Aktiv im Unruhestand

Dr. Ortrud Heßke engagiert sich als Vertreterin der PWG 1956 für den Stern

Dr. Ortrud Heßke will sich wieder als Mitgliedervertreterin der PWG 1956 vorschlagen lassen. Foto: Torsten Bless

Eine „ruhige Kugel“ zu schieben, ist nicht ihre Sache. Auf vielfachen Wunsch ihrer Nachbarn wird sie noch eine weitere Amtszeit absolvieren. Die Redaktion der „Information der Genossenschaft“ hat sie besucht.

In diesem Frühjahr hat Ortrud Heßke ein 40-jähriges Jubiläum gefeiert. Am 5. Mai 1985 zog sie mit ihrer kleinen Tochter in eine Zweizimmer Wohnung ins Hochhaus Grotrianstraße 15 ein. Gebürtig in Blankenburg und aufge-wachsen in Wernigerode am Harz, siedelte sie bereits 1978 nach Potsdam über, um hier als Dozentin an der Pädagogischen Hochschule im Fachbereich Germanistik zu lehren. Damals war der Stadtteil „Am Stern“ noch im Werden begriffen, aber schnell von ihr als neues Zuhause angenommen. Eine geräumige Wohnung, ein Fahrstuhl, eine große Rasenfläche mit Bänken und Tisch, ein kleiner Spielplatz und die vielen „neuen“ Nachbarn trugen dazu bei, sich wohlzufühlen.

Wann sie genau zur Mitgliedervertreterin gewählt wurde, weiß sie nicht mehr. Ein erstes Bild in dieser Funktion erschien 1992 in der „Information der Genossenschaft“. In ihrem Amt versteht sich Frau Dr. Heßke als Bindeglied zwischen den Mitgliedern im Stern und dem Vorstand der PWG 1956, „damit die obere Etage weiß, was den Bewohnerinnen und Bewohnern am Herzen liegt.“ Sehr oft spricht sie mit den Älteren, die manchmal einfach jemanden zum Zuhören brauchen. Über Probleme wird natürlich auch gesprochen, gern auf dem Hausflur.

Im Einsatz für die Nachbarn

Manche kleinen Dinge wie tropfende Rohre oder schlecht schließende Fenster können vom Servicebüro im Haus und von den Hausmeistern behoben werden. Doch das eine oder andere Anliegen braucht ein wenig mehr Intervention. Dann schlägt die Stunde der Vertreterin. Dem Vorstand habe sie im Laufe der Jahre einige kritische Briefe, sie nennt sie lächelnd „Drohbriefe“, geschickt, wenn Hilfe gebraucht wurde. Mit Erfolg. So wurden etwa am Spielplatz hinter dem Haus die alten, noch aus der Bauzeit stammenden provisorischen Stufen durch eine neue solide Treppe ersetzt. Ältere Menschen aus ihrem Haus erhielten direkt neben dem Haus Stellplätze für ihre Autos.

Seit ihrem Einzug hat sich viel verändert. Der Keplerplatz ist zum lebendigen Zentrum geworden. Einkaufsmöglichkeiten, Ärztehaus, Apotheke, Sparkasse, Friseur, Optiker und ein nettes kleines Café, nebenan die Schwimmhalle und Sauna, Sportplatz und Bibliothek: Hier lässt es sich gut wohnen. „In den letzten Jahren sind besonders viele junge Leute Mitglied der 1956 geworden und in unser Haus eingezogen“, hat sie beobachtet. „Sie arbeiten oder studieren in Berlin oder Potsdam, so ist es nicht leicht, sie für die Gemeinschaft zu interessieren. Leider. Eine Aufgabe für die Zukunft?“

Noch lange kein altes Eisen

Bei den anstehenden Vertreterwahlen der 1956 in diesem Herbst wollte Frau Dr. Heßke nicht wieder antreten. „Ich habe das all die Jahre wirklich sehr, sehr gern gemacht“, bekräftigt die Seniorin. „Doch dann fiel mir plötzlich ein: Oh Gott, ich werde ja schon 78!“

Die Nachbarn machten ihr einen Strich durch die Rückzugspläne. „Wenn du nicht kandidierst, dann gehen wir nicht wählen.“ Und das war ernst gemeint. „Die beiden anderen Vertreterinnen aus unserem Haus drohten damit, auch aufzuhören.“ Für eine weitere fünfjährige Amtszeit hat sie noch genug Energie, findet Ortrud Heßke. „Es macht mir Spaß, wenn ich anderen Menschen helfen kann und wenn ich sehe, dass ich etwas geschafft habe.“

Quelle: Information der Genossenschaft