Die Wohnungsnot in Potsdam dürfte sich nach Einschätzung der Stadt trotz eines verlangsamten Bevölkerungswachstums weiter verschärfen.

Wie die MAZ berichte, habe Oberbürgermeisterin Noosha Aubel gemeinsam mit dem neuen städtischen Wohnraumreferenten Daniel Fuhrhop und dem Verwaltungsfachmann Thomas Nader eine aktuelle Haushaltsprognose vorgestellt.
Demnach werde die Einwohnerzahl Potsdams bis 2040 zwar lediglich um rund 6,6 Prozent wachsen, dennoch entstünden etwa 10.700 zusätzliche Haushalte, die eine eigene Wohnung benötigten. Ursache sei vor allem der demografische Wandel: Die geburtenstarken Jahrgänge der sogenannten Boomer‑Generation erreichten in den kommenden Jahren das Seniorenalter.
Nach den Prognosen würden rund 90 Prozent der neuen Haushalte aus nur ein oder zwei Personen bestehen. Etwa 3000 dieser Haushalte entfielen auf alleinlebende Menschen über 65 Jahre, weitere rund 2000 auf Rentnerpaare. Diese Gruppen benötigten vor allem kleine, barrierearme oder barrierefreie Wohnungen. Hinzu kämen rund 4000 neue Haushalte von Singles oder kinderlosen Paaren unter 65 Jahren, etwa durch Zuzug oder als erste eigene Wohnungen junger Erwachsener.
Insgesamt könnten im Jahr 2040 voraussichtlich 94.000 der dann rund 116.000 Potsdamer Haushalte von nur ein oder zwei Personen bewohnt werden. Heute seien es etwa 84.000 von 105.000 Haushalten. Oberbürgermeisterin Aubel habe betont, dass daraus ein klarer Handlungsauftrag folge: Es würden mehr altersgerechte Wohnungen benötigt, zugleich müsse Potsdam aber auch für junge Menschen und Familien attraktiv bleiben. Größere Wohnungen für Familien seien weiterhin notwendig, um Abwanderung aus der Stadt zu verhindern.
Die Stadt verfüge nach eigenen Angaben über drei zentrale Stellschrauben: den Neubau und die Sanierung von Wohnungen mit Blick auf Barrierefreiheit, den Schutz bestehenden Wohnraums vor Zweckentfremdung sowie die Aktivierung bislang ungenutzter Wohnflächen. Noch vor den Sommerferien wolle Aubel gemeinsam mit der städtischen Wohnungsgesellschaft ProPotsdam einen Aktionsplan vorlegen, der auf die ermittelten Bedarfe reagiere. Ein Schwerpunkt solle künftig auf kleineren, altersgerechten Wohnungen liegen. Auch die Absenkung hoher Baustandards bleibe ein Thema, um Baukosten und damit auch die Mieten im Bestand und Neubau der ProPotsdam zu begrenzen.
Neben der kommunalen Wohnungswirtschaft setze die Stadt weiterhin auf private Investoren. Laut MAZ habe Aubel darauf verwiesen, dass sich der Markt verändere: Der Bau von Luxuseigentumswohnungen stoße zunehmend an Grenzen, während kompakte Grundrisse stärker nachgefragt würden. Instrumente wie der sogenannte „Bauturbo“ könnten helfen, indem sie bei größeren Projekten Sozialquoten und bedarfsgerechte Wohnungstypen verbindlich festschrieben.
Für Daniel Fuhrhop sei es der erste öffentliche Auftritt in seiner neuen Funktion als zentraler Ansprechpartner für Wohnungsfragen im Potsdamer Rathaus gewesen. Er habe eingeräumt, die Wohnungsnot nicht allein lösen zu können, sehe seine Aufgabe jedoch darin, zusätzliche Wohnraumpotenziale zu identifizieren. Besonders ältere Menschen, die häufig allein in großen Wohnungen lebten, stünden dabei im Fokus.
Neben Neubau und altersgerechter Sanierung sehe Fuhrhop auch Chancen im gemeinschaftlichen Wohnen. Projekte wie „Wohnen für Hilfe“ des Studierendenwerks West:Brandenburg, bei denen Studierende Wohnraum erhalten und im Gegenzug Unterstützung leisten, zeigten aus seiner Sicht, dass soziale Wohnmodelle langfristig wirken könnten. Wohnungstausch und der Umzug von Seniorinnen und Senioren in kleinere Wohnungen seien zwar ebenfalls Ansatzpunkte, hätten sich bislang jedoch als schwer umsetzbar erwiesen. Deshalb wolle man verstärkt dabei unterstützen, Wohnungen umzubauen oder Wohnraum abzutrennen, um neue Formen des Zusammenlebens zu ermöglichen.
Quelle: MAZ








