MAZ: Stadt und Entwicklungsträger wollen Gewerbe in Krampnitz zeitlich verschieben

Wie die MAZ berichtete, wolle die Landeshauptstadt Potsdam die Entwicklung von Gewerbeflächen im neuen Stadtteil Krampnitz vorerst zurückstellen und sich zunächst stärker auf den Wohnungsbau konzentrieren.

Bild: Machleidt Sinai
Eine Visualisierung zum Masterplan Krampnitz. Bild: Machleidt Sinai

Hintergrund sei eine derzeit äußerst geringe Nachfrage nach neuen Gewerbeflächen, nicht nur in Krampnitz, sondern stadt‑ und regionsweit.

Zwar schreite der Aufbau des neuen Stadtteils sichtbar voran: Viele Wohnungen befänden sich im Bau, und auch das erste größere Gewerbeprojekt am Stadtteileingang, das sogenannte „Krampnitzer Tor“, solle bis etwa 2030 entstehen. Dort seien unter anderem ein Supermarkt, eine Drogerie, ein Bäcker und weitere Angebote vorgesehen. Für darüber hinausgehende Gewerbeflächen sehe sich der Entwicklungsträger jedoch mit erheblichen Vermarktungsproblemen konfrontiert.

Der Geschäftsführer des Entwicklungsträgers Potsdam, Bert Nicke, erklärte laut MAZ vor dem Potsdamer Wirtschaftsrat, dass Krampnitz zwar als integriertes Wohn‑ und Arbeitsquartier geplant sei, das Thema Gewerbe derzeit aber „sehr schwierig“ sei. In den Neubauten entlang der zentralen Straßen seien ursprünglich Gewerbeflächen in den Erdgeschossen und teilweise auch in den Obergeschossen vorgesehen gewesen. Aktuell gebe es dafür jedoch kaum Nachfrage. Die erforderlichen Mieten im Neubau lägen „weit jenseits von 25 Euro pro Quadratmeter“, was viele potenzielle Nutzer abschrecke.

Umwidmung zu Wohnungen als Option – aber mit Risiken

Als mögliche Reaktion werde diskutiert, einen Teil der vorgesehenen Gewerbeflächen in Wohnungen umzuwidmen, um Leerstand zu vermeiden. Nicke habe jedoch zugleich darauf hingewiesen, dass eine solche Entscheidung kaum rückgängig zu machen sei. Einmal in Wohnraum umgewandelt, stünden diese Flächen dem Gewerbe dauerhaft nicht mehr zur Verfügung.

Ein konkretes Beispiel schilderte laut MAZ Eva Weiß, Geschäftsführerin der Buwog, die in Krampnitz sowohl Wohn‑ als auch Gewerbebauten realisiere. Das historische Stabsgebäude am Quartierseingang sei ursprünglich als Bürogebäude geplant. Sollte sich jedoch kein geeigneter Nutzer finden, könne man sich vorstellen, stattdessen Mietwohnungen zu errichten. Platz wäre dort für 87 Wohnungen. Vorrang habe aus ihrer Sicht, dass das Quartier belebt werde und nicht mit Leerstand starte.

Skepsis aus der Wirtschaft

Der Potsdamer Wirtschaftsrat habe diese Perspektive mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Zwar sei man sich einig, dass Potsdam dringend Wohnungen brauche und der Wohnungsmangel die Fachkräftegewinnung erschwere. Gleichzeitig warnte der Vorsitzende des Wirtschaftsrats, Götz Friederich, davor, die Gewerbeentwicklung aus dem Blick zu verlieren. Es sei zwar einfacher, Wohnungen zu bauen, doch benötige die Stadt langfristig auch Flächen für Unternehmensansiedlungen und Ausgründungen aus den Hochschulen. Dafür sei ein langer Atem notwendig.

Auch Nils Busch‑Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin‑Brandenburg, räumte laut MAZ ein, dass die Nachfrage im stationären Einzelhandel derzeit schwach sei und sogar in Berlin Verkaufsflächen zurückgingen. Dennoch gehöre Einzelhandel zu einem lebenswerten Quartier. Entscheidend sei, Leerstand zu vermeiden, da sich sonst keine Identifikation mit dem neuen Stadtteil entwickle.

Stadt setzt auf zeitversetzte Gewerbeentwicklung

Der Potsdamer Wirtschaftsbeigeordnete Bernd Rubelt betonte gegenüber der MAZ, dass die aktuell diskutierte Verschiebung nicht bedeute, dass Krampnitz insgesamt mehr Wohnungen zulasten des Gewerbes bekommen solle. Vielmehr solle die Gewerbeentwicklung zeitlich nachgelagert erfolgen, wenn ausreichend Bewohnerinnen und Bewohner im Stadtteil lebten und sich die Nachfrage verbessert habe.

Gleichzeitig solle der Städtebau vorsorglich so gestaltet werden, dass eine spätere gewerbliche Nutzung möglich bleibe. Erdgeschosse müssten daher mit ausreichender Höhe und geeigneten Grundrissen geplant werden, damit dort zu einem späteren Zeitpunkt Läden oder Dienstleistungsangebote einziehen könnten.

Der Vorsitzende des Wirtschaftsrats fasste die Situation laut MAZ als einen „Spagat“ zusammen: Zunächst müsse Wohnen Vorrang haben, zugleich solle aber sichergestellt werden, dass Gewerbeflächen perspektivisch tatsächlich realisiert würden.

Quelle: MAZ