Geothermie statt Gas: Startschuss für Potsdams Wärmewende

Die Energie- und Wärmewende in Potsdam nimmt Gestalt an.

Der EWP-Wärmespeicher Heizkraftwerk Süd. Foto: Katrin Paulus

Nach langem politischem Ringen haben Stadtverordnete den Weg für die Finanzierung zentraler Projekte bis 2030 freigemacht. Wie die PNN berichten, beginnt die Energie und Wasser Potsdam GmbH (EWP) nun mit der konkreten Umsetzung. Im Fokus stehe der Ersatz für das alternde Heizkraftwerk Süd und eine klimafreundliche, sichere Wärmeversorgung für zehntausende Potsdamerinnen und Potsdamer. Bereits jetzt speise die Tiefengeothermie-Anlage in der Heinrich-Mann-Allee Wärme ins Netz. Noch in diesem Jahr solle dort ein neues Quartier mit mehr als 340 Wohnungen erstmals vollständig mit Erdwärme versorgt werden. Die Energiezentrale vor Ort wird derzeit technisch finalisiert; bis zum Winter sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein. Statt der ursprünglich kalkulierten 20 Millionen Euro investierte die EWP inzwischen rund 30 Millionen Euro in die Anlage. Allerdings seien die geologischen Bedingungen besser als erwartet gewesen. Die doppelte Leistung von über vier Megawatt mache eine entsprechend größere Technikzentrale notwendig. Gefördert werde das Projekt mit rund 80 Prozent der Investitionssumme aus Mitteln nach dem Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG).

Tiefenbohrungen an mehreren Standorten geplant

Weitere Tiefengeothermie-Bohrungen seien bereits in Planung, unter anderem am Standort des Heizkraftwerks Süd, nahe Drewitz, am Lerchensteig sowie in der Babelsberger Gartenstraße. Der nächste große Bohrstart sei für Anfang 2026 angesetzt. Bereits jetzt laufen vorbereitende Maßnahmen. Die EWP betone gegenüber der PNN, dass das Bohr- und Projektrisiko bislang in Eigenverantwortung getragen werde, da entsprechende Versicherungen auf dem Markt bisher fehlten. Künftig hoffe man auf spezielle Produkte, etwa von der Münchener Rückversicherung,  um Restrisiken besser abzusichern.  Nach zähen Verhandlungen zwischen Stadt, Stadtwerken und dem EWP-Minderheitsgesellschafter Edis darf die EWP nun Darlehen in Höhe von 375 Millionen Euro aufnehmen. Das ist der nächste Schritt im Rahmen eines Investitionsprogramms von rund 1,3 Milliarden Euro, das die klimafreundliche Umstellung der Energieversorgung in Potsdam vorantreiben soll, mit Geothermie, Solarthermie, Flusswärmepumpen und Power-to-Heat-Anlagen. Doch die Finanzierung habe auch Grenzen: Zusätzliche Mittel stünden nach Angaben der Stadtwerke nicht mehr zur Verfügung. Das werde Auswirkungen auf andere kommunale Bereiche haben. Genannt wurden der Verkehrsbetrieb und die Bäderlandschaft. Auch die mögliche Rückzahlung überhöhter Wassergebühren, wie sie ein aktuelles Urteil des Oberverwaltungsgerichts nahelegt, könne die finanziellen Spielräume zusätzlich belasten.

Netzumbau, Wärmeplanung, Transformationsplan

Die Wärmewende bringe nicht nur neue Erzeugungsanlagen, sondern auch Veränderungen am Fernwärmenetz mit sich. Der Umbau von zentralen Großanlagen hin zu dezentralen Wärmequellen mache Anpassungen erforderlich. Eine vertiefte Netzplanung laufe bereits. Allerdings könnten belastbare Zahlen erst nach dem Abschluss der kommunalen Wärmeplanung und des gesetzlich geforderten Transformationsplans vorgelegt werden. Dieser müsse bis Ende 2026 fertig sein. Nicht alle Stadtteile werden an die neue Fernwärme angeschlossen. Besonders für Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer im Potsdamer Norden würden individuelle Lösungen notwendig sein. Auch viele öffentliche Gebäude, darunter Schulen, bleiben außen vor.

Die EWP hebt die Vorteile der Geothermie hervor: Die Anlagen seien auf 40 bis 50 Jahre Betriebsdauer ausgelegt, nahezu wartungsfrei und emissionsarm. In Kombination mit einem zunehmend „grüneren“ Strommix verspricht sich das Unternehmen einen deutlich kleineren CO₂-Fußabdruck für Potsdam. Auch die Betriebskosten seien im Vergleich zu Gasanlagen niedriger, was sich langfristig positiv auf die Wärmepreise auswirken könne. Trotz aller Fortschritte bleiben Fragen offen: Wie reagiert das System auf unvorhergesehene Ausfälle? Wie wird der Umbau sozial gerecht gestaltet? Und welche individuellen Lösungen braucht es für Stadtteile abseits der Hauptnetze?

Fest stehe: Mit dem Start der Umsetzungsphase sei ein entscheidender Schritt für eine klimafreundlichere, resiliente Energiezukunft in Potsdam getan.

Quelle: PNN