Nebenkosten im Fokus

Die WG „Karl Marx“ erklärt, welche Faktoren bei der Berechnung eine Rolle spielen.

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Auch in diesem Jahr hat die Karl Marx wieder regulär zwischen Mai und Juli die Abrechnung der Nebenkosten an ihre Nutzer verschickt. Insgesamt 7100 Briefe bereiteten das Verbrauchsjahr 2024 auf. „Anders als im vorigen Jahr mit vielen Guthaben muss die Mehrzahl in diesem Jahr mit spürbaren Nachzahlungen rechnen, selbst wenn sich der individuelle Verbrauch kaum verändert hat“, sagt Antje Varga, Teamleiterin Nebenbücher. Der Grund dafür sind die veränderten Rahmenbedingungen bei den wichtigsten Kostenfaktoren Heizung und Warmwasser.

Im Verbrauchsjahr 2023, das im letzten Spätsommer abgerechnet wurde, galt für Fernwärme und Gas noch eine niedrigere Mehrwertsteuer von 7 statt 19 Prozent. Diese staatliche Ermäßigung lief zum 1. April 2024 aus. Anders als 2023 gab es im aktuellen Abrechnungsjahr 2024 auch keine staatlichen Preisbremsen für Wärme und Strom mehr. „Bezogen auf die gesamte Genossenschaft bewirkte der Wegfall der Preisbremse für Wärmelieferungen einen Anstieg der Nebenkosten von 0,9 Mio. Euro, die wieder erhöhte Mehrwertsteuer noch einmal 0,3 Mio. Euro“, erklärt Antje Varga.

Daneben verteuerten sich Winterdienst, Straßenreinigung und Müllgebühren um zusammen ca. 0,1 Mio. Euro sowie die Gebäudeversicherung infolge höherer Schadensquoten und gleitendem Neuwert um 0,3 Mio. Euro. Auf Letzteres hat die Karl Marx inzwischen mit dem Abschluss eines neuen Vertrages reagieren können, der eine Preisstabilität für 2025 sichert.

Inwieweit sich all diese Teuerungen in der jeweiligen Einzelabrechnung widerspiegeln, hängt neben dem individuellen Verbrauch auch von einer persönlichen Entscheidung ab. Wegen dieser absehbaren Kostenentwicklung hatte die Karl Marx ihren Nutzern im letzten Jahr angeboten, sich Guthaben aus der Abrechnung 2023 auf die Vorauszahlungen 2024 anrechnen und sich nicht auszahlen zu lassen. „Etwa jeder fünfte Nutzer entschied sich freiwillig für entsprechend angepasste Vorauszahlungen“, sagt Antje Varga. Diejenigen dürften jetzt von deutlich geringeren oder gar keinen Nachzahlungen für 2024 profitieren.

Dank Rahmenvereinbarung günstigere Fernwärme

Für alle hat sie immerhin im Vorausblick gute Nachrichten. „Durch Nachträge zur Rahmenvereinbarung mit der EWP konnte die Karl Marx für Fernwärme einen günstigeren, um 25 Prozent verringerten Arbeitspreis vereinbaren, was sich bei gleichem Verbrauchsverhalten auch in der nächsten Abrechnung als günstig erweisen sollte“.

Aber wie sieht das bei anderen Kostenfaktoren aus, etwa dem viel diskutierten, steigenden CO2-Preis? „Hier helfen uns, neben den Vereinbarungen mit der EWP, unsere umfassenden energetischen Sanierungen des Gebäudebestandes der letzten Jahre, wodurch die Energieklassen unserer Gebäude vergleichsweise gut sind. Der Preis steigt zwar, aber der Anteil bleibt gering“, sagt die Expertin.

Und wie steht es um die in ganz Deutschland zur Jahreswende eingeführte, neu berechnete Grundsteuer? Auch da kann sie Entwarnung geben. Inzwischen lägen fast alle neuen Bescheide vor. Unter Berücksichtigung der 25 %-igen Ermäßigung der Steuermesszahl als körperschaftssteuerbefreite Genossenschaft fällt nach Festsetzung des Hebesatzes in der Stadt Potsdam (per 01.01.2025 mit 330 %) die Grundsteuer ab 2025 für die genossenschaftlichen Objekte nicht höher, sondern günstiger aus.

Unsicherheit bei Trink- und Abwassergebühren

Etwas anders sieht es bei den zum 1. Januar 2025 erhöhten Verbrauchskosten für Trinkwasser und Abwasser aus. Ob sie so überhaupt wirksam werden, ist noch unklar, da es über die Gebührenbescheide einen längeren noch nicht endgültig entschiedenen Rechtsstreit gibt. „Wir rechnen damit, dass zumindest für die Wasser- und Abwasserbescheide, gegen welche wir in der Vergangenheit Widersprüche erhoben haben, eine rückwirkende Korrektur durch die Stadt erfolgen wird. Die aus der Korrektur resultierenden Gutschriften werden wir den betroffenen Nutzern weiterreichen“, erklärt Benedikt Nowak, Justiziar der Karl Marx.

Ein weiterer Punkt sind die ebenfalls zum 1. Januar erhöhten Abfallgebühren. Die Grundgebühr pro Haushaltsmitglied steigt um 25 %. Insgesamt steigen die Kosten für Entsorgung um ca. 12 %. „Der Spielraum, Kosten zu sparen, ist hier sehr klein. Nichtsdestotrotz können die Nutzer durch intensive Mülltrennung dazu beitragen, dass sich Behälterkapazitäten und Entleerungszyklen in den einzelnen Abfallfraktionen optimieren und im Idealfall Kosten einsparen lassen. Unsere Hauswarte kontrollieren die Müllstandplätze auch dafür regelmäßig.“

Quelle: KM Magazin