Die Landeshauptstadt Potsdam hat beschlossen, zentrale ökologische Baustandards für kommunale Bauvorhaben vorübergehend auszusetzen.

Davon profitieren insbesondere die ProPotsdam GmbH sowie der Kommunale Immobilienservice (KIS), die damit mehr Flexibilität bei der Umsetzung dringend benötigter Bauprojekte erhalten.
Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen
Die bislang geltenden Vorgaben für besonders nachhaltige Bauweisen und die Nutzung von Holz als Baustoff gingen über gesetzliche Mindeststandards hinaus. In den vergangenen Jahren haben sich jedoch die Rahmenbedingungen deutlich verändert: steigende Baupreise, höhere Zinsen und überzeichnete Förderprogramme erschweren zunehmend die Umsetzung von Projekten.
Mit dem nun beschlossenen Moratorium bis Ende 2030 reagiert die Stadt auf diese Entwicklungen und schafft Spielräume, um Bauvorhaben wirtschaftlich tragfähig zu halten.
Oberbürgermeisterin Noosha Aubel betont: „Wir schaffen die Voraussetzungen dafür, dass kommunales Bauen in Potsdam auch unter schwierigen Rahmenbedingungen verlässlich möglich bleibt.“
Impulse für den kommunalen Wohnungsbau
Für die ProPotsdam ist die Entscheidung ein wichtiger Schritt, um die Ziele des Potsdam‑Plans 3000+ umzusetzen. Dieser sieht unter anderem den Bau von mehr als 1.000 neuen Wohnungen bis Anfang der 2030er Jahre vor, davon rund die Hälfte mit Mietpreis- und Belegungsbindung.
Der Beschluss stärkt damit die Grundlage, um trotz gestiegener Kosten weiterhin sozialverträgliche Mieten im Neubau anbieten zu können.
Bert Nicke, Geschäftsführer der ProPotsdam, hebt hervor: „Die wirkungsstärkste Variante ergibt sich nicht immer aus dem höchsten Standard. Entscheidend ist die konkrete Situation eines Bauprojekts.“
Nachhaltigkeit wird weitergedacht
Das Moratorium bedeutet keinen Abschied von nachhaltigem Bauen. Vielmehr soll eine umfassende Neubewertung erfolgen, die ökologische, wirtschaftliche und soziale Aspekte stärker miteinander verknüpft.
Bernd Rubelt, Beigeordneter für Stadtentwicklung, unterstreicht diesen Ansatz: „Entscheidend ist die Gesamtbilanz eines Gebäudes über seinen gesamten Lebenszyklus.“
Im Mittelpunkt steht künftig die Frage, wie sich Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und bezahlbarer Wohnraum besser miteinander vereinbaren lassen.
Grundlage für zukünftige Standards
Die ausgesetzten Regelungen werden in den kommenden Jahren systematisch überprüft. Dabei sollen insbesondere folgende Aspekte analysiert werden:
- Auswirkungen auf Baukosten und Finanzierung
- Effizienz von Planungs- und Bauprozessen
- Zielkonflikte zwischen Ökologie, Ökonomie und sozialen Anforderungen
Spätestens sechs Monate vor Ablauf des Moratoriums soll ein neuer Vorschlag für künftige Baustandards vorgelegt werden.
Teil einer langfristigen Strategie
Der Beschluss fügt sich in die strategische Ausrichtung der Landeshauptstadt Potsdam ein, die gemeinsam mit der ProPotsdam im Rahmen des Potsdam‑Plans 3000+ verfolgt wird. Ziel bleibt es, bezahlbaren Wohnraum auszubauen, bestehende Quartiere zu stärken und die soziale Wohnraumversorgung langfristig zu sichern.
Insgesamt zeigt die Entscheidung, dass die Stadt und ihre kommunale Wohnungsgesellschaft flexibel auf neue Herausforderungen reagieren – mit dem Anspruch, den Wohnungsbau zu beschleunigen und gleichzeitig nachhaltige Lösungen weiterzuentwickeln.
Quelle: LHP








