Wie die MAZ berichtet habe, hätten rund 20 junge Menschen am vergangenen Freitagabend ein seit Jahren leer stehendes Gebäude auf der Potsdamer Insel Hermannswerder besetzt.

Bei dem Objekt handele es sich um eine frühere Fahrradwerkstatt, die dem Kommunalen Immobilienservice (KIS) der Landeshauptstadt gehöre und seit längerer Zeit zum Verkauf stehe.
Nach Angaben der Zeitung sei das Gebäude bei der Besetzung nicht verschlossen gewesen. Ein Tor zum Gelände sowie mehrere Fenster hätten offen gestanden. Die Besetzung sei als Protest gegen die angespannte Wohnraumsituation in Potsdam sowie als Versuch verstanden worden, langfristig Wohnraum zu schaffen.
Am Abend sei die Polizei mit mehreren Einsatzfahrzeugen vor Ort gewesen. Die Besetzer hätten zunächst eine Räumung befürchtet. Gegen 22 Uhr habe jedoch Oberbürgermeisterin Noosha Aubel (parteilos) persönlich das Gespräch mit den Anwesenden gesucht. Laut Aussagen der Besetzer habe sie zunächst deutlich gemacht, dass das Gebäude geräumt werden müsse, im weiteren Verlauf des Gesprächs jedoch zugesichert, dass die Gruppe bis zum Verkauf der Immobilie bleiben dürfe, sofern sie das Gebäude dann verlasse.
Die Besetzer hätten deutlich gemacht, dass sie ein dauerhaftes Bleiberecht anstrebten. Ein Handwerker aus der Gruppe habe gegenüber der MAZ erklärt, er lebe selbst in prekären Wohnverhältnissen und sehe gute Möglichkeiten, die ehemaligen Werkstatträume durch einfache bauliche Maßnahmen in zusätzlichen Wohnraum umzuwandeln. Auch Wasser- und Stromanschlüsse seien vorhanden, Sanitäranlagen ebenfalls. Weitere Personen könnten nach Einschätzung der Gruppe künftig dort untergebracht werden.
Laut MAZ hätten die Besetzer bereits in der ersten Nacht mit Aufräum‑ und Gartenarbeiten begonnen und das Gelände für eine Nutzung vorbereitet. Es habe zudem ein kleines Konzert gegeben, zu dem rund 50 Unterstützerinnen und Unterstützer gekommen seien. Nachbarschaftskontakte wolle man aktiv suchen und sich vorstellen.
Politische Reaktionen seien unterschiedlich ausgefallen. Die Potsdamer CDU habe die Besetzer als „Straftäter“ bezeichnet, mit denen nicht verhandelt werden dürfe. Die Gruppe selbst habe demgegenüber erklärt, sie wolle im Interesse der gesamten Stadtgesellschaft handeln und durch die Nutzung leer stehender Gebäude einen Beitrag zur Entschärfung der Wohnraumkrise leisten. Ihre zentrale Forderung bleibe, dass an diesem Ort dauerhafter Wohnraum entstehe.
Quelle: MAZ








