Im Streit um eine erneute Verlängerung der Nutzung des Kreativhauses im Potsdamer Rechenzentrum stehe die Rathausspitze nach Berichten der MAZ unter erheblichem Druck.

Zentrales Argument der Stadt für einen Abriss des Gebäudes seien Städtebaufördermittel, die nur bei Einhaltung bestimmter Fristen eingesetzt werden könnten.
Wie die MAZ unter Berufung auf eine Stellungnahme von Rathaussprecherin Christine Homann berichtete, solle mit dem Abriss des DDR‑Rechenzentrums die Grundlage für die Wiedergewinnung des historischen Stadtgrundrisses geschaffen werden. Ziel sei es, Freianlagen aus der Vorkriegszeit zu rekonstruieren und Raumkanten nachvollziehbar zu machen. Konkret sei von einer Kirchplatzfläche beziehungsweise der Herstellung eines Stadtplatzes an der Garnisonkirche die Rede.
Oberbürgermeisterin Noosha Aubel und Baubeigeordneter Bernd Rubelt (beide parteilos) hätten in den laufenden Verhandlungen über eine weitere Nutzung des Rechenzentrums darauf gedrungen, eine verbindliche Regelung für Räumung und Abriss nach weiteren sieben Jahren festzuschreiben. Die derzeitige Duldungsfrist für den Betrieb des Kreativhauses laufe Ende Juli aus.
Nach Angaben der MAZ könne bei Einhaltung dieses Zeitraums der Rückbau des Rechenzentrums sowie die anschließende Gestaltung des Stadtplatzes über Städtebaufördermittel finanziert werden. Dadurch werde der städtische Haushalt nicht belastet. Erfolgeten Abriss und Platzgestaltung jedoch erst nach Ablauf der Frist, müssten die Rückbaukosten vollständig aus dem Haushalt der Stadt getragen werden.
Die Abrisskosten beliefen sich laut „aktuellen Schätzungen“ auf fünf bis sieben Millionen Euro. Hinzu kämen rund 2,2 Millionen Euro für Planung und Herstellung des Stadtplatzes. Konkrete Vorgaben für dessen Gestaltung gebe es bislang nicht. Vorgesehen seien unter anderem eine klimagerechte Platzgestaltung sowie die Schaffung von Aufenthaltsbereichen. Für die Ausgestaltung solle ein Wettbewerbsverfahren durchgeführt werden, das auch eine vertiefte Auseinandersetzung mit der historischen Situation beinhalte.
Als möglicher Bezugspunkt für die Neugestaltung werde laut MAZ die Plantage zwischen Langem Stall und Dortustraße genannt. Dort sei ursprünglich eine Rekonstruktion der historischen Parkanlage geplant gewesen, die jedoch auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zugunsten von Spiel‑ und Sportflächen verändert worden sei.
Das um 1970 errichtete Rechenzentrum an der Ecke Dortu‑/Breite Straße sei seit 2015 übergangsweise als Arbeitsstätte für Künstlerinnen, Künstler und Kreative genutzt worden. Eigentümer des Gebäudes sei der Sanierungsträger Potsdam, während die Stiftung SPI als Konzessionsnehmerin den Betrieb übernommen habe und Vertragspartnerin der rund 300 Nutzerinnen und Nutzer sei. Ein alternatives Kreativquartier sei bereits errichtet worden, allerdings habe bislang nur ein Teil der Nutzenden dorthin gewechselt.
Im September 2025 habe eine Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung die Verwaltung beauftragt, durch eine Änderung des Bebauungsplans die Voraussetzungen für einen längerfristigen Betrieb des Rechenzentrums zu schaffen. Ausgangspunkt sei ein auf 20 Jahre angelegtes Nutzungskonzept der Nutzerschaft gewesen, die das Gebäude perspektivisch selbst übernehmen wolle.
Nach Darstellung der MAZ habe die Bauverwaltung in Unterlagen für den sogenannten Begleitkreis Rechenzentrum argumentiert, dass ohne ein verbindliches Nutzungs- und Rückbaudatum bereits ab 2026 eine Vergabe der Betreiberschaft und der Erbbaupacht zu marktüblichen Konditionen erforderlich werde. Für Betrieb und Instandhaltung müssten dann bis zu 8,5 Millionen Euro aus dem städtischen Haushalt bereitgestellt werden, sofern diese Kosten nicht durch den Betrieb des Rechenzentrums erwirtschaftet werden könnten.
Vor den Stadtverordneten habe Oberbürgermeisterin Aubel erklärt, Ziel sei es, dass die kreative und soziokulturelle Arbeit im Rechenzentrum nicht abrupt ende, zugleich aber eine rechtssichere Lösung gefunden werde. Sie habe angekündigt, der Stadtverordnetenversammlung im Juli eine entsprechende Beschlussvorlage vorlegen zu wollen.
Quelle: MAZ








