Potsdam startet 2027 eine Wohnraumagentur: Mehr Wohnraum durch bessere Nutzung bestehender Wohnungen

Die Landeshauptstadt Potsdam habe den Aufbau einer kommunalen Wohnraumagentur angekündigt.

Foto: Josephine Braun

Nach Angaben der Stadt solle die neue Einrichtung ab dem Jahr 2027 dazu beitragen, vorhandenen Wohnraum besser nutzbar zu machen und zusätzliche Wohnmöglichkeiten zu erschließen.

Oberbürgermeisterin Noosha Aubel habe betont, dass neben dem Neubau und dem Schutz bestehender Wohnungen auch die Nutzung bereits vorhandener Wohnflächen ein wichtiger Baustein für die Wohnraumversorgung sei. Der günstigste, schnellste und klimafreundlichste Wohnraum sei häufig der, der bereits existiere.

Langfristig verfolge die Stadt das Ziel, durch die Wohnraumagentur zusätzliches Wohnraumangebot in einer Größenordnung von etwa einem Drittel des bisherigen jährlichen Neubauvolumens zu erschließen.

Vier Bausteine für mehr Wohnraum

Nach Angaben der Stadt basiert das Konzept auf vier Modulen:

  • Azubiwohnen / Wohnen für Hilfe
  • Umbauberatung
  • Sicheres Vermieten
  • Orientierungsberatung und Umzugskonzepte

Die Wohnraumagentur richte sich insbesondere an Menschen, die über ungenutzte Wohnflächen verfügen, beispielsweise ehemalige Kinderzimmer, größere Wohnungen oder Einliegerwohnungen.

Junge Menschen und Senioren zusammenbringen

Beim Angebot „Azubiwohnen / Wohnen für Hilfe“ sollen ältere Menschen und Auszubildende zusammengebracht werden. Bereits bestehende Erfahrungen, unter anderem aus dem Projekt „Wohnen für Hilfe“ des Studierendenwerks West:Brandenburg, sollen dabei genutzt werden.

Ziel sei es, vorhandenen Wohnraum besser auszulasten und gleichzeitig soziale Kontakte sowie gegenseitige Unterstützung zu fördern.

Umbauten und Wohnungsteilungen unterstützen

Ein weiteres Modul bildet die Umbauberatung. Eigentümerinnen und Eigentümer sollen dabei unterstützt werden, zusätzliche Wohnungen oder Wohnbereiche zu schaffen.

Denkbar seien beispielsweise:

  • die Schaffung eines separaten Eingangs,
  • zusätzliche Sanitärbereiche,
  • die Teilung größerer Wohnungen,
  • der Ausbau bislang ungenutzter Flächen.

Durch solche Maßnahmen könnten zusätzliche Wohneinheiten entstehen, ohne neue Flächen versiegeln zu müssen.

Anreize für private Vermieter

Mit dem Angebot „Sicheres Vermieten“ wolle die Stadt gezielt Eigentümer ansprechen, die vorhandene Wohnungen bisher nicht vermieten.

Vorgesehen seien nach Angaben der Stadt unter anderem:

  • Mietgarantien,
  • Unterstützung während des Mietverhältnisses,
  • Renovierungszuschüsse.

Im Gegenzug sollen die Wohnungen für zehn Jahre Menschen mit besonderem Wohnraumbedarf zur Verfügung gestellt werden.

Wohnungswechsel erleichtern

Ergänzend möchte die Wohnraumagentur Umzugskonzepte entwickeln. Dabei gehe es beispielsweise darum, ältere Menschen beim Wechsel aus zu groß gewordenen Wohnungen oder Häusern in kleinere und altersgerechte Wohnungen zu unterstützen.

Zudem sollen Wohnungsunternehmen bei internen Wohnungswechseln beraten werden.

Aufbau in zwei Stufen

Die Wohnraumagentur soll schrittweise aufgebaut werden:

Ab 2027:

  • Azubiwohnen / Wohnen für Hilfe
  • Umbauberatung

Ab 2028:

  • Sicheres Vermieten
  • Orientierungsberatung und Umzugskonzepte

Für den Betrieb seien vier Vollzeitstellen vorgesehen. Die Stadt kündigte zudem an, die Wirksamkeit der einzelnen Angebote regelmäßig auszuwerten und öffentlich darzustellen.

Baustein einer breiteren Wohnungspolitik

Die Wohnraumagentur soll nach Angaben der Stadt den klassischen Wohnungsbau nicht ersetzen, sondern ergänzen. Sie ist Teil einer Strategie, die auf Neubau, Bestandssicherung und eine bessere Nutzung vorhandener Wohnflächen setzt.

Vor dem Hintergrund eines weiterhin angespannten Wohnungsmarktes könnten insbesondere kleinere Wohnreserven, Wohnungswechsel und nicht genutzte Wohnflächen künftig eine größere Rolle bei der Wohnraumversorgung in Potsdam spielen.

Quelle: LHP