Nach Berichten der PNN und der MAZ könnten in Potsdam in den kommenden Jahren zwei Wohnungsbauprojekte realisiert werden, die angesichts des angespannten Wohnungsmarktes als wichtige Impulse gelten.

Sowohl im Kirchsteigfeld im Südosten der Stadt als auch an der Großbeerenstraße in Babelsberg seien umfangreiche Neubauten vorgesehen.
Kirchsteigfeld: Bauturbo könnte Baustart vorziehen
Wie die PNN berichteten, plane der Projektentwickler Periskop Development im Kirchsteigfeld ein neues urbanes Quartier mit bis zu 1.000 Wohnungen. Das Areal zwischen Ricarda‑Huch‑Straße und der Autobahn A115 solle neben Wohnraum auch Gewerbeflächen für rund 1.600 Arbeitsplätze umfassen. Insgesamt sei Platz für etwa 1.900 Bewohnerinnen und Bewohner vorgesehen.
Der Baustart könne möglicherweise früher als bislang erwartet erfolgen. Geschäftsführer Simon Kempf habe erklärt, dass für einen ersten Bauabschnitt mit rund 300 Wohnungen bereits ab 2027 gebaut werden könne, allerdings nur, wenn die Stadt Potsdam den sogenannten Bauturbo anwende. Dieses seit Oktober 2025 geltende Bundesgesetz ermögliche es Kommunen, Genehmigungsverfahren zu verkürzen und in bestimmten Fällen auch ohne rechtskräftigen Bebauungsplan mit dem Wohnungsbau zu beginnen.
Laut PNN seien viele zentrale Fragen, etwa zu Umwelt‑ und Lärmschutz, bereits geklärt. Der Bauturbo erleichtere zudem die Umwandlung von Gewerbeflächen in Wohnflächen, was für das Projekt im Kirchsteigfeld relevant sei. Aus dem Rathaus habe es demnach bereits positive Signale gegeben, das Instrument anzuwenden. Die geplanten Wohnungen sollen sowohl zur Miete als auch zum Kauf angeboten werden und auch Sozialwohnungen umfassen, konkrete Zahlen dazu seien jedoch noch offen.
Babelsberg: Größtes Neubauprojekt Potsdams startet
Parallel dazu berichtete die MAZ über den bevorstehenden nächsten Meilenstein im Quartier „Wohnen am Filmpark“ an der Großbeerenstraße in Babelsberg. Am 20. Mai solle dort die Grundsteinlegung erfolgen. Mit 554 Wohnungen und einer Gesamtwohnfläche von 28.500 Quadratmetern in zehn Gebäuden gelte das Projekt als derzeit größtes Wohnungsneubauvorhaben in Potsdam.
Die Bauarbeiten auf dem rund 200 Meter langen Baufeld liefen bereits seit Ende des vergangenen Jahres. Errichtet werde der Komplex von der KW Development (KWD), die in der Medienstadt Babelsberg bereits mehrere größere Wohnungsbauprojekte realisiert habe. Die Fertigstellung des Quartiers sei für 2028 vorgesehen.
Zur architektonischen Gestaltung gebe es bislang nur wenige Einblicke. Öffentlich zugänglich seien lediglich Simulationen von Innenhof‑Situationen, die als „unverbindlicher Gestaltungsentwurf“ gekennzeichnet seien. Frühere Ankündigungen eines farbenfrohen Art‑déco‑Stils seien nach Angaben der MAZ inzwischen relativiert worden.
Sozialwohnungen und offene Fragen
Offen bleibe laut MAZ weiterhin die konkrete Anzahl der Sozialwohnungen im Quartier am Filmpark. Der Sprecher von KWD erklärte, dass derzeit Gespräche mit der Stadt geführt würden, da Fördermittel des Landes Brandenburg fehlten. Nach früheren Angaben der Stadt seien jedoch bereits im Rahmen eines städtebaulichen Vertrags konkrete Flächen für mietpreis‑ und belegungsgebundene Wohnungen gesichert worden. Diese Verpflichtungen seien grundbuchlich abgesichert und Voraussetzung für die erteilte Baugenehmigung gewesen.
Neben klassischen Familienwohnungen seien im WA‑4‑Baufeld auch 187 Einzimmerwohnungen geplant. Insgesamt werde KWD mit Abschluss des Projekts am Filmpark rund 850 Wohnungen in der Medienstadt Babelsberg errichtet haben. Weitere Wohnungsbaupotenziale bestünden auf angrenzenden Flächen, nachdem ein ursprünglich geplanter großflächiger Büro‑ und Gewerbekomplex verworfen worden sei. „Die Stadt braucht Wohnraum“, zitierte die MAZ den KWD‑Geschäftsführer.
Beide Projekte zeigen nach Einschätzung von PNN und MAZ, dass der Wohnungsneubau in Potsdam wieder an Fahrt aufnehmen könnte, wenn auch unter unterschiedlichen Rahmenbedingungen. Während im Kirchsteigfeld der Bauturbo als Beschleunigungsinstrument eine zentrale Rolle spiele, schreite der Neubau in Babelsberg bereits konkret voran. Ob und in welchem Umfang diese Vorhaben den angespannten Wohnungsmarkt spürbar entlasten können, werde sich jedoch erst in den kommenden Jahren zeigen.








