Wie die WBG 1903 ihren Altbaubestand nachhaltig renoviert

In einigen Kellern der WBG 1903 lagern wahre Schätze: Alte Doppelflügeltüren, rote Dielen und Messingbeschläge werden hier aufbewahrt. Diese Stücke stammen teilweise sogar noch aus der Gründerzeit – einer Epoche, in der Türen, Fenster und Böden mit viel Handwerk und Liebe zum Detail gefertigt wurden. Sie sind nicht einfach Ersatzmaterial, sondern historisch wertvolle Beiträge zum schönen Bestand der Genossenschaft.
Die WBG 1903 steckt viel Arbeit in detailgenaue Renovation und umsichtige Sanierung. Sie saniert, bewahrt, bessert aus und hebt auf. Der technische Objektmanager Herr Brix, Hausmeister Herr Treppesch und Handwerker Herr Plättner zeigt der Redaktion des Mitgliedermagazins 1903, wie genau diese „Reise des Wiederverwendens“ aussieht – und wie nachhaltiges Renovieren tatsächlich in der Praxis funktioniert.
Ein Lager voller Altbautüren
Unser Weg beginnt Am Brunnen 14. Um Fundstücke bewahren, gibt es bei der Genossenschaft mehrere Kellerlager. Herr Brix und Herr Treppesch präsentieren ausgebaute Holzdielen aus vergangenen Sanierungsprojekten. Pro Jahr betreut Herr Brix für die WBG 1903 etwa 50 Wohnungssanierungen – Kleinstmaßnahmen sind darin noch nicht erfasst. Da fällt einiges an Altmaterial an.
Herr Brix kennt alle Lagerorte und weiß, welche Häuser bald saniert werden. Intakte Altbautüren werden meist schon direkt auf der Baustelle von ihm beschriftet. Er erklärt: „Wir bauen Türen aus, wenn sie brauchbar sind, etikettieren sie sorgfältig und bringen sie in Kellern unter oder zum nächsten Sanierungsobjekt. So vermeiden wir Anschaffungskosten und Transporte für neues Material, wenn schon gute Exemplare vorhanden sind. Und noch viel wichtiger: Wir erhalten kostbaren Bestand.“
Ochsenblutfarbene Dielenbretter
Auch die ochsenblutfarbenen Dielen Am Brunnen, die wir mit Herrn Treppesch im Keller begutachtet haben, erfüllen einen Zweck: Abgeschliffen und auf Maß zugeschnitten, werden sie eingesetzt, um Löcher in Bodenecken zu schließen. Wird ein Kamin entfernt, ergänzen diese Dielenbodenstücke den restlichen gut erhaltenen Boden perfekt. Neue Dielen sind teuer und oft weniger widerstandsfähig. Die alten Holzdielen wurden vor 100 Jahren noch über lange Zeit getrocknet, was sie besonders widerstandsfähig macht. Dieses gute Material soll auf keinen Fall verschwendet werden und kommt auf diese Weise wieder zum Einsatz.
Der historisch genaue Farbton
In der Drevesstraße 46/47 streicht Herr Plättner zwei Außentüren. Besonders sind ihre sternförmigen Bleiverglasungen – kunstvoll, filigran und echte Handwerkskunst. Bevor der neue Anstrich folgt, müssen die Türen abgeschliffen und kleinere Beschädigungen ausgebessert werden. Anschließend bringt der Haushandwerker zwei Lackschichten auf – möglichst nahe an der ursprünglichen Farbgebung. Schließlich geht es nicht darum, neu zu erschaffen, sondern Altes zu beleben und in seinem ursprünglichen Glanz wiederherzustellen.
Den exakten Farbton kann er elektronisch bestimmen; häufiger verlässt er sich jedoch auf seine erfahrenen Augen. Viele der wiederaufgearbeiteten Türen sind aus der Zeit um 1900 – also der Gründerzeit, der Zeit des Jugendstils und des beginnenden Reformstils. Hier finden sich kunstvolle Details, die in modernen Bauelementen kaum noch anzutreffen sind: geschnitzte Türfüllungen, profilierte Rahmen, mundgeblasene Scheiben, Messingbeschläge oder handgeschmiedete Scharniere.
Eine exakt nachgebaute Tür
In der Heinrich-Mann-Allee erwartet uns ein besonders aufwendiges Projekt: drei baugleiche Eingangstüren. Außen weiß und cremefarben und innen in zwei schönen Blautönen gestrichen. Zwei Eingangstüren (Hausnummer 26) wurden denkmalgerecht restauriert. Die dritte war nicht mehr zu retten und wurde von einem Tischler exakt nach dem Vorbild des Originals nachgebaut. Wir stehen davor und fragen uns: Welche ist die neu geschaffene? Und welche sind die aufgefrischten?
Und genau so soll es sein: Die Nachbildung ist so liebevoll und präzise ausgeführt, dass sie kaum von den historischen Originalen zu unterscheiden ist. Herr Plättner weiß natürlich, welche Türen er ausgebaut, geschliffen, gestrichen und wieder eingesetzt hat. Und Herr Brix kann sich erinnern, für welche Tür er extra einen Tischler beauftragt hat. Einem ungeschulten Betrachter fällt der Unterschied gar nicht auf.
Nachhaltig und schön
Nachhaltigkeit und Wiederverwendung sind nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern auch zentral für den denkmalgeschützten Bestand der WBG 1903. Dielen, Türen, Bleiglasfenster sind also keine Altlasten, sondern Ressourcen mit Potenzial. Das sehen Nutzerinnen und Nutzer beim Einzug in frisch sanierte Wohnungen mit wunderbaren Dielenböden, schwarzen Fensterknäufen und originalen Altbautüren.
Und wer durch die Drevesstraße, die Heinrich-Mann-Allee oder Am Brunnen spaziert und die wunderschön gestalteten Haustüren in Rot, Blau oder Grün sieht, versteht es auch sofort: Diese Türen sind mehr als nur ein Eingang – sie sind Teil gelebter Geschichte.
Quelle: 1903








