Manchmal sind es Orte, die leise verschwinden und dann plötzlich wieder da sind. Der Lottenhof ist so ein Ort, lange vergessen und jetzt voller Zukunft.

Co-Leitung Stadtteilnetzwerk Potsdam West e.V. und Antje Siegel, Bereichsleiterin für
die sozial-kulturelle Stadtteilarbeit, Landeshauptstadt Potsdam (v. l. n.r.) I Foto: Benjamin Maltry
Was hier entsteht, ist mehr als ein Gebäude, es ist die Weiterführung von Gemeinschaft.
Wer den Lottenhof betritt, steht mitten im Übergang. Die Konstruktion des alten Saals ragt auf. Hohe Stahlpylone tragen das Dach, Seile spannen sich darüber wie ein Gerüst aus einer anderen Zeit. Es ist ein Ort zwischen Vergangenheit und Zukunft, rau und offen, bereit für das, was kommt: Ein Begegnungshaus, das nicht geplant wurde, sondern aus dem Stadtteil herausgewachsen ist.
Die Redaktion der EINSVIER hat die drei Frauen getroffen, die das Projekt prägen. Schnell wird klar, dies ist kein gewöhnliches Vorhaben. Bauherrin ist die Landeshauptstadt, vertreten durch Antje Siegel: „Ich fördere Projekte in der Gemeinwesenarbeit und bürgerschaftliches Engagement.“ Der Lottenhof werde künftig eines von mehr als 20 Nachbarschaftshäusern in Potsdam sein. „Genau solche Orte wie der Lottenhof sind entscheidend für ein funktionierendes Quartier“, weiß Antje Siegel.
Die ProPotsdam organisiert für die Landeshauptstadt den Bau: „Wir kümmern uns um alles rund um das Bauvorhaben“, sagt Projektleiterin Inga Dreger. Voller Respekt schaut sie auf das Projekt: „Wir wollen hier nichts neu erfinden, sondern das, was da ist, behutsam weiterentwickeln.“ In der ersten Bauetappe wird der große Saal wiederhergestellt. Er erhält seine prägende, dreiseitige Glasfassade zurück. Mit neuer Beheizung und Infrastruktur wird er künftig ganzjährig nutzbar sein.
Gemeinschaft als Fundament
Zu DDR-Zeiten war der Lottenhof ein Ort für Feiern, Tanz und gemeinschaftliches Leben, vielen bis heute vertraut. Nach der Wende wurde das Gelände bis 2010 weitergenutzt. Die Neuentwicklung begann ab 2013. Dass es so weit gekommen ist, liegt vor allem am Engagement vor Ort. „Seit 2013 arbeiten Nachbarinnen und Nachbarn daran, das Gelände nutzbar zu machen, Schritt für Schritt und mit einem langen Atem“, sagt Miriam Liebert. Sie ist vom Stadtteilnetzwerk Potsdam West e.V., dessen Mitglieder das Gelände unter anderem für Feste, gemeinsames Gärtnern, Flohmärkte, Filmabende, Musik- und Tanz-events nutzen. Da ist schon mal vom „Wohnzimmer des Stadtteils“ die Rede.
Auch Antje Siegel spricht vom Lottenhof mit spürbarer Nähe: Vom Haus, das wieder gefüllt ist mit Stimmen, mit Begegnungen, vielleicht auch mit Jugendweihen wie früher. „Die Nutzung ist eigentlich schon da“, sagt Siegel. Ihre Aufgabe sei es, diese gewachsene Energie in verlässliche Strukturen zu überführen und ihr nun auch ein sicheres Dach zu geben. „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal eine so schöne Aufgabe haben würde, einen Ort mit Geschichte gemeinsam mit vielen Menschen in die Zukunft zu begleiten.“
Vom Charlottenhof zum Lottenhof
Errichtet wurde der „Charlottenhof“ in den 1970er Jahren in Potsdam West als HO-Gaststätte der DDR und entwickelte sich schnell zu einer gefragten Adresse für Feiern, Tanzveranstaltungen und Familienfeste. Mit seinem großen Saal und der markanten, dreiseitigen Glasfassade bot er Raum für mehrere hundert Gäste und gehörte zu den bekannten Ausgeh-Adressen der Stadt, vergleichbar mit dem Terrassenrestaurant Minsk am Brauhausberg. Nach 1990 wurde der Ort unter dem Namen „Charlie“ weitergeführt und vor allem als Diskothek genutzt, die in den 1990er Jahren viele junge Potsdamerinnen und Potsdamer prägte. 2010 endete diese Phase, das Gelände wurde aufgegeben und verfiel zunehmend. Erst ab 2013 begann eine neue Entwicklung: Engagierte Anwohnerinnen und Anwohner, organisiert im Stadtteilnetzwerk Potsdam West e. V., machten das Areal wieder zugänglich und nutzten es schrittweise für Nachbarschaftsfeste, Urban Gardening und Kulturveranstaltungen. So entstand ein lebendiger Treffpunkt, der bürgerschaftliches Engagement stärkte und neue Perspektiven für das Gelände eröffnete.
Quelle: Einsvier








