Wie die MAZ berichtet, stelle die Wärmewende die Wohnungswirtschaft weiterhin vor große Herausforderungen.

Im Interview ordne Matthias Brauner vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) ein, welche Auswirkungen das neue Gebäudemodernisierungsgesetz haben könnte.
Milliardenkosten für die Wärmewende
Der Verband gehe davon aus, dass die Umsetzung der Klimaziele bis 2045 für die Potsdamer Wohnungswirtschaft mit erheblichen Investitionen verbunden sei. Bereits eine frühere Studie habe Kosten von rund fünf Milliarden Euro prognostiziert – ein Wert, der trotz gesetzlicher Anpassungen weiterhin als realistisch eingeschätzt werde.
Grund dafür sei, dass sich am grundsätzlichen Ziel der klimaneutralen Gebäudebestände nichts geändert habe. Die notwendigen energetischen Sanierungen müssten weiterhin in großem Umfang umgesetzt werden.
Mehr Flexibilität im neuen Gesetz
Eine wesentliche Änderung des neuen Gesetzes bestehe laut Brauner in einer größeren technischen Wahlfreiheit. Bestimmte Heizsysteme, die im vorherigen Gesetz bereits eingeschränkt worden seien, könnten nun länger genutzt werden.
Allerdings betreffe diese Flexibilität vor allem kleinere Gebäudebestände, etwa ältere Einfamilienhäuser. Für große Wohnungsunternehmen in Potsdam spiele dies eine geringere Rolle, da viele Bestände bereits an Fernwärmenetze angeschlossen seien oder langfristig entsprechend umgestellt werden sollen.
Sanierung als zentrale Herausforderung
Trotz einzelner Erleichterungen bleibe die energetische Sanierung der Gebäudebestände die zentrale Aufgabe. Laut Interview liege die aktuelle Sanierungsrate deutlich unter dem notwendigen Niveau:
- Aktuell: etwa 0,7 Prozent pro Jahr
- Erforderlich: rund 2 Prozent pro Jahr
Diese Lücke werde als strukturelles Problem gesehen, das sich nur schwer schließen lasse. Die Folge könnte ein wachsender Investitionsstau sein, der sowohl die Klimaziele als auch die Entwicklung des Wohnungsmarktes beeinflusse.
Auswirkungen auf Mieterinnen und Mieter
Die schleppende Sanierung könnte sich laut Einschätzung der Wohnungswirtschaft auch direkt auf die Wohnkosten auswirken. Gebäude mit geringerer Energieeffizienz würden langfristig höhere Heizkosten verursachen.
Gleichzeitig stünden die Unternehmen vor der Herausforderung, dass die hohen Investitionskosten nicht vollständig über Mieten refinanziert werden könnten. Begrenzte Modernisierungsumlagen und unzureichende Förderprogramme erschwerten zusätzliche Investitionen.
Finanzierungslücken und neue Wege
Der Bericht zeigt auch, wie einzelne Unternehmen auf diese Situation reagieren. So habe die WBG 1903 beschlossen, die Einlagen ihrer Mitglieder zu erhöhen, um notwendige Investitionen in die energetische Sanierung zu finanzieren.
Dieses Modell sei typisch für Genossenschaften, da Mitglieder gleichzeitig Mieterinnen und Mieter sowie Miteigentümer seien. Dadurch könnten zusätzliche Eigenmittel mobilisiert werden, um Investitionen abzusichern.
Wohnungsmarkt zwischen Neubau- und Sanierungskrise
Neben dem Neubau rücke zunehmend die Sanierung bestehender Gebäude in den Fokus. Während oft über fehlende Neubauprojekte gesprochen werde, sei die energetische Ertüchtigung des Bestandes laut Experten schwerer sichtbar, aber ebenso entscheidend.
Brauner betone demnach, dass Deutschland nicht nur eine Bau-, sondern auch eine Sanierungskrise habe. Beide Entwicklungen zusammen könnten die Situation auf dem Wohnungsmarkt weiter verschärfen.
Bedeutung der kommunalen Wärmeplanung
Für die Wohnungsunternehmen spiele die kommunale Wärmeplanung eine wichtige Rolle. Sie gebe Orientierung, wie sich Energieversorgungssysteme, etwa Fernwärme, künftig entwickeln könnten.
In Potsdam seien bereits große Teile des Bestands an Fernwärme angeschlossen. Der Anteil könne in Zukunft weiter steigen, insbesondere durch Neubauprojekte und Netz-Erweiterungen in einzelnen Quartieren.
Fazit: Wärmewende als langfristige Herausforderung
Insgesamt würde der Bericht deutlich machen, dass die Wärmewende für die Wohnungswirtschaft eine langfristige und kostenintensive Aufgabe darstellt.
Zwischen Klimazielen, steigenden Baukosten und begrenzten Finanzierungsmöglichkeiten müssten Lösungen gefunden werden, die sowohl wirtschaftlich tragfähig als auch sozial verträglich seien. Die aktuellen gesetzlichen Anpassungen könnten dabei einzelne Spielräume erweitern, die grundlegenden Herausforderungen jedoch nicht vollständig auflösen.
Quelle: MAZ








