Reger Austausch zur Energie- und Stadtentwicklung

Der Arbeitskreis StadtSpuren hat am 3. und 4. Dezember eine Exkursion nach Halle an der Saale durchgeführt. Vertreterinnen und Vertreter aus neun Potsdamer Wohnungsunternehmen nutzten die zweitägige Reise, um sich mit der sozialen Wohnungswirtschaft in Halle auszutauschen: Themen waren vor allem die Gestaltung der Wärmewende sowie die Erfahrungen bei der nachhaltigen Entwicklung der Quartiere.
Zu Gast bei der BWG Halle-Merseburg
Den Auftakt der Exkursion bildete der Besuch des Erlebnishauses der Bau- und Wohnungsgenossenschaft Halle-Merseburg e.G. (BWG). Unser Gastgeber Lutz Haake, Vorstand der Genossenschaft, stellte das Konzept und die vielfältigen Angebote des Hauses vor.
Das Erlebnishaus bietet auf rund 2.500 m² alles, was Kindern bis zwölf Jahren Spaß macht: Hüpfburgen, Kletterlandschaften, Trampoline, eine Skateranlage und viel Fläche zum Austoben. Gleich nebenan lädt die Minigolfanlage „5 Welten“ ein. 18 Bahnen in 3D-Blacklight führen die Besucherinnen und Besucher durch verschiedene Themenwelten. Hausmanager Manuel Michaelis berichtete vom positiven Feedback der Gäste und dem positiven Image, das die Genossenschaft mit diesen Einrichtungen generiert.
Die BWG Halle-Merseburg e. G. ist mit 5.908 Mitgliedern und rund 4.528 Wohnungen ein wichtiger Akteur der regionalen Wohnungswirtschaft. Seit 2009 verfügt die Genossenschaft über ein eigenes Sozialmanagement. Es organisiert jährlich rund 300 kulturelle und soziale Veranstaltungen – unterstützt durch ein breites Netzwerk an Partnern in Halle und Merseburg. Betreiber des Erlebnishauses ist eine eigenständige, als GmbH organisierte Tochter der BWG.
Energie-Initiative Halle

Thematischer Schwerpunkt des ersten Tages war die Vorstellung der Energie-Initiative Halle, deren Gründungsmitglied die BWG ist. Vorstand Lutz Haake erläuterte seine Sicht auf die Zusammenarbeit zwischen Wohnungs- und Energiewirtschaft. Wichtige Grundlagen seien erstens das Bewusstsein, dass beide für die Entwicklung der Stadt Verantwortung tragen würden, und zweitens die Fähigkeit, einander auf Augenhöhe begegnen zu können.
Dr. Katja Nowak, Leiterin Klimaneutralität und Energiewende beim städtischen Energieversorger EVH GmbH, präsentierte Struktur und Ziele des Bündnisses. Es fällt auf, dass neben der Wohnungswirtschaft, der Stadt Halle sowie den Stadtwerken in dem Bündnis auch standortprägende Industriebetriebe und Forschungseinrichtungen sowie Krankenhäuser und Hochschuleinrichtungen in dem Bündnis mitarbeiten. Nicht nur der Energieanbieter und die großen Abnehmer arbeiten hier zusammen, auch wichtige Komponenten der städtischen Infrastruktur kommen hier zusammen.
Mit der Roadmap 2045 arbeitet die Initiative daran, konkrete Projekte auf dem Weg in die Klimaneutralität umzusetzen. Besonderer Fokus liegt auf einer zukunftsfähigen Fernwärmeversorgung mit hervorragendem Primärenergiefaktor.
Zum Abschluss des ersten Tages besuchte der Arbeitskreis die Power-to-Heat-Anlage im Erzeugerpark der EVH, die ein zentraler Baustein für die ökologische Wärmeversorgung der Stadt ist.
Rundgang durch Halle-Neustadt

Am zweiten Tag stand die Entwicklung der großen Wohngebiete im Mittelpunkt. Gemeinsam mit Herrn Peer Strauch, Bereichsleiter Bautechnik der kommunalen GWG Halle-Neustadt, und Frau Katrin Stange, Bereichskoordinatorin Wohnungswirtschaft, erkundete der Arbeitskreis den Stadtteil Halle-Neustadt.
Zunächst wurde der Firmensitz der GWG besucht. Mit rund 10.000 Wohnungen ist sie der größte Vermieter in Halle-Neustadt, wo sich 96 Prozent ihres Bestands befinden. Die Genossenschaft bietet Wohnraum für alle Lebenslagen – von familienfreundlichen Wohnungen über barrierearme Seniorenwohnungen bis zu veränderten Grundrissen und WG-Zimmern in „Blockhouse City“.
In den vergangenen Jahren wurden umfangreiche energetische Modernisierungen umgesetzt. Ergänzend dazu spielt die soziale Quartiersarbeit eine zentrale Rolle: Sozial-, Migrations-, Senioren- und Wohngeldberatung sowie gezielte Unterstützungsangebote für ältere Mieterinnen und Mieter sind fest im Quartier verankert.
Die Hallenser kämpfen mit zwei großen Problemen, die die Potsdamer Unternehmen nicht kennen: Zum einen ist da der Leerstand von Wohnungen, wobei nicht nur der in den eigenen Wohngebäuden ein Problem ist, sondern wegen der imageschädlichen Wirkung auch der in der Nachbarschaft. Zum anderen sind da die Hinterlassenschaften von zweifelhaften Investoren, die riesige Gebäude mit zehn und mehr Geschossen, zum Teil auch in zentralen Lagen, regelrecht verrotten lassen.
Stadtteil im Wandel
Die ehemals sozialistische „Chemiearbeiterstadt“ durchlief nach 1990 eine starke Schrumpfungsphase. Der Abriss von 5.000 Wohnungen, Schulgebäuden und Kindergärten sowie umfangreiche Aufwertungsmaßnahmen prägten die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte.
Heute stabilisiert sich die Bevölkerungszahl durch internationale Zuzüge erneut – eine neue Phase der Transformation beginnt. Besonders herausfordernd ist der Umgang mit den ikonischen Scheibenhochhäusern, die das Zentrum des Stadtteils prägen. Das Sanierungsgebiet „Stadtteilzentrum Neustadt“ setzt hier an und bildet einen wichtigen Rahmen für die zukünftige Entwicklung.
Fazit
Die Exkursion bot den Potsdamer Wohnungsunternehmen einen wertvollen Einblick in die Transformation der sozialen Wohnungswirtschaft in Halle – vom breiten sozialräumlichen Angebot der BWG bis zu den strategischen Herausforderungen der GWG in Halle-Neustadt. Der intensive Austausch mit den Halleschen Kollegen zu Energie- und Stadtentwicklungsthemen liefert zahlreiche Impulse für die eigene Arbeit in Potsdam.
Der Arbeitskreis StadtSpuren bedankt sich herzlich bei allen Gastgeberinnen und Gastgebern in Halle für die informative, kollegiale und inspirierende Zusammenarbeit.








