Brandenburger Kabinett legt neuen Wohnungsmarktbeobachtungsbericht vor

Das Brandenburgische Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung hat am 15. Dezember den „Wohnungsmarktbeobachtungsbericht 2025“ und den aktualisierten Wohnungspolitischen Kompass vorgestellt. Die Gutachten analysieren auf Basis des Zensus 2022 und aktueller Marktdaten die Situation in fünf Teilräumen Brandenburgs und bilden die Grundlage, um die Wohnungs- und Förderpolitik des Landes in den kommenden Jahren noch genauer auf regionale Bedarfe zuzuschneiden.
„Brandenburg ist ein Land, in dem man gut wohnen kann – das bestätigen uns die aktuellen Zahlen klar“, betonte Infrastrukturminister Detlef Tabbert bei der Präsentation. „In den vergangenen Jahren ist der Wohnungsbestand deutlich gewachsen, wir haben die höchste Zunahme aller ostdeutschen Flächenländer erreicht und in vielen Regionen ist der Leerstand zurückgegangen. Gleichzeitig sehen wir sehr genau, wo der Druck steigt: im Berliner Umland, in den Städten der zweiten Reihe und bei Haushalten mit geringem Einkommen.
Der neue Wohnungsmarktbericht sei der Kompass für die nächsten wohnungspolitischen Entscheidungen, so der Minister. „Er zeigt, wo Neubau besonders gebraucht wird, wo wir Leerstände aktivieren können und wo die soziale Wohnraumförderung mit ihren steigenden Mitteln den Unterschied macht. Unser Ziel bleibt: Jede Generation soll in Brandenburg guten und bezahlbaren Wohnraum finden – im Berliner Umland genauso wie in Oberzentren und ländlichen Räumen.“
Wachstum statt Schrumpfung
Zwischen 2013 und 2022 ist der Wohnungsbestand in Brandenburg dem Bericht zufolge um rund 6,9 Prozent gewachsen. Insgesamt wurden etwa 103.000 Wohnungen fertiggestellt. Besonders dynamisch entwickelten sich das Berliner Umland und angrenzende Räume, während Bestandsrückgänge nur noch vereinzelt an den Außengrenzen des Landes zu verzeichnen sind.
Acht der zehn Raumeinheiten mit den meisten fertiggestellten Wohnungen der Jahre 2018 bis 2022 waren Teil des Berliner Umlandes, darunter an der Spitze Potsdam mit 6.900 Wohneinheiten.
Geförderter Wohnraum
Eine teilräumliche Betrachtung der bewilligten Wohnungen zeigt, in welchen Regionen die soziale Wohnraumförderung Brandenburgs besonders nachgefragt wird. Im Betrachtungszeitraum 2013 bis 2018 entfiel mit 1.825 Wohneinheiten fast die Hälfte (48,7 %) auf die Zentralen Orte des Berliner Umlands, darunter insbesondere auf Potsdam.
Im Zeitraum 2019 bis 2024 schlug sich die zunehmende Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum nieder: Von den insgesamt 6.620 bewilligten Wohnungen war der Großteil erneut in den Zentralen Orten des Berliner Umlands verortet (3.219 Wohnungen bzw. 48,6 %), davon wiederum zwei Drittel in Potsdam.
Leerstandsquote sinkt
Parallel dazu ist die landesweite Leerstandsquote von 5,7 auf 5,3 Prozent gesunken und liegt derzeit bei rund 73.000 Wohnungen. Im Berliner Umland deuten Leerstandsquoten von unter 3 Prozent bereits auf angespannte Wohnungsmärkte hin, während im weiteren Metropolenraum teils weiterhin höhere Leerstände, insbesondere in kleineren Städten und nicht zentralen Orten, bestehen. Diese starke Heterogenität der Märkte macht deutlich, dass neue Herausforderungen im Vordergrund stehen und eine differenzierte Wohnungspolitik erfordern.
Demografischer Wandel als Herausforderung und Chance
Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass Brandenburg vor einem deutlichen demografischen Umbau steht. Die Bevölkerung ist seit 2013 um rund 124.000 Menschen gewachsen, vor allem durch Zuzüge aus Berlin und dem Ausland, während die Haushalte kleiner und älter werden und die Zahl der Einpersonenhaushalte deutlich zunimmt.
