Rechenzentrum Potsdam: Kompromiss zur Weiternutzung bis 2033 vorgelegt

Im langjährigen Streit um die Zukunft des Potsdamer Rechenzentrums habe die Landeshauptstadt Potsdam gemeinsam mit der Stiftung Garnisonkirche, der Stiftung SPI als Betreiberin sowie dem Sanierungsträger Potsdam einen gemeinsamen Kompromissvorschlag erarbeitet.

Plantage mit Blick auf Rechenzentrum und Garnisonkirche, Juni 2022 (Landeshauptstadt Potsdam, Foto: Barbara Plate)

Das gehe aus einer Mitteilung der Stadt hervor, über die auch die PNN und die MAZ berichteten. Kern des Vorschlags sei eine befristete Weiternutzung des Rechenzentrums bis zum 31. Juli 2033.

Sieben Jahre Planungssicherheit für Kreativ- und Kulturszene

Damit könne das Gebäude weitere sieben Jahre als Kunst- und Kreativhaus genutzt werden. Nach Angaben der Beteiligten stelle diese Laufzeit die bislang längste Perspektive in der Nutzungsgeschichte dar. Die Stiftung SPI habe erklärt, dass dies eine verlässlichere Planung für Betreiberin und Nutzende ermögliche. Auch die Stadt habe betont, dass damit die kulturelle und soziokreative Nutzung des Standorts gesichert werde.

Bebauungsplan muss geändert werden, um Nutzung zu sichern

Wie die Landeshauptstadt mitteilte, sei für die Umsetzung des Kompromisses eine Änderung des Bebauungsplans „Neuer Markt/Plantage“ erforderlich. Nur so könne eine Baugenehmigung für die befristete Weiternutzung erteilt werden. Bis dahin solle die Nutzung über eine behördliche Duldung lückenlos fortgeführt werden.

Finanzielle Regelungen zwischen Stadt, Stiftung und Betreiber vereinbart

Teil der Vereinbarung seien auch Regelungen zu den finanziellen Auswirkungen der Grundstücksnutzung. Laut MAZ könne eine jährliche Nutzungsentschädigung von rund 40.000 Euro an die Stiftung Garnisonkirche vorgesehen sein. Die Stiftung SPI habe sich zudem bereit erklärt, bestimmte Kosten – etwa im Zusammenhang mit der Baugenehmigung – zu übernehmen.

Abriss des Rechenzentrums bleibt langfristiges Ziel

Gleichzeitig bleibe das übergeordnete Sanierungsziel bestehen. Wie Stadt und MAZ übereinstimmend berichteten, sei weiterhin vorgesehen, das Gebäude nach Ablauf der Frist zurückzubauen und einen Stadtplatz im Umfeld der Garnisonkirche zu entwickeln. Die Weiternutzung stelle damit eine befristete Lösung dar, während die langfristigen Planungen unverändert weiter gelten.

Stadtverordnete entscheiden Anfang Juli über den Kompromiss

Die endgültige Entscheidung über den Vorschlag liege bei den politischen Gremien. Nach Angaben der Stadt solle zunächst der Hauptausschuss beraten, anschließend werde die Stadtverordnetenversammlung am 1. Juli 2026 über den Kompromiss entscheiden. Laut PNN sei derzeit offen, ob sich dafür eine Mehrheit finden werde.

Duldung endet im Juli 2026 – Entscheidung unter Zeitdruck

Die Entscheidung stehe unter erheblichem Zeitdruck. Die bisherige Duldung für den Betrieb des Rechenzentrums laufe zum 31. Juli 2026 aus. Ohne neuen Beschluss wäre die Nutzung laut Stadt ab dem 1. August 2026 nicht mehr zulässig.

Perspektiven für kreative Nutzung in Potsdams Innenstadt gesucht

Unabhängig von der befristeten Lösung solle ein Prozess angestoßen werden, der kläre, wie kreative und soziokulturelle Nutzungen langfristig in der Innenstadt gesichert werden könnten. Ziel sei es, entsprechende Angebote auch über die aktuelle Nutzung des Rechenzentrums hinaus zu entwickeln.

Quellen: LHP, PNN, MAZ