ProPotsdam im Bauausschuss über teures Bauen wegen hoher Standards

Die ProPotsdam muss wie andere Bauherren auch nicht nur Landes- und Bundesgesetze oder DIN-Normen zu beachten. Auch die Stadtverordnetenversammlung hat der ProPotsdam und dem Kommunalen Immobilienservice (KIS) hohe Standards für nachhaltiges Bauen und eine hohe Energieeffizienz auferlegt.
Im Bauausschuss hat ProPotsdam-Geschäftsführer Bert Nicke Berichten von PNN und MAZ zufolge vorgerechnet, welche Auswirkungen das auf ein in einigen Jahren geplanten Projekt in der Heinrich-Mann-Allee hat. Beim Bau neben dem Alten Friedhof mit 278 Wohnungen muss das Unternehmen den Energieeffizienz-Standard EH 40 einhalten. Würde man dagegen mit dem ebenfalls umweltfreundlichen und förderfähigen Standard EH 55 bauen, verringerten sich die Kosten laut Berechnung der Architekten um 3,5 bis 4,7 Millionen Euro. Das entspreche sechs bis acht Prozent der Baukosten, referierte Nicke. Die vorgeschriebene Nachhaltigkeitszertifizierung summiere sich auf weitere 720.000 Euro bis rund eine Million Euro.
Bei Einhaltung des Standards EH 55 könnte man Material sparen, wenn Wände und Bodendecke bis zu 14 Zentimeter weniger gedämmt wären. Die Wohnfläche würde sogar um rund 300 Quadratmeter steigen, das entspreche etwa der Durchschnittsfläche von fünf Wohnungen.
Als zweites Beispiel nannte der ProPotsdam-Geschäftsführer die Verpflichtung zum Holzbau bei geeigneten Großprojekten. Im Rahmen des Projekts Gartenstadt Plus sind in der Drewitzer Slatan-Dudow-Straße 228 größtenteils seniorengerechte Wohnungen geplant. Hier liegen die Baukosten nach einer Umplanung um neun Prozent höher. Wenn Holz für tragende Elemente genutzt werde, würden die Brandschutzanforderungen und auch die Versicherungskosten steigen. Die ProPotsdam belasse es nun nur bei einer Holzfassade.
Ein drittes Beispiel sei die Verpflichtung zu vielen Stellplätzen. Bei studentischem Wohnen stelle sich die Frage nach der Notwendigkeit. „Und bei sozialem Wohnungsbau können die PKW-Stellplätze für kostendeckende 150 Euro im Monat gar nicht vermietet werden“, wird Bert Nicke von der MAZ zitiert.
„Es gibt Vorgaben, die sinnvoll sind, aber wenn das nicht regelmäßig überprüft wird, schleppt man das mit sich herum, und dabei ist das eventuell gar nicht mehr vom Willen der Stadtverordneten gedeckt“, meinte er. „Eine gewisse Flexibilität wäre sinnvoll, um das Bauen attraktiver zu machen.“








