Potsdam in Farbe

Fotografien aus fast 100 Jahren Stadtgeschichte in den Bahnhofspassagen

Aus der Ausstellung: Blick in die Klement-Gottwald-Straße (heute wieder Brandenburger Straße) 1979. Foto: Klaus Hintze

Vom 16. August bis 14. September zeigt das Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte in der Ladenstraße des Hauptbahnhofs die Ausstellung „Potsdam in Farbe. Fotografische (Ein)Blicke“. Die gezeigten stadtgeschichtlichen Farbfotografien reichen fast 100 Jahre zurück und eröffnen faszinierende Perspektiven auf das Alltagsleben und den Stadtumbau in Potsdam über mehrere Jahrzehnte hinweg.

„Mit der Satelliten-Ausstellung erreichen wir die Menschen direkt im Stadtraum – dort, wo sie unterwegs sind. Das ist für uns eine großartige Gelegenheit, Einblicke in unsere umfangreiche und wertvolle historische Fotosammlung zu ermöglichen“, sagt Hannes Wittenberg, stellvertretender Direktor des Potsdam Museums.

Trügerische Idylle

Die Ausstellung zeigt, wie sich das Bild der Stadt über die Jahrzehnte hinweg wandelte – architektonisch, atmosphärisch und farblich. Von den frühen Farbfotografien von Potsdam der späten 1930er Jahre bis in die 1980er spannen die Bilder auf den fünf Ausstellungskuben einen visuellen Bogen durch sechs Jahrzehnte.

„Dabei wird nicht nur die städtebauliche Entwicklung Potsdams sichtbar, sondern auch, wie sich die Farbigkeit der Stadt immer wieder verändert hat – Fassaden, Kleidung, Verkehrsmittel im Wandel der Zeit. Zu sehen sind spannende Blicke auf die Stadt und ihre Menschen“, so Judith Granzow, Leiterin der Sammlung Fotografie am Potsdam Museum. Sie kuratierte die Ausstellung zusammen mit Robert Leichsenring, freier Mitarbeiter des Museums und Stadtführer.

Den Auftakt machen die Farbfotos, die unmittelbar nach Einführung des Agfacolor-Kleinbildfilms im Jahr 1936 entstanden. Die Aufnahmen der 1930/40er Jahre, meist von Amateurfotografen, geben einen letzten authentischen Blick auf die Residenzstadt vor ihrer Zerstörung. Dass die Idylle trügt, zeigen aber auch schon Zeichen der NS-Zeit. Die Fotografien der unmittelbaren Nachkriegszeit wurden trotz Verbots heimlich aufgenommen. Sie spiegeln den mühsamen Alltag zwischen Zerstörung und Provisorien – und die der 50er Jahre den Wiederaufbau inmitten von Trümmern.

Zwischen Stagnation und Aufbruch

Die Bilder der 1960er Jahre dokumentieren den Wandel zur sozialistischen Stadt: Historische Gebäude verschwanden, neue Wohnquartiere und Infrastrukturen entstanden. Mit dem Mauerbau 1961 wurde Potsdam abrupt vom benachbarten Berlin getrennt. In den 1970er Jahren bestimmte der sozialistische Städtebau das Bild: neue Plattenbausiedlungen, Umgestaltungen im Zentrum, breite Magistralen. Gleichzeitig blieben viele Altbauten dem Verfall überlassen. Zwischen Modernisierung und Verlust entstand ein widersprüchliches Stadtbild.

Die Fotos der 1980er Jahre zeigen Potsdam schließlich zwischen Stagnation und Aufbruch. Die Versorgungslage verschlechterte sich, doch gleichzeitig wuchs das zivilgesellschaftliche Engagement für den Erhalt der historischen Innenstadt – mit ersten Erfolgen kurz vor der Wende.
Über QR-Codes können Besuchende zusätzliche Informationen zu einzelnen Fotografien online abrufen. Außerdem finden sich die gezeigten Farbaufnahmen sowie viele weitere Motive dauerhaft in der kostenfreien PotsdamHistory App unter der neuen Rubrik „Potsdam in Farbe“.

Begleitend zur Ausstellung ruft das Potsdam Museum zur Mithilfe auf: Für die fotografische Sammlung werden private Farbfotos aus den 1990er Jahren in Potsdam gesucht, die die großen und kleinen Veränderungen, Kontinuitäten oder Alltagsszenen im Potsdam der Wendezeit und der folgenden Jahre zeigen: Alltägliches, stadtbildprägende Veränderungen oder Veranstaltungen. Kontakt über outreach@rathaus.potsdam.de.

Weiterführende Informationen auf der Webseite www.potsdam-museum.de