Der leichte Aufschwung im Vorjahr scheint nur ein Strohfeuer gewesen zu sein, vermuten die PNN. In der ersten Jahreshälfte setze sich die Schwäche im Wohnungsbau in Potsdam fort.

Neubauwohnungen seien in Potsdam rar und teuer. Und auf absehbare Zeit dürften auch nicht viele weitere dazu kommen. Darauf deuten laut PNN aktuelle Daten des Statistischen Landesamtes zu den Baugenehmigungen im ersten Halbjahr 2026 hin. Deren Zahl bewege sich in etwa auf dem schwachen Niveau des Vorjahreszeitraums. Von Anfang Januar bis Ende Juni seien demnach in der Landeshauptstadt Genehmigungen für genau 264 Wohnungen erteilt worden.
Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum des Vorjahres seien es nur 233 gewesen. Im ersten Halbjahr 2024 seien noch 387 gezählt worden. Im ersten Halbjahr 2023 seien sogar noch 422 Wohnungen genehmigt worden.
Potsdam könnte auf Negativrekord zusteuern
Eine niedrige Anzahl von Baugenehmigungen könnte den Wohnungsmangel weiter verschärfen, so die Zeitung. Denn bevor gebaut werden kann, muss eine Genehmigung erteilt werden. Von der Baugenehmigung bis zum Einzug der ersten Bewohner dauere es dann durchschnittlich rund zwei Jahre. Schon jetzt stünden kaum Wohnungen leer. Und der anhaltende Zuzug sorge für eine hohe Nachfrage und folglich für steigende Mieten.
Rechne man die Baugenehmigungen in Potsdam auf das Jahr hoch, käme man theoretisch auf 528 Wohnungen. Damit könnte die Stadt auf einen Negativrekord zusteuern. Im langfristigen Vergleich werde die Dimension deutlich: In den vergangenen beiden Jahrzehnten habe es viele Jahre mit mehr als 1000 genehmigten Wohnungen gegeben. Beispielsweise sei die Stadt im Jahr 2020 auf insgesamt 1104 genehmigte Wohnungen gekommen, im Jahr 2014 waren es sogar 2735. Im Jahr 2024 dagegen nur noch 761.
Im vergangenen Jahr seien in der zweiten Jahreshälfte überraschend viele Wohnungen genehmigt worden: Im Oktober wurde die Baugenehmigung für ein großes Wohnungsbauvorhaben an der Großbeerenstraße erteilt. Dort errichtet das Potsdamer Immobilienunternehmen KW Development mehr als 565 Wohnungen. Im Mai wurde der Grundstein gelegt. Offenbar sei das große Einzelvorhaben vorerst eine Ausnahme von der Regel gewesen, während der Trend weiter abwärtsgeht, so vermuten die PNN.
Die Stadt versucht, gegenzusteuern
Dem gegenüber sei die Nachfrage nach Wohnraum weiterhin hoch. Es gebe kaum vermietbaren Leerstand. In der Folge stiegen die Preise und die Mieten. Laut einer aktuellen Marktanalyse des Berliner Forschungsinstituts Empirica wurden im zweiten Quartal 2026 für einen Quadratmeter Neubauwohnung im Durchschnitt 19,48 Euro Kaltmiete verlangt. Im Ranking lande Potsdam damit weiterhin bundesweit auf Platz vier unter den kreisfreien Städten.
Die Problemlage sei seit Jahren die gleiche: Die Branche beklage eine Mixtur aus gestiegenen Baupreisen, gestiegenen Zinsen für die Finanzierung und hohen Grundstückspreisen. Deshalb seien die Kostenmieten so hoch, dass sie sich am Markt kaum durchsetzen ließen. Als Folge werden weniger Wohnungsbauten beantragt. Dazu kommt seit Februar die Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung infolge der gestiegenen Energiepreise wegen des Krieges am Persischen Golf.
Die Stadt Potsdam versuche durch die Nutzung des sogenannten Bauturbos zumindest Planungsprozesse zu beschleunigen und so mehr Flächen bereitzustellen. Noch wohnten viele Potsdamer vergleichsweise günstig, wenn sie unter anderem einen alten Mietvertrag oder ihre Wohnung von einer Genossenschaft bekommen hätten. Kaufen werde allerdings schwierig: Mittlerweile gelte die Stadt laut einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) selbst für Gutverdiener als nicht mehr bezahlbar. Im Ranking der am wenigsten erschwinglichen Landkreise und kreisfreien Städte lande Potsdam deutschlandweit auf Rang elf.
Quelle: PNN








