Daniel Fuhrhop habe zum 1. April die Leitung der neu geschaffenen Potsdamer Wohnraumagentur übernommen. Mit der Agentur wolle die Landeshauptstadt ein zentrales Wahlkampfversprechen von Oberbürgermeisterin Noosha Aubel einlösen und bislang ungenutzte Wohnraumpotenziale erschließen.

Fuhrhop gelte als profilierter Wohnwendeökonom mit teils unkonventionellen Positionen.
Bekannt geworden sei Fuhrhop unter anderem durch sein Buch „Einfach anders wohnen“, in dem er zahlreiche Anregungen für einen bewussteren Umgang mit Wohnfläche gebe. Platzsparen könne aus seiner Sicht Freiräume sichern und zugleich Umwelt und Klima schützen. „Auf weniger Raum leben macht glücklich“, habe Fuhrhop erklärt. In klassischen Familien ebenso wie in Wahlverwandtschaften lasse sich heute anders wohnen als früher.
Der 58‑Jährige, der Architektur und Stadtplanung an der TU Berlin studiert habe, habe sich in der Vergangenheit wiederholt kritisch zum anhaltenden Flächenverbrauch geäußert. Täglich würden in Deutschland rund 77 Hektar Freifläche versiegelt, während das Volumen von Asphalt und Beton in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen sei. Vor diesem Hintergrund habe Fuhrhop zeitweise sogar eine „Bauverbotsforschung“ gefordert und 2013 in einem Blog zugespitzte Thesen gegen weiteres Bauen formuliert.
Politisch sei Fuhrhop ebenfalls hervorgetreten. 2021 habe er als parteiloser, von den Grünen unterstützter Kandidat in Oldenburg nur knapp die Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt verloren. In seinem Buch „Willkommensstadt“ habe er zudem gefordert, Geflüchtete stärker in Bestandsgebäuden statt in Neubauten unterzubringen, um Integration zu erleichtern. Nach seinem Umzug nach Potsdam habe er sich 2023 der Initiative „Retten wir den Staudenhof“ angeschlossen, auch wenn diese letztlich erfolglos geblieben sei. Die Debatte habe aus seiner Sicht dennoch verdeutlicht, dass angesichts der Klimakrise grundsätzlich anders gebaut werden müsse.
In Potsdam habe Fuhrhop bereits im vergangenen Sommer bei einem Fachgespräch zur Bauwende über Alternativen zum konventionellen Wohnungsbau gesprochen. Dabei sei es um den Spagat zwischen Bezahlbarkeit und Klimagerechtigkeit gegangen, ebenso um ressourcenschonende Materialien, gemeinschaftlich genutzte Räume, Nachverdichtung im Bestand und ein aktives Flächenmanagement. Mit der Wohnraumagentur solle nun gezielt ungenutzter oder untergenutzter Wohnraum identifiziert und für neue Wohnformen nutzbar gemacht werden, um den angespannten Wohnungsmarkt zu entlasten.
Parallel dazu setze die städtische Wohnungsbaugesellschaft ProPotsdam weiterhin auf den klassischen Neubau. Unter anderem entstünden auf dem Gelände des früheren Tramdepots an der Heinrich‑Mann‑Allee ab 2027 weitere 278 Wohnungen, die bis 2030 bezugsfertig sein sollen. Zudem plane ProPotsdam, noch in diesem Jahr mit dem Bau von insgesamt rund 600 Wohnungen im Stadtgebiet zu beginnen. Der zusätzliche Wohnraum solle zu einer spürbaren Entlastung auf dem Potsdamer Wohnungsmarkt beitragen.
Am Donnerstag wolle Fuhrhop erstmals offiziell in seiner neuen Funktion auftreten und bei einem Pressegespräch Prognosen zur Entwicklung der Potsdamer Haushalte vorstellen. Dabei solle es auch um die Haushaltsgrößen gehen. Frühere Instrumente wie die städtische Wohnungstauschstelle hätten bislang nur begrenzte Wirkung entfaltet. Umso größer sei die Erwartung, dass die neue Wohnraumagentur mit anderen Ansätzen neue Impulse in der Wohnungsfrage setzen könne.
Quelle: PNN








