Terrassenhaus der Nutheschlange wird abgerissen

Die PNN berichteten, dass das markante Terrassenhaus am nördlichen Ende der sogenannten Nutheschlange in Potsdam noch in diesem Jahr abgerissen werden solle.

Foto: Pixabay/wal_172619

Seit 2018 stünden die 38 Wohnungen des Gebäudeteils leer, der zum Wohnungsbestand der ProPotsdam GmbH gehört.

Das Haus wurde vom im vergangenen Jahr verstorbenen Architekten Hinrich Baller entworfen und falle durch seine exzentrische Architektursprache auf: ungewöhnliche Formen, verwinkelte Grundrisse, große Glasflächen, zahlreiche Treppen, Vorsprünge, Wasserspeier und eine breite Dachterrasse. Die Nutheschlange dient zugleich als Schallschutzbau für die benachbarte vierspurige Nutheschnellstraße.

Schwere Baumängel seit der Eröffnung

Laut PNN seien bereits kurz nach Fertigstellung erhebliche Bau- und Wasserschäden aufgetreten. Die ProPotsdam‑Bereichsleiterin Petra Runge erklärte, dass man seit der Übernahme des Gebäudes durch die damalige Gewoba 2003 beständig mit Mängeln zu kämpfen gehabt habe. Zu den Problemen zählten laut PNN:

  • gravierende Wasserschäden durch falsch verlegte Leitungen,
  • unzureichender Brand- und Wärmeschutz,
  • zu schmale oder zu niedrige Fluchtwege,
  • ungeeignete Außenwände aus dünnen Ziegeln,
  • fehlerhafte Dämmung mit offenen Spalten und Kältebrücken,
  • unzureichende oder fehlerhafte Rohrverläufe (z. B. Leitungen im Fußboden mit Steigung),
  • immer wieder auftretender Schimmel in Wohnungen.

Viele dieser Baumängel hätten dazu geführt, dass Mieter zeitweise mehrfach ausziehen mussten oder Mieten minderten. Auf Facebook habe eine ehemalige Bewohnerin laut PNN berichtet: „Wir mussten dreimal wegen Schimmel raus.“ Seit 2018 seien alle Wohnungen leer und das Gebäude werde inzwischen videoüberwacht, um weiteren Vandalismus zu verhindern.

Sanierung wäre unwirtschaftlich

Um das Gebäude weiter vermieten zu können, wäre eine Komplettsanierung bis auf den Rohbau notwendig gewesen. Die ProPotsdam habe laut PNN zuletzt 14,7 Millionen Euro an Sanierungskosten veranschlagt.

Zum Vergleich: Architekt Baller habe ursprünglich 6,5 Millionen Euro kalkuliert und gegen den Abriss unter Verweis auf sein Urheberrecht geklagt. Das Oberlandesgericht habe jedoch 2025 entschieden, dass die Abrissinteressen der ProPotsdam höher zu gewichten seien als die urheberrechtlichen Ansprüche.

Die ProPotsdam‑Technikleiterin Petra Runge sagte laut PNN: „Ich kann nicht verstehen, dass man ein Haus baut, das an so vielen Stellen nicht funktioniert.“ Der Abriss solle noch 2026 beginnen und etwa sechs Monate dauern. Die darunterliegende Garage bleibe zunächst bestehen.

Neubau ab 2029 möglich

Laut ProPotsdam-Sprecher Raiko Käske könnte frühestens ab 2029 ein Neubau entstehen. Vorgesehen seien dann 80 bis 90 Wohnungen, also deutlich mehr als im bisherigen Terrassenhaus.

Die benachbarten Schmetterlingshäuser des Ensembles, mit zusammen 160 Wohnungen, waren bereits zwischen 2010 und 2024 für rund 18 Millionen Euro saniert worden. Die sogenannten Anglerhäuser im Teich seien bei Mietern beliebt, aber ebenfalls baulich anspruchsvoll.

Architekturfans bedauern den Verlust

Die PNN berichten außerdem, dass die Initiative „Nutheschlange“, gegründet von ehemaligen Bewohner:innen, sich lange für den Erhalt eingesetzt habe.

Zum Tod Ballers habe die Gruppe geschrieben: „Die Nutheschlange windet sich weiter – trotzig, verspielt, voller Leben. (…) Kein Gebäude wie die anderen. (…) Exzentrisch. Für Räume, die nicht zähmen, sondern befreien.“

Trotz dieses kultigen Rufs komme die Stadt laut ProPotsdam nicht um einen Abriss herum, da das Gebäude „in vielerlei Hinsicht unpraktisch“ und nicht auf die Bedürfnisse der Bewohner ausgelegt sei.

Quelle: PNN