Wasserversorgung in Potsdam: Stadt favorisiert kommunale Lösung ab 2028

Die Landeshauptstadt Potsdam habe sich für eine grundlegende Neuorganisation der Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung ausgesprochen.

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Wie aus einer Mitteilung der Stadt hervorgehe, empfehle die Verwaltung die Gründung einer 100‑prozentig städtischen Gesellschaft im Verbund der Stadtwerke Potsdam (SWP). Diese solle die Versorgung künftig aus einer Hand übernehmen.

Nach Angaben der Stadt habe Oberbürgermeisterin Noosha Aubel den entsprechenden Vorschlag den Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung vorgestellt. Ziel sei es, eine dauerhaft sichere und verlässliche Lösung für die Wasserversorgung zu schaffen. Die neue Gesellschaft solle bis zum 1. Januar 2028 arbeitsfähig sein.

Die Verwaltung habe im Vorfeld verschiedene Modelle geprüft, darunter auch ein Einheitsmodell mit privater Minderheitsbeteiligung sowie Varianten einer vollständig kommunalen Lösung. In der Abwägung habe sich der Verwaltungsvorstand nun für die Gründung einer städtischen Gesellschaft entschieden, da diese eine Versorgung in vollständig kommunaler Verantwortung ermögliche und gleichzeitig bestehende Strukturen im Stadtwerke‑Verbund nutze.

Wie die Stadt weiter mitteilte, verspreche sich die Verwaltung von diesem Modell eine stärkere kommunale Steuerung einer zentralen Aufgabe der Daseinsvorsorge. Zudem könnten vorhandene Kompetenzen gebündelt und Zuständigkeiten klarer strukturiert werden. Auch für die Beschäftigten werde eine verlässliche Perspektive gesehen, da ein Betriebsübergang vergleichsweise einfach umzusetzen sei. Mögliche Gewinne könnten innerhalb des Stadtwerke‑Verbunds verbleiben.

Laut Beschlussvorlage solle zunächst über die grundsätzliche Organisationsform entschieden werden. Details zur Finanzierung, Personalstruktur und operativen Umsetzung würden erst in einem weiteren Verfahren ausgearbeitet. Die Vorlage solle am 24. Juni 2026 im Hauptausschuss beraten werden, eine Entscheidung der Stadtverordneten sei für September 2026 vorgesehen.

Hintergrund der Neuorganisation sei ein Beschluss der Stadtverordnetenversammlung aus dem Jahr 2025, der eine Neuordnung der Wasserver- und Abwasserentsorgung angestoßen habe. Die Stadt habe den bisherigen Vertrag mit Wirkung zum 31. Dezember 2027 gekündigt. Grund seien unter anderem veränderte rechtliche Rahmenbedingungen sowie ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 15. Januar 2026, das die Möglichkeiten sogenannter Inhouse‑Vergaben eingeschränkt habe.

Wie die MAZ ergänzend berichtete, bedeute der Vorschlag eine Abkehr von zuvor diskutierten Privatisierungsmodellen. Noch kurz zuvor habe die Stadt eine teilweise Öffnung der Wasserversorgung für private Investoren in Betracht gezogen. In der Stadtverordnetenversammlung habe sich jedoch eine Mehrheit für die Prüfung einer vollständig kommunalen Lösung ausgesprochen.

Laut MAZ betreffe die Neuorganisation auch bestehende Eigentumsverhältnisse: Derzeit befänden sich rund 35 Prozent der Anteile der Energie und Wasser Potsdam (EWP) in privater Hand. Für die Übernahme dieser Anteile könnten Kosten im Umfang von etwa 100 Millionen Euro entstehen, ausgehend von einem Gesamtwert der Anlagen von rund 300 Millionen Euro.

Die Entscheidung über die künftige Organisation der Wasserversorgung werde voraussichtlich bis Herbst 2026 getroffen. Sollte die neue Gesellschaft gegründet werden, würde sie ab 2028 die Aufgaben der bisherigen Struktur übernehmen.

Quelle: LHP, MAZ