In Verbindung mit der ausgeprägten Heterogenität der Wohnungsmärkte ergibt sich ein wachsender Bedarf an barrierearmen, altersgerechten und zugleich bezahlbaren Wohnungen, der in den einzelnen Teilräumen sehr unterschiedlich ausfällt. Darin liegt zugleich eine Chance: Brandenburg kann frühzeitig auf veränderte Wohnbedürfnisse reagieren und in allen Regionen passgenaue Angebote für Seniorinnen und Senioren, junge Starterhaushalte und Familien schaffen.
Effiziente Nutzung des Bestands erforderlich
Um den Wohnungsmarkt resilient für demografische Veränderungen zu machen, benötigt es nach Auffassung der Autor:innen neben dem Neubau auch die effiziente Nutzung des Bestandes. Gerade angesichts hoher Baukosten und anstehender Klimaziele muss das Potenzial des Bestands optimal genutzt werden. Die Akteur:innen am Wohnungsmarkt sind demnach gefordert, ihre Bestände auf eine effiziente und bedürfnisorientierte Verteilung von Wohnfläche zu überprüfen.
Die Eröffnung von Umzugsmöglichkeiten und die Aktivierung von Umzugsketten ist darüber hinaus ein mögliches Mittel der Effizienzsteigerung. Gezielte Beratungen und Service-Leistungen können Haushalte dahingehende Anreize setzen. Auch finanzielle Boni existieren bereits in Brandenburg, der Wohnflächenbonus der ProPotsdam ist hierfür ein Beispiel.
Modulares Bauen für soziale Zwecke

Ein Sonderkapitel des Wohnungsmarktbeobachtungsberichts widmet sich dem modularen Bauen für soziale Zwecke. Hier wird der im Dezember 2023 fertiggestellte vierstöckige Neubau in der Gluckstraße im Rahmen des Sonderbauprogramms der ProPotsdam im Auftrag der Landeshauptstadt vorgestellt.
Die im Stadtteil Am Stern entstandenen 21 Wohnungen werden als Wohnraum für Geflüchtete und wohnungslose Potsdamer:innen genutzt. Neben Wohnungen für Familien wurden auch kleine Wohnungen für Ein- und Zwei-Personen-Haushalte errichtet. Der Wohnverbund wird von einem sozialen Träger betrieben und bietet den zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohnern einen guten Wohn- und Ausstattungsstandard. Die Wohnungen werden vollständig möbliert und ausgestattet. Alle Wohnungen sind barrierefrei.
Geschäftsführer Bert Nicke hebt in einem Zitat die Vorteile der Bauweise hervor: „ … die einzelnen Raummodule wurden in der Fabrik vorgefertigt und mit hohem Ausbaugrad geliefert; dadurch ging es dann vor Ort deutlich schneller und die Bauzeit hat sich verkürzt. Das minimiert die Belastungen für die Nachbarschaft und hilft, kurzfristig ein soziales Wohnangebot für dringend benötigten Wohnraum zu schaffen.“
Landesförderung wächst kräftig
Um die beschriebenen Entwicklungen zu steuern, hat das Land seine Wohnraumförderung in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut. Zwischen 2013 und 2024 wurden insgesamt rund 10.400 Wohnungen mit Fördermitteln unterstützt, das jährliche Fördervolumen stieg im selben Zeitraum von etwa 24 Millionen Euro auf 212 Millionen Euro.
Die Landesförderung wächst kräftig und setzt bewusst einen Fokus auf zentrale Orte und gut angebundene Siedlungsachsen. So sollen insbesondere in dynamischen Umlandregionen, Städten der zweiten Reihe und verkehrlich gut vernetzten Standorten zusätzliche bezahlbare Mietwohnungen entstehen, Leerstände aktiviert und bestehende Bestände modernisiert werden.
Der Wohnungspolitische Kompass empfiehlt, diesen Kurs fortzuführen: mit langfristigen Mietpreis- und Belegungsbindungen, zielgruppenspezifischen Programmen etwa für Seniorinnen und Senioren, Starterhaushalte und Familien sowie Modellprojekten für klimagerechten, barrierearmen Umbau. Auf diese Weise wird die Landesförderung als zentrale Antwort auf die wachstumsgetriebene Entwicklung und die regional unterschiedlichen Herausforderungen am Wohnungsmarkt profiliert.
Den Wohnungsmarktbeobachtungsbericht 2025 und den aktualisierten Wohnungspolitischen Kompass finden Sie hier.








