Wie die Landeshauptstadt Potsdam erklärte, habe sich das Instrument des § 36a Baugesetzbuch (BauGB) in den ersten Monaten grundsätzlich bewährt.

Mit dem Verfahren könne zusätzlicher Wohnungsbau schneller ermöglicht werden als über klassische Bebauungsplanverfahren.
Seit Inkrafttreten der Potsdamer Regelungen Ende Oktober 2025 seien insgesamt 83 Vorhaben geprüft worden. Für 16 Projekte mit zusammen 92 Wohnungen sei eine Zustimmung erteilt worden. 27 Vorhaben seien abgelehnt worden, bei weiteren Fällen sei das Verfahren nicht anwendbar gewesen. Aktuell befänden sich weitere Bauvorhaben in der Prüfung.
Bezahlbarer Wohnraum bleibt Voraussetzung
Nach Angaben der Stadt werde die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren auch künftig mit sozialen Anforderungen verbunden. Bei größeren Wohnungsbauprojekten solle weiterhin ein Anteil von 30 Prozent mietpreis- und belegungsgebundener Wohnungen angestrebt werden.
Für kleinere Projekte mit weniger als etwa sechs Wohnungen wolle die Stadt künftig auf entsprechende Verträge verzichten, um Verfahren zu vereinfachen und den privaten Wohnungsbau zu erleichtern.
Klimaschutz bleibt Teil der Prüfung
Wie die Stadt weiter mitteilte, würden auch beim beschleunigten Verfahren Themen wie Klimaschutz, Starkregenvorsorge, Luftaustausch und Hitzevorsorge berücksichtigt. Hierfür sei ein eigener Klimacheck entwickelt worden.
Drei Wohnungsbauprojekte empfohlen
Zeitgleich mit der Evaluierung empfiehlt die Verwaltung nach eigenen Angaben die Anwendung des Bauturbos für drei konkrete Projekte:
Heinrich-Mann-Allee: Mehr Wohnungen durch Aufstockung
Auf dem Gelände des ehemaligen Tramdepots an der Heinrich-Mann-Allee könne ein Projekt der ProPotsdam durch die Anwendung des neuen Instruments erweitert werden.
Geplant seien dort zusätzlich bis zu 72 Wohnungen. Möglich werden sollen diese durch die Aufstockung eines Gebäudes sowie eine höhere Wohnnutzung in einem geplanten Mischgebiet. Insgesamt könnten auf dem Areal künftig rund 230 Wohnungen entstehen. Nach Angaben der Stadt sei die Umsetzung mit Landesfördermitteln vorgesehen.
Wetzlarer Straße: 163 Wohnungen am Bahnhof Medienstadt
Für ein Projekt der KW Development in der Wetzlarer Straße empfehle die Verwaltung ebenfalls die Zustimmung. Auf einer bisher brachliegenden Gewerbefläche südlich des Bahnhofs Medienstadt sollen 163 Wohnungen entstehen.
Davon seien 48 Wohnungen als mietpreis- und belegungsgebundene Einheiten vorgesehen.
Studierendenwohnen in der Behlertstraße
Ein weiteres Projekt betrifft die Behlertstraße. Dort sei auf einer heutigen Parkplatzfläche ein neues Wohnheim geplant.
Vorhabenträger sei die Hasso-Plattner-Foundation, der Betrieb erfolge über das Studierendenwerk West:Brandenburg. Entstehen sollen insgesamt 344 Wohnheimplätze in einem Neubau sowie in sanierten denkmalgeschützten Remisen.
Wohnungsbau schneller umsetzen
Nach Auffassung der Stadt zeigten diese Beispiele, wie mit dem neuen Verfahren Wohnungsbauvorhaben deutlich schneller umgesetzt werden könnten. Für Flächen, die bislang oftmals langjährige Planungsverfahren benötigt hätten, könne dadurch früher Baurecht geschaffen werden.
Allein die drei aktuell vorgeschlagenen Projekte würden nach Angaben der Stadt 235 zusätzliche Wohnungen sowie 344 Wohnheimplätze ermöglichen.
Regelmäßige Überprüfung geplant
Die Stadtverwaltung betont, dass die Anwendung des Bauturbos als laufender Lernprozess verstanden werde. Deshalb solle künftig jährlich geprüft werden, welche Auswirkungen die neuen Verfahren auf Wohnungsbau, Stadtentwicklung und soziale Infrastruktur haben.
Mit der Weiterentwicklung des Instruments wolle die Stadt eine Balance zwischen schnellerem Wohnungsbau, bezahlbaren Wohnungen und städtebaulicher Qualität sichern.
Quelle: LHP








