Weitere Kostensteigerungen sind nicht ausgeschlossen.

Wie die PNN berichten, werde das wichtigste Nahverkehrsprojekt der Stadt Potsdam, die Straßenbahnverlängerung nach Krampnitz und Fahrland, deutlich teurer als ursprünglich geplant. Demnach seien die geschätzten Gesamtkosten innerhalb von drei Jahren von rund 165 Millionen Euro auf mindestens 186 Millionen Euro gestiegen – eine Erhöhung um etwa 20 Millionen Euro. Weitere Kostensteigerungen seien dabei nicht ausgeschlossen.
Aus Antworten des zuständigen Verkehrsdezernats unter Beigeordnetem Bernd Rubelt auf eine Anfrage des Stadtverordneten Andreas Menzel (Freie Wähler) gehe hervor, dass die Stadtverwaltung weiterhin nur von einer „vorläufigen Schätzung“ spreche. Erst nach Abschluss des seit mehr als zwei Jahren laufenden Planfeststellungsverfahrens könne eine belastbare Aussage zu den tatsächlichen Baukosten getroffen werden.
Steigende Kosten in mehreren Projektteilen
Laut PNN-Angaben habe sich allein der Bau der Kernstrecke vom Campus Jungfernsee bis Krampnitz von ursprünglich 123,7 Millionen Euro auf rund 131 Millionen Euro verteuert. Auch der notwendige zweigleisige Ausbau der Nedlitzer Straße sowie das neue Gleisdreieck am Campus Fachhochschule würden inzwischen mit etwa 9,3 Millionen Euro zu Buche schlagen – zuvor seien hierfür 8,8 Millionen Euro kalkuliert worden. Die Verlängerung der Strecke von Krampnitz nach Fahrland koste nach aktueller Schätzung rund 46 Millionen Euro statt der ursprünglich angenommenen 42,2 Millionen Euro. Als Begründung nenne die Verwaltung gegenüber der PNN vor allem allgemeine Baukostensteigerungen in den vergangenen drei Jahren.
Hohe Bedeutung für die Stadtentwicklung Krampnitz
Die PNN heben hervor, dass die Tramstrecke eine zentrale Voraussetzung für die Entwicklung des neuen Stadtteils Krampnitz sei. Nur mit der leistungsfähigen Straßenbahnanbindung könnten dort perspektivisch bis zu 10.000 Menschen wohnen. Ohne Tram-Anschluss dürfe Krampnitz lediglich mit Bussen erschlossen werden, was die Einwohnerzahl auf maximal 5.000 begrenze, um Verkehrsprobleme auf der angrenzenden Bundesstraße zu vermeiden.
Ein langsamerer oder verkleinerter Ausbau des Stadtteils würde nach Darstellung der PNN auch den kommunalen Entwicklungsträger Potsdam unter Druck setzen. Dieser müsse die Infrastruktur vorfinanzieren, könne seine Kosten jedoch nur über den Verkauf von Grundstücken refinanzieren. Sinkende Erlöse könnten im schlimmsten Fall zu einer zusätzlichen Belastung des städtischen Haushalts führen.
Finanzielle Risiken für Stadt und ViP
Zwar sollten mindestens zwei Drittel der Projektkosten durch Fördermittel von Bund und Land gedeckt werden, dennoch wachse mit jeder Kostensteigerung auch der Eigenanteil der Stadt Potsdam. Nach Angaben der Verwaltung habe der Verkehrsbetrieb Potsdam (ViP) bereits rund 11,85 Millionen Euro für Planung, Gutachten und begleitende Untersuchungen ausgegeben oder gebunden. Bis zum Abschluss des Planfeststellungsverfahrens könnten weitere vier Millionen Euro hinzukommen.
Auch der Wechsel des Hauptplaners für das Großprojekt werde thematisiert. Laut Verwaltung seien bislang keine zusätzlichen Kosten entstanden, es könne jedoch derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass künftig Mehraufgaben und zusätzliche Aufwendungen anfielen.
Zeitplan weiter unklar
Einst sei eine Inbetriebnahme der Tramstrecke für das Jahr 2029 vorgesehen gewesen. Einen konkreten Zeitplan bis zum Baustart nenne der ViP inzwischen nicht mehr. Nach früheren Angaben habe der zweigleisige Ausbau bis zum Jungfernsee bereits Mitte 2025 beginnen sollen, das Planfeststellungsverfahren sollte Ende 2025 abgeschlossen sein.
Die PNN erinnern zudem daran, dass es von Beginn an Widerstand gegen die neue Tramtrasse gegeben habe – insbesondere in Neu Fahrland. Anwohner befürchteten Lärm, Eingriffe in den Baumbestand und hätten Klagen gegen mögliche Genehmigungen angekündigt.
Quelle: PNN








