Bücher tauschen, Nachbarn treffen

Mitten in der Brandenburger Vorstadt, hinter den Häusern der Hans-Sachs-Straße, befindet sich ein besonderer Ort der Begegnung: die Buchhaltestelle.

Buchhaltestelle I Foto: Mirka Pflüger

Was auf den ersten Blick wie ein kreativ gestalteter Bücherschrank wirkt, hat sich längst zu einem Treffpunkt für die Nachbarschaft entwickelt. Initiatorin des Projekts ist die Potsdamer Möbeldesignerin Anne Schulz, die gemeinsam mit der Künstlerin Julia Brömsel die Idee umgesetzt hat.

Ein Ort für Bücher und Begegnungen

Die Buchhaltestelle entstand aus dem Wunsch heraus, einen offenen und konsumfreien Raum für Austausch und Begegnung zu schaffen. Die Idee wurde im Rahmen eines Workshops zur Gestaltung der Außenanlagen vorgestellt und fand schnell Unterstützung in der Nachbarschaft. Ein ausrangierter Bücherschrank, gespendete Materialien und viele helfende Hände bildeten die Grundlage für das Projekt.

Die künstlerische Gestaltung übernahm Julia Brömsel. Besonders auffällig ist die aufgemalte Schnecke, die als Symbol für Entschleunigung steht. Bücher würden dazu einladen, sich Zeit zu nehmen und bewusst Momente der Ruhe zu genießen – ein Gedanke, der sich im Gestaltungskonzept der Buchhaltestelle widerspiegele.

Nachhaltigkeit und Nachbarschaft verbinden

Heute wird der Schrank regelmäßig genutzt. Bewohnerinnen und Bewohner bringen Bücher vorbei, nehmen neue Lektüre mit oder kommen bei einem kurzen Stopp miteinander ins Gespräch. Besonders beliebt sei die Kinderbuchschublade, die bewusst so angeordnet wurde, dass auch die jüngsten Leserinnen und Leser selbstständig stöbern können.

Ergänzt wird die Buchhaltestelle durch eine Bank und eine Pinnwand, auf der Nachbarschaftsideen, Hinweise und kleine Gesuche Platz finden. So sei über die reine Buchausleihe hinaus ein Ort entstanden, der Austausch und Miteinander fördere.

Gemeinschaftliches Engagement hält das Projekt lebendig

Wie das Mitgliedermagazin der WBG 1903 berichtet, werde die Buchhaltestelle nicht nur intensiv genutzt, sondern auch gemeinsam gepflegt. Nachbarinnen und Nachbarn kümmerten sich um Ordnung, Beleuchtung und kleine Reparaturen. Verschmutzungen oder Vandalismus seien bislang kaum ein Thema gewesen.

Ein kleines Projekt mit großer Wirkung

Für die Initiatorinnen zeigt die positive Resonanz, dass niedrigschwellige Angebote im Wohnumfeld eine große Wirkung entfalten können. Die Buchhaltestelle sei heute weit mehr als ein Ort zum Tauschen von Büchern. Sie stärke das nachbarschaftliche Miteinander, schaffe Begegnungen im Alltag und zeige, wie aus einer einfachen Idee ein lebendiger Treffpunkt entstehen könne.

Quelle: 1903