Wie die MAZ unter Berufung auf aktuelle Zahlen der Netzgesellschaft Potsdam (NGP) berichtete, schreite die Energiewende in der Landeshauptstadt sichtbar voran.

Insbesondere bei Wärmepumpen, Photovoltaik‑Anlagen und der Elektromobilität sei in den vergangenen Jahren ein deutlicher Zuwachs zu verzeichnen.
Nach Angaben der NGP seien Ende März rund 900 Wärmepumpen im Potsdamer Stadtgebiet registriert gewesen. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor habe die Zahl noch bei etwa 730, im Frühjahr 2024 sogar erst bei 630 gelegen. Wärmepumpen gälten, neben einer perspektivisch grünen Fernwärme, als zentrale Alternative für den Umstieg von Öl und Gas auf eine fossilfreie Wärmeversorgung. Da sie insbesondere bei niedrigen Außentemperaturen hohe Stromlasten verursachten, seien sie meldepflichtig, weshalb vergleichsweise genaue Zahlen vorlägen. Bis Ende April seien bereits weitere rund 30 neue Anträge eingegangen.
Photovoltaik wächst stark – große Anlagen in Marquardt und Golm
Auch bei der Solarenergie zeigten die Zahlen laut MAZ ein starkes Wachstum. Zum 1. April 2026 seien stadtweit 3.750 Photovoltaik‑Anlagen gemeldet gewesen, mit einer Gesamtleistung von 40,6 Megawatt. Ein Jahr zuvor habe es rund 3.120 Anlagen mit 34,7 Megawatt gegeben, im Jahr 2023 lediglich 1.510 Anlagen mit insgesamt 19 Megawatt.
Die größte Photovoltaik‑Anlage im Stadtgebiet befinde sich demnach im Friedrichspark Marquardt. Der Solarpark von German Tech umfasse rund 16 Hektar und erreiche eine Leistung von acht Megawatt. Weitere große Anlagen stünden unter anderem in Golm, an der Drewitzer Straße, an der Ketziner Straße, an der Pirschheide sowie auf kommunalen Gebäuden wie dem Schulzentrum Am Stern oder der Grundschule am Jungfernsee.
Boom bei Balkonkraftwerken und Mieterstrom
Besonders dynamisch habe sich laut MAZ die Zahl der sogenannten Balkonkraftwerke entwickelt. Zum 1. April seien 1.150 solcher Anlagen im Stadtgebiet gemeldet gewesen, im Juni 2025 seien es erst 450 gewesen. Diese Kleinst‑Photovoltaikanlagen mit bis zu 800 Watt Leistung seien genehmigungsfrei, müssten aber registriert und den Vermietern angezeigt werden.
Zugleich rechne die NGP mit einem deutlichen Zuwachs bei Mieterstrom‑Modellen, bei denen Hauseigentümer Dachflächen an Solarunternehmen verpachteten und Mieterinnen und Mieter Strom zu vergleichsweise günstigen Konditionen beziehen könnten. Formal erfasst seien derzeit 14 Mietersolaranlagen, weitere rund 40 Anlagen befänden sich im Antragsverfahren.
Große Solarparks sollen Stromanteil deutlich erhöhen
Nach Einschätzung der Koordinierungsstelle Klimaschutz im Rathaus werde derzeit rund fünf Prozent des Strombedarfs in Potsdam aus erneuerbaren Energien gedeckt, wobei die Photovoltaik den größten Anteil habe. Einen erheblichen Sprung erwarte die Stadt durch geplante Freiflächen‑Solaranlagen bei Satzkorn und Uetz.
Der Solarpark der EnBW bei Satzkorn solle auf 64 Hektar eine Leistung von 78 Megawatt erreichen, der Baubeginn sei für 2027 vorgesehen. Die Anlagen der Energie und Wasser Potsdam (EWP) bei Uetz sollten auf 70 Hektar sogar 85 Megawatt liefern. Nach Einschätzung der Stadt könnten damit künftig 20 bis 25 Prozent des Potsdamer Strombedarfs aus Sonnenenergie gedeckt werden.
Elektromobilität und Netzausbau
Auch die Elektromobilität wachse weiter. Ende März seien laut Statistik rund 2.900 E‑Pkw in Potsdam gemeldet gewesen. Der Anteil an allen zugelassenen Pkw habe damit bei 3,56 Prozent gelegen, ein deutlicher Anstieg gegenüber den Vorjahren. Parallel dazu habe sich die Zahl der öffentlichen Ladesäulen auf 123 Standorte mit mehr als 230 Ladepunkten erhöht.
Die Netzgesellschaft Potsdam, ein Tochterunternehmen des Stadtwerkekonzerns, stehe damit vor erheblichen Investitionen. Der Ausbau des Stromnetzes für Energie‑ und Wärmewende erfordere ein Investitionsvolumen, das laut früheren Angaben in einer ähnlichen Größenordnung liege wie die Umstellung der kommunalen Wärmeversorgung durch die EWP auf erneuerbare Energien.
Quelle: MAZ








