Am Potsdamer Aradosee könnte auf einer größtenteils brachliegenden Gewerbefläche ein neues Wohnquartier entstehen, wie MAZ und PNN berichten. Wohnungen seien dort baurechtlich allerdings nicht zulässig.

Der Eigentümer Otto Schulz möchte dort kleine, bezahlbare Mietwohnungen für Studierende und Auszubildende schaffen. Nach den aktuellen Planungen könnten bis zu 150 Wohnungen entstehen. Vorgesehen sei ein autoarmes Quartier, auch eine Vermietung an das Studierendenwerk könne sich Schulz vorstellen.
Auf dem 11.400 Quadratmeter großen Grundstück am Schlaatzweg befinden sich mehrere Gewerbebetriebe in einem 1971 für eine Baufirma errichteten Gebäudekomplex. Dazu gehöre ein rund 180 Meter langer Gebäudeteil mit Garagen und einem Rampenlager. Schulz plant, die vorhandene Gewerbebrache neu zu entwickeln und Wohnen mit Gewerbe zu verbinden. Denkbar seien neben Wohnungen auch kleinere Handwerksbetriebe und eine Nahversorgung.
Seit drei Jahren arbeite der Potsdamer Steuerberater und Wirtschaftsprüfer an den Plänen. Gemeinsam mit seinem gleichnamigen Sohn habe er die Schulz & Schulz Grundstücks-GbR gegründet, um das Vorhaben umzusetzen. Schulz beschreibe die Lage als besonders attraktiv, weil Hauptbahnhof und Brauhausberg fußläufig oder mit dem Fahrrad schnell erreichbar sind.
Allerdings sei eine Wohnnutzung auf dem Grundstück derzeit baurechtlich nicht zulässig. Die Stadtverwaltung hätte einem Wohnviertel an dieser Stelle in den vergangenen Jahren eine Absage erteilt. Der Flächennutzungsplan würde für das Areal am Aradosee Grünland vorsehen. Schulz hoffe dennoch auf eine politische und rechtliche Lösung und setze dabei insbesondere auf die Erleichterungen durch den sogenannten Bauturbo.
Vier Machbarkeitsstudien
Um auszuloten, welche Entwicklung des Grundstücks möglich wäre, hsbe Schulz gemeinsam mit Christopher Weiß, dem Geschäftsführer des Projektentwicklers Glockenweiß, vier Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben. Vier Teams aus Studierenden des Masterstudiengangs Real Estate Management der Technischen Universität Berlin hätten unterschiedliche Entwürfe entwickelt. Diese sollen am heutigen Freitag im Beisein des Baubeigeordneten und des Stadtplanungschefs vorgestellt werden.
Bei den Studien gehe es nach Schulz vor allem um die unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten und weniger um die konkrete architektonische Form. Einer der Entwürfe würde beispielsweise eine ausschließlich gewerbliche Nutzung mit einer Padelhalle vorsehen. Eine weitere Studie plane mit einem großen Data-Center. Eine bereits vorab entwickelte Illustration des Potsdamer Architekten Christopher Kühn zeige, wie eine Bebauung mit fünf viergeschossigen Gebäuderiegeln aussehen könnte.
Schulz favorisiere den Bau von bezahlbaren Wohnungen. Diese könnten von Studierenden bewohnt werden, die künftig am Campus Brauhausberg studieren, oder von Auszubildenden und Beschäftigten von Unternehmen. Durch eine Modulbauweise könnten die Gebäude nach seiner Vorstellung vergleichsweise schnell und kostengünstig errichtet werden. Dadurch ließen sich möglicherweise auch ohne öffentliche Förderung niedrige Mieten erreichen.
Das Quartier könnte zudem weitgehend ohne Autos auskommen. Für studentisches Wohnen müssten nach Schulz‘ Vorstellung nicht zwei Stellplätze je Wohnung vorgesehen werden. Auch eine kleinere Nahversorgung vor Ort wäre denkbar. Eine Vermietung an das Studierendenwerk halte Schulz ebenfalls für möglich.
Eine Chance für Potsdam
Möglichen Argumenten gegen eine Bebauung greife Schulz bereits vor. Das Grundstück sei erschlossen. Der dort ansässige Bildhauerbetrieb werde von großen Lkw mit tonnenschweren Steinen beliefert. Für studentisches Wohnen müssten zudem nicht zwei Parkplätze pro Wohneinheit geplant werden. Auch das mögliche Argument der Lärmbelastung durch die Nuthestraße lasse Schulz nicht gelten. Die Schnellstraße sei 200 Meter entfernt. „Am See hören sie eher die Natur“, zitieren die PNN Schulz. Die Bauhöhe orientiere sich am Bestand der Nachbarschaft.
Im Vergleich zur heutigen Bebauung würden die neuen Häuser weiter vom Ufer abrücken. Der Uferweg, der teilweise nur aus einem Trampelpfad bestehe, könnte nach Schulz‘ Vorstellungen weiterhin genutzt werden. Mögliche Widerstände gegen eine Bebauung am See würden ihn und seinen Sohn nicht abschrecken. Sie möchten mit Argumenten überzeugen.
Das notwendige Bebauungsplanverfahren könnte allerdings zu einer erheblichen zeitlichen Hürde werden. Normalerweise würden dafür sieben bis acht Jahre veranschlagt. Schulz hoffe darauf, dass sich der Prozess beschleunigen lässt. Sobald eine Baugenehmigung vorliegt, könne der eigentliche Hausbau mit Modulen innerhalb relativ kurzer Zeit erfolgen und wäre weitgehend unabhängig von der Witterung.
Für Potsdam wäre die Entwicklung des Grundstücks eine Chance, finde Schulz. Er habe betont, dass hier kein auswärtiger Investor oder eine sogenannte „Heuschrecke“ bauen würde. Vor mehr als 20 Jahren hätte er bereits den völlig maroden Barockbau in der Schloßstraße 2 saniert. Dabei hätte er sich auch in jahrelangen Auseinandersetzungen teilweise gegen den Denkmalschutz durchgesetzt und die zuständigen Stellen schließlich von seinen Vorstellungen überzeugen können.
Inzwischen würde Schulz auch um Unterstützung in der Potsdamer Politik werben. Bisher sei er dabei eher auf Wohlwollen gestoßen. Mit den vier Machbarkeitsstudien möchte er nun herausfinden, ob sich eine weitere Planung überhaupt lohnen würde. Von der Stadt erhoffe er sich eine Grundsatzentscheidung.
Quelle: MAZ und PNN








