Platzeck würdigte neben Fördervereinen, Kleingartensparten und Einzelinitiativen hätten auch die Wohnungsgesellschaften, welche Verantwortung übernommen, indem sie den Arbeitskreis StadtSpuren ins Leben riefen. Ziel sei es gewesen, die Stadt „wieder in Bewegung zu bringen, zu versöhnen und einen guten Geist zu erzeugen“.

Im Vordergrund stand der Gedanke, dass Erscheinungsbild der Stadt im Vorfeld der BUGA 2001 zu verbessern. Zunächst hatten sich sechs Wohnungsunternehmen zusammengeschlossen und elf, später sogar 20 Standorte festgelegt, die bis zur BUGA saniert oder umgestaltet werden sollten.

Dieser Ansatz, Stadtentwicklung als gemeinschaftliche Aufgabe von Verwaltung, Politik, Zivilgesellschaft und kommunalen wie genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen, prägt den Arbeitskreis StadtSpuren bis heute.

Stadtentwicklung als bleibendes Erbe

Besonders nachhaltig sei der städtebauliche Effekt der Buga gewesen. Bundes‑ und Landesgartenschauen dienten traditionell als Beschleuniger für Stadtentwicklungsprogramme – und auch in Potsdam habe dies gegolten. Laut MAZ seien rund 160 Millionen Euro investiert worden, davon etwa 77 Prozent in dauerhafte Anlagen wie Parks, Grünflächen und Infrastruktur.

Ein zentrales Beispiel sei das Bornstedter Feld. Auf einem ehemaligen sowjetischen Truppenübungsplatz sei zunächst der Buga‑Park entstanden, aus dem später der heutige Volkspark Potsdam hervorging. Wo zuvor militärische Altlasten lagen, sei ein beliebter Erholungsraum entstanden. Bereits im ersten Jahr nach der Buga hätten dort 250.000 Gäste gezählt werden können. Das angrenzende Wohnquartier Bornstedter Feld habe sich in der Folge zu einem der gefragtesten Stadtteile Potsdams entwickelt – begünstigt auch durch die im Zuge der Buga ausgebaute Straßenbahnanbindung.

Neubau der ProPotsdam im Bornstedter Feld. Foto: Benjamin Maltry

Freundschaftsinsel und Innenstadt neu gedacht

Auch die Freundschaftsinsel habe von der Gartenschau grundlegend profitiert. In den 1990er‑Jahren sei ihre Zukunft unsicher gewesen, begleitet von Vandalismus und Leerstand. Die Buga habe eine umfassende Sanierung ermöglicht: Wege, Wasserleitungen, Freiflächen und historische Gestaltungselemente seien erneuert worden. Die Wiedereröffnung des Inselcafés, die Rekonstruktion verschiedener Gartenepochen und die Integration der Karl‑Foerster‑Staudensammlung hätten die Insel zu einem der beliebtesten Naherholungsziele der Stadt gemacht.

Weitere Veränderungen, die Potsdam der Buga verdanke, seien laut MAZ unter anderem der umgestaltete Lustgarten, Teile des wiederhergestellten Stadtkanals, neue Grünflächen am Platz der Einheit sowie die landschaftliche Neuordnung der Bornimer Feldflur nach Lennéschen Vorbildern.

Erfolge mit Schattenseiten

Nicht alle Buga‑Projekte seien jedoch dauerhaft frei von Problemen geblieben. Die ehemalige Blumenhalle, die später zur Biosphäre Potsdam umgebaut worden sei, habe sich wirtschaftlich nie selbst getragen und bleibe ein Zuschussbetrieb. Dennoch gelte sie vielen als architektonisches Highlight und als wichtiges Element der Potsdamer Bildungs‑ und Freizeitlandschaft.

Insgesamt, so das Fazit der MAZ, habe die Bundesgartenschau 2001 Potsdam jedoch nachhaltig verändert. Sie habe nicht nur sichtbare Spuren im Stadtbild hinterlassen, sondern auch das Selbstverständnis der Stadt gewandelt. Aus der einstigen „Meckerhauptstadt des Ostens“ sei ein attraktives, grünes und stark nachgefragtes Reiseziel geworden – ein Wandel, der ohne die Buga kaum denkbar gewesen wäre.

Quelle: MAZ