Laut einem Bericht der PNN werde in der Potsdamer Mitte künftig mit einer Gedenktafel an das Schicksal der jüdischen Potsdamerin Anna Zielenziger und ihrer Familie erinnert.

Wie die Potsdamer Neuesten Nachrichten (PNN) berichten, solle in der Anna‑Zielenziger‑Straße in der Potsdamer Mitte eine Gedenktafel an die Namensgeberin der Straße erinnern. Zur Enthüllung am 26. Mai hätten das Autonome Frauenzentrum Potsdam sowie Oberbürgermeisterin Noosha Aubel (parteilos) eingeladen.
Anna Zielenziger, geboren 1867 als Anna Landsberger im schlesischen Glogau, habe mit 21 Jahren den jüdischen Getreidehändler Julius Zielenziger geheiratet. Dieser sei unter anderem als Stadtrat sowie als Vorstandsmitglied der Synagogengemeinde Potsdam tätig gewesen. Anna Zielenziger selbst habe sich gesellschaftlich engagiert, unter anderem als Vorsitzende des Israelitischen Frauenvereins sowie als Beisitzerin im Mädchenheim Potsdam e. V.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten habe sich das Leben der Familie dramatisch verändert. Die Tochter Gertrud sei bereits im September 1933 mit ihrem Mann nach Haifa ausgewandert, der Sohn Kurt später mit seiner Familie nach Amsterdam. Anna Zielenziger habe ihrem Sohn 1939 in die Niederlande folgen müssen, nachdem ihr Ehemann überraschend verstorben sei.
Nach der Besetzung der Niederlande durch das nationalsozialistische Deutschland habe auch dort die systematische Verfolgung der jüdischen Bevölkerung eingesetzt. Anna Zielenziger sei im Mai 1943 in das Durchgangslager Westerbork deportiert worden, zu diesem Zeitpunkt bereits schwer an Lungenkrebs erkrankt. Im September 1943 seien auch ihr Sohn Kurt und dessen Ehefrau Lilly dort inhaftiert worden. Anna Zielenziger sei am 2. November 1943 verstorben.
Ihr Sohn Kurt und dessen Frau Lilly seien später im Konzentrationslager Bergen‑Belsen ums Leben gekommen. Der Enkel Wolfgang habe untertauchen können und nach dem Krieg in die USA emigriert. Er sei 2010 im Alter von 90 Jahren in Long Island verstorben. Bereits seit 2009 erinnere ein Stolperstein in Potsdam an Anna Zielenziger.
Mit der neuen Gedenktafel solle nun dauerhaft an das Leben, das Engagement und das Leid dieser Potsdamer Familie erinnert werden.
Mit dem 2024 fertiggestellten neuen Quartier in der Anna‑Zielenziger‑Straße hat die Potsdamer Wohnungsgenossenschaft 1956 eG (PWG 1956) einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Potsdamer Mitte geleistet. Das Bauvorhaben orientiert sich am historischen Stadtgrundriss und folgt dem Leitbild einer behutsamen Stadtreparatur. Entstanden sind entlang der Anna‑Zielenziger‑Straße 28 familiengerechte Wohnungen, acht Gewerbeeinheiten sowie fünf Flächen für gastronomische Nutzungen. Ergänzt wird das Quartier durch Räume für Bildungs‑ und Kultureinrichtungen.
Auch die Wohnungsgenossenschaft „Karl Marx“ Potsdam eG ist in der Potsdamer Mitte aktiv. Im sogenannten Block III realisierte sie mehrere Neubauten und trägt damit ebenfalls zur Belebung und zur sozialen Durchmischung des Quartiers bei.
Die Benennung der Anna‑Zielenziger‑Straße und die geplante Gedenktafel machen deutlich, dass Stadtentwicklung in Potsdam nicht nur baulich, sondern auch erinnerungskulturell gedacht wird. Die Wohnungsunternehmen und ‑genossenschaften leisten hier einen wichtigen Beitrag, indem sie Wohnen, Arbeiten, Kultur und Geschichte miteinander verbinden.
Quelle: PNN








