Reallabor im Wieselkiez: Pilotversuch stößt auf unterschiedliche Reaktionen

Im Wieselkiez am Schlaatz führt die Landeshauptstadt Potsdam vom 29. August bis zum 30. Oktober 2026 ein Reallabor mit einem begleitenden Verkehrsversuch durch.

Ziel sei es, unter realen Bedingungen zu erproben, wie der Straßenraum sicherer, klimaangepasster und für die Nachbarschaft attraktiver gestaltet werden könne.

Getestet würden unter anderem:

  • mobile Bäume und Pflanzen,
  • zusätzliche Schattenangebote,
  • Sitzgelegenheiten,
  • Treffpunkte für die Nachbarschaft,
  • Spiel- und Bewegungsangebote.

Der Versuch sei Teil des Modellvorhabens „Urban Heat Labs“ im Bundesforschungsprogramm Experimenteller Wohnungs- und Städtebau. Dabei würden Maßnahmen für eine klimaangepasste und hitzeresiliente Stadtentwicklung erprobt. Der von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene Verkehrsversuch solle zugleich zusätzliche Spiel- und Aufenthaltsflächen für Kinder und Jugendliche schaffen.

Während des Versuchs gelte im Wieselkiez ein verkehrsberuhigter Bereich. Fahrzeuge dürften dort nur mit Schrittgeschwindigkeit fahren, der Fußverkehr habe Vorrang auf der Fahrbahn. Zur Unterstützung des Versuchs werde ein Teil der bisherigen Pkw-Stellplätze vorübergehend anders genutzt. Als Ausweichmöglichkeit verweise die Stadt auf Stellplätze in der Straße Am Nuthetal.

PNN berichten über Kritik am Wegfall von Stellplätzen

Wie die PNN bei einem Besuch im Wieselkiez berichteten, stoße der Pilotversuch in der Nachbarschaft auf unterschiedliche Reaktionen. Mehrere langjährige Anwohnende hätten insbesondere den vorübergehenden Wegfall von Stellplätzen kritisiert.

Nach Darstellung der Zeitung hätten Betroffene darauf hingewiesen, dass längere Wege zwischen Parkplatz und Wohnung vor allem für ältere Menschen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität beschwerlich seien. Auch Beschäftigte im Schichtdienst hätten demnach Schwierigkeiten, nach der Arbeit einen Stellplatz in der Nähe ihrer Wohnung zu finden.

Einzelne Anwohnende hätten zudem erklärt, dass sie sich auf längeren Fußwegen zwischen Parkplatz und Wohnung am Abend nicht ausreichend sicher fühlten. Andere hätten infrage gestellt, ob zusätzliche Grün- und Spielflächen notwendig seien, da das Wohngebiet bereits über Grünanlagen und Spielplätze verfüge.

Familien begrüßen sichere Spielmöglichkeiten

Die PNN hätten zugleich mit Bewohnerinnen und Bewohnern gesprochen, die den Verkehrsversuch positiv bewerteten. Familien mit Kindern hätten berichtet, dass Kinder nun freier spielen und mit dem Fahrrad fahren könnten, weil weniger Fahrzeuge durch den Bereich führen würden.

Auch die neuen Sitzgelegenheiten würden nach Angaben einzelner Bewohnerinnen und Bewohner genutzt. Der öffentliche Straßenraum biete damit zusätzliche Möglichkeiten für Begegnung und Aufenthalt. Insbesondere Bewohnerinnen und Bewohner ohne eigenes Auto sähen die veränderte Flächennutzung dem Bericht zufolge überwiegend positiv.

Die Aussagen zeigten laut PNN jedoch auch unterschiedliche Beobachtungen zur tatsächlichen Nutzung: Während einige Anwohnende regelmäßig spielende Kinder im verkehrsberuhigten Bereich sähen, hätten andere den Eindruck geäußert, dass die neuen Flächen bislang nur wenig angenommen würden.

Konflikte um Lärm und Zusammenleben im Quartier

Nach Darstellung der PNN richte sich ein Teil der Kritik nicht allein gegen den Pilotversuch. Mehrere langjährige Anwohnende hätten sich vielmehr grundsätzlich über Lärm im Wohnumfeld beschwert, den sie insbesondere mit spielenden Kindern aus dem benachbarten Neubau in Verbindung brächten.

Diese Aussagen beträfen damit auch das Zusammenleben unterschiedlicher Bewohnergruppen im Quartier. Andere Befragte hätten hingegen gerade die zusätzlichen, sicheren Spielmöglichkeiten für Kinder als wesentlichen Vorteil des Reallabors hervorgehoben.

Rückmeldungen sollen in die Auswertung einfließen

Nach Angaben des Projektflyers sei das Reallabor ausdrücklich als befristeter Praxistest angelegt. Beobachtet werden solle, welche Maßnahmen funktionierten und an welchen Stellen Anpassungen erforderlich seien. Anwohnende könnten ihre Erfahrungen und Hinweise während des gesamten Versuchszeitraums einbringen.

Die Rückmeldungen sollten dabei helfen,

  • die Auswirkungen des Verkehrsversuchs besser zu verstehen,
  • die eingesetzten Maßnahmen weiterzuentwickeln,
  • Erkenntnisse für zukünftige Projekte in Potsdam zu gewinnen.

Die Beteiligung sei online sowie über die Angebote des PlanLabors möglich. Federführend umgesetzt werde das Reallabor vom Fachbereich Stadtplanung der Landeshauptstadt Potsdam. Die Planungs- und Beteiligungsarbeit begleiteten die Büros Gruppe Planwerk und Zebralog, die Projektsteuerung liege bei Stadtkontor.

Aktionstag und Auswertung des Pilotversuchs

Für den 22. Oktober 2026 sei ein Aktionstag unter dem Motto„Spiel und Bewegung“ geplant. Der Testzeitraum solle am 30. Oktober 2026 enden. Anschließend würden die temporären Elemente zunächst wieder entfernt.

Wie die PNN berichteten, wolle die Stadt den Pilotversuch danach auswerten. Die Ergebnisse sollten im Frühjahr 2027 vorgestellt werden. Dabei werde sich zeigen, welche Elemente sich bewährt hätten, welche Konflikte berücksichtigt werden müssten und welche Erkenntnisse in die zukünftige Gestaltung des Wieselkiezes einfließen könnten.

Quellen: PNN; Projektflyer