Roman Poosch, Vorstand der PWG 1956, im PNN-Interview

Die PNN veröffentlichten am 6. August ein ausführliches Interview mit Roman Poosch, Vorstandsmitglied der PWG 1956, zu den Herausforderungen, denen sich die Genossenschaft in den nächsten Jahren stellen muss. Wir dokumentieren die Hauptaussagen.
Energetische Sanierung von 4414 Wohnungen
„Wir haben zu jedem Gebäude bis zu vier Maßnahmen in unserem Klimapfad, zum Beispiel PV-Anlagen auf dem Dach, die Umstellung auf Fernwärme, Dämmung einzelner Gebäude, die Prüfung und Optimierung sowie den Einsatz smarter Technologien für unsere Heizungsanlagen.“
Bei denkmalgeschützten Gebäuden könne es in der Regel keine Dämmung von außen geben. „In der Stiftstraße 6 haben wir daher zum Beispiel die Innenseite der Doppelkastenfenster mit Isolierglas versehen, die Kellerdecke gedämmt und die Heizung von Gas auf Fernwärme umgestellt.“
Die Kombination der Maßnahmen bringe rechnerisch eine Einsparung von 15 Prozent und mache, grüne Fernwärme vorausgesetzt, ein klimaneutrales Gebäude möglich. „Am Kiewitt 30a-33 planen wir eine Komplexsanierung mittels seriellem Sanieren. Dabei werden vorgefertigte Fassadenelemente mit Dämmung und Fenstern vor die Fassade montiert.“ Ohne nennenswerte Fördermittelzuschüsse wäre dies aber nicht denkbar.
Zukünftige Wärmeversorgung
Bei den 30 Prozent der noch nicht mit Fernwärme versorgten Gebäuden müsse eine Abkehr von fossilen Brennstoffen erfolgen. „Bei unseren gasversorgten Gebäuden Am Schragen und in der Ruinenbergstraße wurden Studien zu Fernwärme- und Erdwärmelösungen gemacht. In der Französischen Straße ersetzen wir die Warmwassergasthermen durch elektrische Durchlauferhitzer. Am Sperberhorst 14-18 ergänzen wir eine Wärmepumpe zur Fernwärme. So gehen wir peu à peu durch die Bestände und suchen individuelle Lösungen.“
Parallel zur Wärmepumpe werde im Sperberhorst eine PV-Anlage errichtet. Derzeit werde ein Mieterstrommodell angestrebt. „Die Wohnungsnutzer bekämen hierbei bei Sonnenschein den Strom von der PV-Anlage, wenn diese keinen Strom erzeugt, ganz normal von ihrem bisherigen Versorger.“ Zwei große Anlagen gebe es bereits in Drewitz, eine weitere auf dem Verwaltungssitz in der Zeppelinstraße 152.
Bis zu 100 Millionen Euro will die 1956 nach Worten von Poosch in den nächsten Jahren aufwenden. „Das wären fünf Millionen pro Jahr, und zwar zusätzlich zu den Kosten der Instandhaltung.“ Auf der finanziellen Seite sei man noch nicht da, wo man hinwolle, auf der Projektseite aber schon mal auf einem guten Weg.
Moderater Anstieg der Nutzungsgebühren
Noch liegen die Nutzungsgebühren bei der PWG 1956 im Schnitt bei 6,48 Euro pro Quadratmeter. Doch um eine moderate Anpassung werde man in der Zukunft nicht herumkommen, so Poosch. „So steigen beispielsweise die Kosten der Verwaltung, die Instandhaltung und Instandsetzung der Gebäude stetig an. Um an unseren Standorten die Instandhaltung, das Quartiersmanagement, die Grünpflege und das genossenschaftliche Leben auf dem gewohnten und auch erwarteten Standard halten zu können, müssen wir die Nutzungsgebühren anpassen. Da reden wir noch gar nicht vom Klimapfad.“
Bei Neuvermietungen orientiere man sich derzeit am Potsdamer Mietspiegel plus zehn Prozent Neuvermietungszuschlag. Der Mietspiegel sei „in Kombination mit der Mietpreisbremse ein preisdämpfendes Instrument für die Potsdamer Mieter, welches sich gut mit den genossenschaftlichen Ansätzen verträgt“, bekundete Roman Poosch gegenüber den PNN.
Finanzierung des Klimapfads
Für alle durchgeführten Sanierungsmaßnahmen seien Förderprogramme und Zuschüsse beantragt worden. „Weitere Möglichkeiten bieten freie Kredite als Ergänzung zu unseren Eigenmitteln. Ein wichtiges Instrument ist auch unsere Spareinrichtung für Mitglieder. Mit dem eingelegten Geld können wir energetische Maßnahmen wie neue PV-Anlagen finanzieren. Das Sparvolumen umfasst derzeit 87 Millionen Euro.“
Der Klimapfad führe zu Verbrauchsreduzierung bei Strom und Wärme und dauerhafter Wertsteigerung der Liegenschaften. „Neben der gesetzlichen Verpflichtung zur Klimaneutralität bis 2045, ist es auch eine gesellschaftliche Aufgabe. Der Gebäudesektor ist schließlich für ein Drittel der CO₂-Emissionen zuständig.“
Neubau
Bei den derzeitigen Baukosten funktioniere für die 1956 aktuell nur geförderter Wohnungsbau, andernfalls lägen die Mieten bei 22 Euro kalt. „In Krampnitz wollen wir zu 100 Prozent geförderten Wohnraum schaffen. Wir verstehen Neubau immer auch als genossenschaftliches Generationenthema, denn die Kinder der Genossenschaftsmitglieder wollen irgendwann ausziehen und suchen dann Wohnraum.“
Mit einem Anhandgabevertrag habe sich die Genossenschaft die Option auf das Grundstück im Bergviertel gesichert. „Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, unter anderem der B-Plan rechtskräftig ist und ein Fördermittelbescheid vorliegt, würden wir mit den Genossenschaften Karl Marx und pbg das Grundstück kaufen – jede ihren Anteil. Die jeweils zweijährigen Bauphasen würden 2028, 2030 und 2032 beginnen. Für die PWG sollen etwa 300 Wohnungen entstehen.“
Neue Mitglieder bei Mietvertrag
Derzeit gebe es über 1000 Interessent:innen auf der Warteliste, die Wartezeit betrage mehr als drei Jahre. Seit März nehme die PWG 1956 neue Mitglieder nur bei Abschluss eines Mietvertrags auf. „Wenn wir Wohnungen haben, die unter den Mitgliedern nicht vergeben werden, werden sie auf Internetportalen und unserer Website angeboten. Derzeit sind in Saarmund einige Wohnungen frei.“ Für Krampnitz werde es vermutlich ein offenes Bewerberverfahren geben.
Bedeutung der Genossenschaften
Vorstand Roman Poosch brach im PNN-Gespräch zudem eine Lanze für die Genossenschaften. „Es wäre toll, wenn sich häufiger neue Genossenschaften gründen, zum Beispiel bei Neubauprojekten oder Konzeptausschreibungen der Stadt.“ Genossenschaften funktionieren seiner Ansicht nach in allen Größenordnungen, wie jüngst beim Potsdamer Genossenschaftstag wieder eindrucksvoll zu sehen. „Wir als PWG beteiligen uns mit den anderen Genossenschaften an der Potsdamer Wärmewende, bringen uns bei der kommunalen Wärmeplanung und zu vielen wohnungspolitischen Themen über den Arbeitskreis StadtSpuren auch in der Stadtpolitik ein.“








