Klimaneutrale Wärmeversorgung für Potsdam

Landeshauptstadt informiert über den aktuellen Stand der kommunalen Wärmeplanung

Fernwärmerohre
Bild: Frank Wassmann/Pixabay

Die Landeshauptstadt Potsdam hat am 8. Juli im Rahmen einer öffentlichen Informationsveranstaltung im Potsdam Museum über den aktuellen Stand ihrer kommunalen Wärmeplanung informiert. Ziel der Planung ist es, bis 2045 eine klimaneutrale Wärmeversorgung zu erreichen – ein ambitioniertes Vorhaben, das sowohl zentrale als auch dezentrale Lösungen in den Blick nimmt.

Wärmewende in Potsdam – Ein zentraler Hebel für den Klimaschutz

Rund 37 bis 38 Prozent der CO₂-Emissionen in Potsdam entstehen durch das Heizen. Das Potenzial für Klimaschutzmaßnahmen in diesem Sektor ist entsprechend hoch. Der Beigeordnete für Stadtentwicklung, Bernd Rubelt, betonte: „Mit der Wärmeplanung schaffen wir die Grundlage für eine saubere, zukunftssichere Energieversorgung und bieten Eigentümerinnen und Eigentümern eine wichtige Orientierung rund ums Heizen“ (Quelle: Stadt Potsdam, Pressemitteilung vom 27.06.2025).

Derzeit stammen etwa 45 Prozent der Wärme in Potsdam aus leitungsgebundener Versorgung – also Fern- oder Nahwärme. Dieser Anteil könnte nach aktueller Planung auf rund 63 Prozent steigen. Ziel ist es, perspektivisch 70 Prozent der Haushalte an ein Wärmenetz anzuschließen (Quelle: PNN, 09.07.2025).

Eignungsgebiete: Wo was möglich ist

Die kommunale Wärmeplanung gliedert das Stadtgebiet in sogenannte Eignungsgebiete, um festzulegen, wo zentrale Wärmeversorgung sinnvoll ist und wo dezentrale Lösungen – insbesondere Wärmepumpen – die bessere Wahl wären. Grundlage sind Kriterien wie CO₂-Einsparung, Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und technische Umsetzbarkeit (Quelle: MAZ, 12.07.2025).

Fernwärmeausbau bis 2045 ist vorgesehen für:

  • Teile der Jägervorstadt, Brandenburger Vorstadt, Zentrum, Babelsberg, Krampnitz und Gebiete rund um das Oberlinhaus.
  • Die Kolonie Daheim in Nähe der Geothermie-Anlage an der Heinrich-Mann-Allee.
  • Das Gebiet um den künftigen Uni-Campus am Hauptbahnhof.
  • Individuelle Lösungen (Wärmepumpen, Sanierung etc.) sind nötig in:
  • Weiten Teilen des Nordens, z. B. Bornim, Bornstedt, Berliner und Nauener Vorstadt, Golm, Eiche, Satzkorn, Grube, Groß Glienicke und Kartzow.
  • Villenvierteln und Einfamilienhaussiedlungen, etwa im Norden Babelsbergs und östlich der Medienstadt.
  • Prüfgebiete (Ausbau möglich, aber noch ungewiss) finden sich unter anderem in der Nähe des Wissenschaftsparks Golm, auf Hermannswerder, im Dreieck Weber-/Goethe-/Plantagenplatz und in Marquardt.

Zentrale und dezentrale Wärmequellen – viel Potenzial, viele Unklarheiten

  • Potsdams Wärmebedarf liegt bei rund 1300 Gigawattstunden pro Jahr. Doch nur etwa 7 Prozent der Wärme stammen bislang aus erneuerbaren Energien. Die Wärmeplanung setzt auf verschiedene Quellen:
  • Zentrale Lösungen wie Geothermie, Abwasserwärme, Flussthermie oder Solarthermie. Die Geothermie gilt dabei mit einem realistischen Potenzial von ca. 250 GWh/Jahr als aussichtsreichste Variante.
  • Dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen (v. a. mit Umgebungsluft oder Erdwärme) in Kombination mit energetischer Sanierung.
  • Allerdings sind viele dieser Potenziale bisher nur theoretisch erschlossen. So könne etwa Flussthermie zwar mehr als 1100 GWh liefern, sei aber schwer realisierbar (Quelle: MAZ, 12.07.2025).

Orientierung für Eigentümerinnen und Eigentümer

Die kommunale Wärmeplanung soll Hauseigentümerinnen und -eigentümern künftig helfen zu erkennen, ob ein Anschluss an das Wärmenetz möglich ist oder eine Eigenlösung notwendig wird. Dabei gilt: Es bestehe aktuell kein gesetzlicher Zwang, eine funktionierende Heizung auszutauschen (Quelle: MAZ, 12.07.2025).

Die Verwaltung empfiehlt jedoch dringend eine Energieberatung, z. B. bei der Verbraucherzentrale Brandenburg, insbesondere vor dem Hintergrund aktueller Fördermöglichkeiten. Wer in einem Gebiet lebt, das für den Ausbau oder die Prüfung des Wärmenetzes vorgesehen ist, sollte mit Maßnahmen möglichst bis zum Abschluss der Wärmeplanung warten.

Nächste Schritte und politische Diskussionen

Der finale Wärmeplan soll im November 2025 öffentlich ausgelegt werden und Anfang 2026 in der Stadtverordnetenversammlung beschlossen werden. Danach wird er alle fünf Jahre aktualisiert.

Offen bleiben jedoch viele Fragen – unter anderem zur Verfügbarkeit künftiger Energiequellen wie Bio-Methan, Wasserstoff oder zur nötigen Stromnetzverstärkung. Auch politische Konflikte bremsen den Prozess: Verzögerungen im Ausbauprojekt Geothermie sowie ein angespanntes Verhältnis zwischen Stadtspitze und EWP (Energie und Wasser Potsdam) sorgen für Unsicherheit und Zeitdruck. Bereits angekündigte Fördermittel des Bundes könnten verfallen, sollte der Zeitplan nicht eingehalten werden (Quelle: PNN, 09.07.2025).

Fazit: Die kommunale Wärmeplanung zeigt deutlich, wie komplex, aber auch notwendig der Umbau der städtischen Wärmeversorgung ist. Zwar bleiben viele Fragen offen, doch die Stadt Potsdam schafft mit ihrer Planung erstmals eine strukturierte Grundlage für eine Wärmewende – und gibt Orientierung für Eigentümer, Politik und Versorger gleichermaßen.

Quellen: Pressemitteilung der Stadt Potsdam, 27.06.2025, Potsdamer Neueste Nachrichten (PNN), 09.07.2025, Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ), 12.07.2025