Hand in Hand für Menschen in Not

Azubis und Mitarbeiter der ProPotsdam engagieren sich für die Tafel

Die ProPotsdam-Azubis Jarl Burger (l.) und Benjamin Breuer (re.) mit Ausbilder Frank Mercier (mi.) im Einsatz bei der Tafel Potsdam. Foto: Adam Sevens

Ein Dienstag in der Waldstadt: Zur Mittagszeit herrscht Hochbetrieb bei der Tafel Potsdam. Lebensmittelspenden werden sortiert und in 120 Kisten gepackt. Auszubildende und Mitarbeiter der ProPotsdam fassen tatkräftig mit an für Mitmenschen, die darauf angewiesen sind.
Die erste Kundschaft wartet schon Stunden vor Öffnung der Ausgabe vor der Tür. Für sie ist die Arbeit des Vereins „Potsdamer Tafel“ im wahrsten Sinne des Wortes überlebenswichtig. Wer sich in der Drewitzer Straße anstellt, kann sich Obst, Fleisch oder Brot zu handelsüblichen Preisen nur selten leisten.

Zu den Stammgästen zählt auch Helga. Trotz mehr als fünf Jahrzehnten Beschäftigung reicht ihre Rente bei stetig steigenden Lebenshaltungskosten hinten und vorne nicht. Zur Tafel geht sie seit rund 15 Jahren. „Ich kämpfe um jeden Cent, da freue ich mich, wenn ich hier mal ein bisschen Gemüse und schöne Blumen kriege“, bekundet die 75-Jährige. Helga findet das Team „einwandfrei“, auch die Auszubildenden der ProPotsdam.

Die Nachwuchskräfte packen seit Oktober 2019 einmal in der Woche mit an. Gemeinsam mit der ehrenamtlichen Besatzung prüfen sie zunächst die überwiegend von Supermärkten gespendeten Lebensmittel auf Verwertbarkeit. Danach helfen sie von 15 bis 18 Uhr bei der Ausgabe. „Die Arbeit der Menschen, die hier jede Woche ohne Entlohnung Zeit und Energie reinstecken, sollte viel mehr wertgeschätzt werden“, findet Benjamin Breuer. Der angehende Immobilienkaufmann ist bereits das 17. Mal dabei. Jarl Burger, Azubi bei den Handwerkern, absolviert seine sechste Schicht. „Man merkt, dass die Tafel gebraucht wird“, sagt der 23-Jährige. Burgers Ausbilder und Teamleiter Frank Mercier ist beeindruckt, wie routiniert alle Hand in Hand arbeiten. „Das erfordert einen hohen Aufwand an Organisation und Manpower.“

Das Tafel-Team findet das Engagement der ProPotsdam „großartig“, sagt Geschäftsführerin Imke Georgiew. „Wir bekommen jede Woche verlässlich tatkräftige Unterstützung.“ Die Azubis haben den Blick über den Tellerrand zu schätzen gelernt. „Vorher habe ich mir nicht viel Gedanken über Lebensmittel gemacht, mittlerweile hinterfrage ich das Prinzip eines Supermarkts und meine eigenen Gewohnheiten“, meint Benjamin Breuer. „Wenn man hier arbeitet, merkt man, wie viel noch gebraucht werden kann.“ Jarl Burger ergänzt: „Nach einem Tag bei der Tafel bin ich dankbarer für das, was ich habe.“

Tafel Potsdam

• 2.100 Menschen werden pro Woche versorgt
• An sechs Tagen in der Drewitzer Straße
• Dazu jeden Dienstag im Friedrich-Reinsch-Haus
• Weitere Termine bei der Volkssolidarität, in Teltow und Werder
• Über 200 Ehrenamtliche und sieben Festangestellte
• 70 Supermärkte, Großhändler, Sponsoren spenden täglich
• Jede Woche mehr als 25 Tonnen Lebensmittel
potsdamer-tafel.de

Quelle: EINSVIER