Wie die MAZ berichtete, befinden sich die Bestände der WBG 1903 nahezu vollständig in den Potsdamer Fernwärmevorranggebieten.
Betroffen seien insbesondere Gebäude in der Brandenburger, Nauener und Teltower Vorstadt. Während einzelne Bereiche bereits heute über Fernwärme versorgt würden, stünden weitere Quartiere vor einer grundlegenden Umstellung ihrer Wärmeversorgung.
Eine besondere Rolle spiele dabei die Brunnensiedlung in der Teltower Vorstadt. Nach der kommunalen Wärmeplanung der Landeshauptstadt gehöre das Quartier zu den Gebieten, in denen die Wärmewende besonders früh umgesetzt werden solle.
Brunnensiedlung vor umfangreicher Modernisierung
Im Interview mit der MAZ erläuterten die Vorstände der WBG 1903, Anja Ronneburg und René Sperber, die Herausforderungen des Projekts. Die Brunnensiedlung umfasse 639 Wohnungen in 141 Hausaufgängen und stehe vollständig unter Denkmalschutz.
Aktuell würden die Wohnungen überwiegend über ältere Gasheizungen versorgt. Viele der Anlagen seien Anfang der 1990er-Jahre installiert worden und hätten mittlerweile ihre technische Lebensdauer erreicht.
Bevor über die zukünftige Wärmeversorgung entschieden werden könne, müsse zunächst geklärt werden, wie die Gebäude energetisch ertüchtigt werden könnten, ohne den denkmalgeschützten Charakter des Quartiers zu beeinträchtigen.
Fernwärme gilt als wahrscheinlichste Lösung
Nach Angaben der Vorstände sprechen die bisherigen Untersuchungen insbesondere in der Brandenburger Vorstadt klar für Fernwärme. Auch für die Brunnensiedlung werde diese Option derzeit intensiv geprüft.
Die Genossenschaft vergleiche derzeit verschiedene Varianten und wolle nicht nur die Investitionskosten betrachten, sondern auch die langfristigen Auswirkungen auf die Betriebskosten der Bewohnerinnen und Bewohner. Ziel sei es, bis Ende 2026 Klarheit über die zukünftige Wärmeversorgung zu erhalten.

Hoher Sanierungsbedarf bei denkmalgeschütztem Bestand
Die MAZ berichtete weiter, dass viele Gebäude der Genossenschaft energetisch deutlich hinter modernen Standards zurücklägen. Während sanierte Plattenbauten häufig einen Energiebedarf von 70 bis 80 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr aufwiesen, lägen die Gebäude der Brunnensiedlung nach Angaben der Genossenschaft oftmals im Bereich von rund 200 Kilowattstunden.
Eine energetische Sanierung werde daher unabhängig von der Entscheidung über Fernwärme oder andere Technologien als notwendig angesehen.
Investitionen in Millionenhöhe notwendig
Im Zusammenhang mit den jüngst beschlossenen höheren Geschäftsanteilen hatte die WBG 1903 bereits auf den hohen Investitionsbedarf hingewiesen. Für die Wärmewende und die energetische Modernisierung der Brunnensiedlung werde derzeit mit einem Investitionsvolumen von mindestens acht Millionen Euro gerechnet. Je nach technischer Lösung könnten die tatsächlichen Kosten noch deutlich höher ausfallen.
Die Vorstände betonten gegenüber der MAZ, dass dabei sowohl die wirtschaftliche Tragfähigkeit für die Genossenschaft als auch die Bezahlbarkeit für die Mitglieder berücksichtigt werden müsse.
Bis zu acht Jahre Bauzeit denkbar
Sollte die Umstellung wie geplant erfolgen, werde die Wärmewende in der Brunnensiedlung ein langfristiges Projekt. Nach Einschätzung der Genossenschaft könne die Umsetzung bis zu acht Jahre dauern.
Dabei gehe es nicht nur um neue Wärmeleitungen und Hausanschlüsse. Auch Heizkörper, Leitungsnetze und weitere technische Anlagen in den Gebäuden müssten teilweise erneuert werden. Die Arbeiten würden deshalb schrittweise erfolgen.
Wunsch nach engerer Abstimmung mit der Stadt
Nach Angaben der MAZ wünsche sich die WBG 1903 einen intensiveren Austausch mit der Landeshauptstadt und den Versorgern. Die Brunnensiedlung könne aus Sicht der Genossenschaft zu einem wichtigen Beispiel dafür werden, wie die Wärmewende in historischen Stadtquartieren umgesetzt werden könne.
Gleichzeitig betonten die Vorstände, dass die Mitglieder frühzeitig informiert und eng in den Prozess eingebunden werden sollen. Geplant seien Informationsveranstaltungen, sobald die technischen und wirtschaftlichen Grundlagen geklärt seien.
Quelle: MAZ









