Die Landeshauptstadt Potsdam hat erste Ergebnisse ihrer aktuellen Kitabedarfsplanung vorgestellt.

Wie die Stadt mitteilte, seien diese Ergebnisse Teil der Fortschreibung der Integrierten Kita‑ und Schulentwicklungsplanung (IKSEP) für die Jahre 2026 bis 2031, die im Herbst der Stadtverordnetenversammlung zur Beschlussfassung vorgelegt werden solle. Grundlage der Planung sei eine neue Bevölkerungsprognose für den Zeitraum 2025 bis 2040.
Nach Darstellung der Stadt stelle sich die Versorgungssituation für Familien derzeit insgesamt gut dar. In Potsdam lebten aktuell rund 9.200 Kinder im Krippen‑ und Kindergartenalter, bei insgesamt etwa 11.000 verfügbaren Betreuungsplätzen. In vielen Stadtteilen sei eine wohnortnahe Betreuung möglich. Gleichzeitig machten die sinkenden Geburtenzahlen jedoch eine Neubewertung der Kapazitäten erforderlich.
Der Beigeordnete für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, Torsten Wiegel, erklärte laut LHP, Ziel der neuen Planung sei es, die Bildungsangebote sowohl quantitativ als auch qualitativ am tatsächlichen Bedarf auszurichten und zugleich frühzeitig auf demografische Veränderungen zu reagieren. Die IKSEP solle eine verlässliche Grundlage für die kommenden Jahre schaffen.
Geburtenknick führt zu Überkapazitäten
Wie PNN und MAZ berichteten, zeige die neue Planung deutlich, dass der Geburtenrückgang bereits spürbare Auswirkungen habe. Stadtweit seien derzeit rund 2.000 Kita‑ und Krippenplätze unbesetzt. Langfristig könnten bis zu 900 Plätze dauerhaft entfallen, zeitweise, insbesondere bis etwa 2031, sogar bis zu 1.200 Plätze.
Im Krippenbereich sei der Tiefpunkt der Kinderzahlen bereits erreicht, hieß es in der Arbeitsgruppe zur IKSEP. Bis 2031 werde wieder ein Niveau wie im Jahr 2024 erwartet. Im Kindergartenbereich werde der Tiefpunkt zeitversetzt um das Jahr 2029 erreicht. Danach rechne die Stadt erneut mit steigenden Bedarfen. Diese Dynamik mache es notwendig, zwischen temporären Umnutzungen und einem dauerhaften Abbau von Kapazitäten zu unterscheiden.
Jugendamtsleiterin Alexandra Mebus‑Haarhoff betonte laut PNN, dass es keine pauschale Schließliste geben solle. Stattdessen wolle die Stadt gemeinsam mit den Trägern Lösungen entwickeln, die auch die Konzeptvielfalt der Potsdamer Kitalandschaft erhielten. Neben Schließungen kämen auch Zusammenlegungen, Verkleinerungen oder temporäre Umnutzungen von Teilflächen infrage. Entscheidende Kriterien seien unter anderem Erreichbarkeit, baulicher Zustand, Betriebs‑ und Investitionskosten sowie die jeweilige Versorgungssituation im Stadtteil.
Stark unterschiedliche Entwicklungen in den Stadtteilen
Sowohl PNN als auch MAZ hoben hervor, dass sich der Bedarf in den Potsdamer Stadtteilen sehr unterschiedlich entwickle. In Bornim, Bornstedt, Nedlitz, Am Ruinenberg, den Roten Kasernen, der Nauener und Berliner Vorstadt sowie Am Stern würden in den kommenden Jahren zunehmend Plätze frei bleiben. Besonders im Bornstedter Feld lebten viele Familien, deren Kinder inzwischen zur Schule gingen oder älter seien.
Demgegenüber gebe es weiterhin Unterversorgungen in der Brandenburger Vorstadt, in Babelsberg Süd sowie in Alt Drewitz und im Kirchsteigfeld. Kinder aus diesen Bereichen würden bereits heute teilweise in anderen Stadtteilen betreut. An diesen Wanderungen werde sich voraussichtlich auch künftig wenig ändern.
Für neue Entwicklungsgebiete wie Krampnitz ziehe die Stadt Konsequenzen aus den aktuellen Prognosen. Große, starre Kita‑Neubauten mit mehreren hundert Plätzen gälten als nicht mehr zeitgemäß. Stattdessen würden modulare und flexible Bauweisen favorisiert, um auf schwankende Kinderzahlen reagieren zu können.
Langfristiger Blick bis 2040
Die Stadtverwaltung betonte laut LHP und MAZ, dass die Planung bewusst mit Puffern arbeite. Ein Überhang von etwa zehn Prozent freier Plätze solle erhalten bleiben, um auf unvorhersehbare Entwicklungen, etwa Zuzug oder verzögerte Wohnungsbauprojekte, reagieren zu können. Torsten Wiegel verwies darauf, dass Veränderungen auf dem Wohnungsmarkt zeitverzögert bei den Betreuungskapazitäten ankämen. Dies verschaffe der Stadt Handlungsspielräume.
Die jetzt vorgestellten Ergebnisse beträfen zunächst nur den Bereich der frühen Bildung. Die Auswirkungen sinkender Kinderzahlen auf Grundschulen, Horte und weiterführende Schulen würden in den kommenden Wochen gesondert beraten. Eine nächste Sitzung der Arbeitsgruppe sei für Ende April vorgesehen, der vollständige Entwurf der IKSEP solle Ende Mai öffentlich vorgestellt werden. Der Beschluss durch die Stadtverordnetenversammlung sei nach den Sommerferien geplant.








