Nach Berichten der MAZ stehe Potsdam vor einer wegweisenden Entscheidung zur Zukunft seiner Wärmeversorgung.

Die kommunale Wärmeplanung (KWP) solle im Juni 2026 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen werden und den Pfad für eine fossilfreie Wärmeversorgung bis 2045 festlegen. Damit bleibe die Landeshauptstadt im Zeitplan der Bundesvorgaben, wonach Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern ihre Wärmeplanung bis Ende Juni vorlegen müssten.
Für viele Potsdamer Haushalte seien mit der KWP erhebliche Veränderungen verbunden. Das Fernwärmenetz, an das derzeit rund 43 Prozent der Haushalte angeschlossen seien, solle deutlich ausgebaut werden. Das bislang ähnlich bedeutende Erdgasnetz solle nach dem aktuellen Entwurf langfristig stillgelegt und durch andere Versorgungsformen ersetzt werden, darunter vor allem Wärmepumpen und kleinteiligere Lösungen.
Nach MAZ‑Angaben seien als Erweiterungsgebiete für die Fernwärme unter anderem die Innenstadt, die Nauener Vorstadt, die Brandenburger Vorstadt und Babelsberg vorgesehen. Ein erster konkreter Schritt solle zwischen 2027 und 2030 erfolgen: Die Brunnensiedlung an der Heinrich‑Mann‑Allee solle als eines der ersten Quartiere ans Fernwärmenetz angeschlossen werden. Parallel dazu seien Arbeiten im östlichen Babelsberg zwischen Wolle‑, Grenz‑, Karl‑Liebknecht‑ und Johannsenstraße geplant.
Der Entwurf der kommunalen Wärmeplanung sei laut MAZ bereits im vergangenen Jahr in mehreren öffentlichen Veranstaltungen vorgestellt worden. Zuletzt sei Anfang Dezember ein detaillierter Zeitplan präsentiert worden. Ursprünglich habe das Rathaus vorgesehen, die KWP bereits im Frühjahr in die Stadtverordnetenversammlung einzubringen. Gründe für die zeitliche Verschiebung seien nicht benannt worden. Im Rahmen der öffentlichen Beteiligung habe es jedoch 19 Rückmeldungen gegeben, die vor allem Fragen zur konkreten Umsetzung und zu den Eignungsgebieten der künftigen Wärmeversorgung betroffen hätten. Die finale Abstimmung im Juni sei unter anderem in einer Diskussionsrunde des Grünen‑Kreisverbandes öffentlich angekündigt worden, wo Potsdam als „sehr gut unterwegs“ bezeichnet worden sei.
EWP mit neuer technischer Geschäftsführung auf Zeit
Parallel zu den inhaltlichen Weichenstellungen der Wärmewende berichteten MAZ und PNN über eine Neuaufstellung in der Führung der Energie und Wasser Potsdam GmbH (EWP). Der Aufsichtsrat habe Carsten Schulte mit Wirkung zum 1. April zum technischen Geschäftsführer bestellt. Die Bestellung sei befristet – laut MAZ zunächst bis Dezember dieses Jahres, nach Angaben der PNN bis Ende 2026 –, während das reguläre Auswahlverfahren für die Position weiterlaufe.
Schulte sei seit März 2025 als Bereichsleiter Erzeugung und Entsorgung bei der EWP tätig und verantworte unter anderem die Geothermie‑Projekte, die eine zentrale Rolle in der Potsdamer Wärmewende spielten. Zuvor habe er in leitenden Funktionen bei verschiedenen Netzgesellschaften und Stadtwerken gearbeitet, unter anderem in Berlin, Duisburg, Bonn und Wedel. Mit der interimistischen Lösung solle laut EWP eine nahtlose Fortführung der technischen Leitung gewährleistet werden.
Schulte folge auf Eckard Veil, der das Unternehmen zum Ende des ersten Quartals 2026 auf eigenen Wunsch verlassen habe. Wie die PNN einordneten, habe Veil als einer der Architekten der geplanten Wärmewende in Potsdam gegolten. Bereits einige Monate zuvor habe auch die kaufmännische Geschäftsführerin Christiane Preuß die EWP verlassen. Hintergrund der personellen Veränderungen seien laut PNN Konflikte über die Finanzierung der Wärmewende, insbesondere zwischen der EWP‑Spitze und dem Aufsichtsratsvorsitzenden sowie Potsdamer Kämmerer Burkhard Exner (SPD).
Ausblick
Mit dem anstehenden Beschluss der kommunalen Wärmeplanung und der interimistischen Neuaufstellung der technischen Geschäftsführung bei der EWP stehe Potsdam laut MAZ und PNN vor einer entscheidenden Phase der Wärmewende. Der geplante Ausbau der Fernwärme, die Umstellung weg von Erdgas und die parallelen Investitionen in neue Erzeugungsformen wie Geothermie würden die Stadt in den kommenden Jahren nachhaltig prägen – organisatorisch wie infrastrukturell.








