Wie die Landeshauptstadt Potsdam (LHP) mitgeteilt habe, liege das neue Migrationsmonitoring vor.

Der Bericht biete einen umfassenden Überblick über zentrale Entwicklungen der Stadtgesellschaft in den Bereichen Bevölkerung, Bildung, Arbeit, Wohnen, gesellschaftliche Teilhabe und Verwaltung. Dabei zeige er sowohl die wachsende Vielfalt der Stadt als auch weiterhin bestehende Herausforderungen bei Integration, Chancengleichheit und Teilhabe.
Ein besonderer Fokus des aktuellen Monitorings liege auf langfristigen Entwicklungen seit den 1990er‑Jahren sowie auf den Auswirkungen jüngerer Fluchtmigration, insbesondere infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Das Monitoring mache damit sichtbar, wie sich Potsdam strukturell und gesellschaftlich verändert habe.
Die Beauftragte für Integration und Migration der Landeshauptstadt Potsdam, Dr. Amanda Palenberg, habe erklärt, das Monitoring verdeutliche, dass Potsdam in den vergangenen Jahren deutlich vielfältiger geworden sei und der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund kontinuierlich gestiegen sei. Migration und Vielfalt prägten die Stadtgesellschaft inzwischen dauerhaft. Der Bericht zeige, wo Fortschritte erzielt worden seien und in welchen Bereichen weiterhin Handlungsbedarf bestehe.
Aktuell lebten laut Bericht rund 37.450 Menschen mit Migrationshintergrund in Potsdam. Damit habe etwa jede fünfte Person in der Landeshauptstadt eine eigene oder familiäre Migrationserfahrung. Im Jahr 2010 habe dieser Anteil noch bei 7,5 Prozent gelegen. Die Zahl der Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit sei seit 1991 von rund 1.100 auf über 25.000 Personen angestiegen. Besonders stark gewachsen seien in den vergangenen Jahren die Gruppen aus der Ukraine und aus Syrien.
Der Bericht dokumentiere auch positive Entwicklungen. So habe sich die Zahl der Einbürgerungen deutlich erhöht: Allein im Jahr 2025 seien 639 Einbürgerungen abgeschlossen worden, mehr als viermal so viele wie im Jahr 2016. Auch die Internationalisierung des Hochschul‑ und Wissenschaftsstandorts Potsdam schreite voran. Im Wintersemester 2024/25 seien 7.015 internationale Studierende an Potsdamer Hochschulen eingeschrieben gewesen, was einem Anteil von 23,1 Prozent entspreche. Im Studienjahr 2015/16 habe dieser Anteil noch bei rund zehn Prozent gelegen.
Gleichzeitig zeige das Migrationsmonitoring weiterhin strukturelle Ungleichheiten, insbesondere beim Zugang zu Wohnraum, Bildung und Arbeitsmarkt. Migrantische Haushalte seien häufiger stark von Mietkosten belastet: Rund 40 Prozent der Haushalte mit Migrationshintergrund wendeten mehr als ein Drittel ihres Einkommens für Miete auf, während es bei nichtmigrantischen Haushalten 31,1 Prozent seien. Auch im Bildungssystem bestünden Unterschiede fort. Deutsche Kinder besuchten laut Bericht nahezu doppelt so häufig ein Gymnasium wie nichtdeutsche Kinder, die häufiger an Gesamt‑ oder Oberschulen vertreten seien. Soziale Herkunft, Sprachbarrieren und strukturelle Benachteiligungen wirkten sich weiterhin auf Bildungs‑ und Erwerbschancen aus.
Deutlich werde zudem eine Unterrepräsentation von Menschen mit Migrationsgeschichte in politischen Gremien und Teilen der Verwaltung. Obwohl rund 20 Prozent der Potsdamer Bevölkerung einen Migrationshintergrund hätten, verfügten in der Stadtverordnetenversammlung lediglich drei von 56 Mitgliedern über eine entsprechende Biografie, was einem Anteil von 5,4 Prozent entspreche.
Auch Diskriminierungs‑ und Rassismuserfahrungen blieben laut Bericht ein relevantes Thema. Nach Angaben der Opferperspektive seien im Jahr 2024 in Potsdam 21 rechte Angriffe registriert worden. Nahezu doppelt so viele wie in den Jahren 2022 und 2023. Rassismus sei dabei mit elf Fällen das häufigste Tatmotiv gewesen.
Das Migrationsmonitoring diene laut Landeshauptstadt Potsdam als Grundlage für kommunale Planungs‑ und Entscheidungsprozesse. Ziel sei es, Entwicklungen frühzeitig sichtbar zu machen und eine faktenbasierte Integrations‑ und Teilhabepolitik zu unterstützen. Der Bericht sei in Zusammenarbeit mit dem Bereich Statistik und Wahlen sowie weiteren Organisationseinheiten der Stadtverwaltung erarbeitet und um Erkenntnisse aus Wissenschaft und Fachdiskursen ergänzt worden.
Quelle: LHP








