Wandrestauratorin beim Bauverein Babelsberg

Seit fast zwölf Jahren lebt die Wandrestauratorin Anna‑Christin Selle als Mitglied beim Bauverein Babelsberg – und führt damit eine lange Familientradition im Malerhandwerk fort.

 Anna-Christin Selle
Anna-Christin Selle I Bild: Torsten Bless

Der Bauverein Babelsberg stellt mit Anna‑Christin Selle ein Mitglied vor, das eine besondere Verbindung zum Handwerk pflegt: Die 35‑Jährige ist Wandrestauratorin – und stammt aus einer echten Malerfamilie. Schon ihr Großvater Bernd Selle war als „Haus‑ und Hofmaler“ für den Bauverein tätig und führte viele Jahre einen bekannten Malereibetrieb in Babelsberg, den heute ihr Vater Gerd Selle weiterführt.

Obwohl Anna‑Christin Selle früh Einblicke in den familiären Betrieb erhielt, wollte sie ursprünglich nicht in die Fußstapfen von Vater und Großvater treten. „Ich war oft mit dabei, wenn sie ihre Aufträge machten. Und jetzt streiche ich am Ende doch wieder eine Menge“, sagt sie lachend. Heute arbeitet sie als Wandrestauratorin – ein Beruf, der handwerkliche Präzision mit kunsthistorischem Verständnis verbindet. Mit Spachtel und Pinsel untersucht sie Schichten, legt historische Farbgestaltungen frei und rekonstruiert sie fachgerecht.

Derzeit ist sie auf einer Großbaustelle im Robert‑Koch‑Forum in Berlin‑Mitte tätig. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen arbeitet sie dort in denkmalgeschützten Räumen an der originalgetreuen Wiederherstellung historischer Wand- und Säulenfarben. Ihr Studium absolvierte sie an der Fachhochschule Potsdam – aber die praktische Erfahrung, sagt sie, „habe ich von meinem Vater und meinem Opa. Ich kann hervorragend abkleben“, scherzt sie.

Einer ihrer besonders eindrucksvollen Aufträge war die Restaurierung einer ehemaligen Bankfiliale in Hamburg. Unter mehreren Farbschichten kamen dort kunstvolle Deckenmalereien zum Vorschein – darunter Fabelwesen, Wasserdrachen und Engelchen –, die vollständig freigelegt wurden.

Neben großen Projekten mag sie aber auch die abwechslungsreiche Mischung ihres Berufs: „Eine Kirche komplett durchzustreichen ist schön. Aber genauso liebe ich die filigrane Arbeit, wenn man sich zwei Wochen lang auf einen einzigen Quadratmeter konzentriert.“

Seit fast zwölf Jahren wohnt Anna‑Christin Selle als Mitglied des Bauvereins Babelsberg in ihrer Wohnung in Babelsberg. „Ich bin glücklich, bei der Genossenschaft eine Wohnung zu haben“, sagt sie. Trotz vieler Montagen in ganz Deutschland versucht sie inzwischen, mehr Aufträge in Berlin und Brandenburg anzunehmen, um mehr Zeit zu Hause zu verbringen.

In ihrer Freizeit engagiert sie sich musikalisch: Sie spielt im Accord Orchestra Potsdam, einem reinen Akkordeonorchester, dem sie bereits seit 26 Jahren angehört – ursprünglich als Schülerin der Musikschule Fröhlich. „Ich habe nur vergessen aufzuhören“, sagt sie mit einem Lachen. Geprobt wird einmal pro Woche, Konzerte gibt es unter anderem auf dem Bassinplatz oder bei privaten Veranstaltungen. Zu Hause übt sie dagegen seltener: „Mein Orchesterleiter findet, ich müsste mehr üben. Aber abends um acht möchte ich das meinen Nachbarn nicht zumuten.“

Quelle: Wir Babelsberger