Bau weiterer Windkraftanlagen im Potsdamer Norden geplant

Die Energiewende in Potsdam schreitet voran. Die PNN berichten über neue Windkraftanlagen, die im Potsdamer Norden errichtet werden sollen. Am 10. September können sich Bürger direkt über die Vorhaben informieren.

Foto: Sebastian Ganso/Pixabay

Diese Angaben machten Vertreter von Bauverwaltung sowie der Stadtwerke-Tochter Energie und Potsdam (EWP) laut Zeitung am Dienstag bei einer Pressekonferenz vor Journalisten. Die Planungen ergänzten schon von der Stadtpolitik abgesegnete Bauabsichten für drei bis zu 300 Meter hohe Windräder im Nord-Osten von Groß Glienicke und zwei weitere Anlagen, die zusammen mit einem Solarpark bei Uetz-Paaren geplant sind.

Die pro Stück rund zehn Millionen Euro teuren Windräder sollen der Stadt schon ab möglichst 2030 helfen, auf den steigenden Bedarf an Strom zu reagieren und gesetzliche Vorgaben zum Klimaschutz zu erfüllen, habe der Baubeigeordnete Bernd Rubelt (parteilos) deutlich gemacht. Ferner sollen die Anlagen absehbar als Ersatz für das altersschwache Gas-Heizkraftwerk im Potsdamer Süden dienen, das bisher auch erhebliche Mengen an Strom produziert, hieß es.

Potsdamer Strombedarf könnte zu 20 Prozent gedeckt werden

Die Planungen seien auch aufgrund gesetzlicher Änderungen auf Bundesebene möglich, die inzwischen den Bau von Windrädern in Landschaftsschutzgebieten erlaubten, hieß es bei der Presserunde. Der 1000-Meter-Abstand zur Wohnbebauung werde gewahrt, habe Potsdams oberster Stadtplaner Erik Wolfram gesagt. Die beiden neu vorgestellten Standorte bei Groß Glienicke und Fahrland/Kartzow gehörten dabei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die der Stadt bei dem Projekt helfe. Die Windräder sollen dabei jeweils bis frühestens 2031 auf rund 60 Hektar großen Ackerflächen errichtet werden.

Partner der EWP bei dem Projekt sei das Unternehmen Energiequelle aus der Nähe von Zossen (Teltow-Fläming), das sich mit mehr als 450 Mitarbeitern seit Jahren auf die Errichtung von Windenergie-Anlagen und den Ausbau anderer erneuerbarer Energien spezialisiert habe. Erstmals werde man nun auch in Potsdam aktiv, habe Abteilungsleiter Niels Mocker gesagt.

Der EWP-Vertreter für erneuerbare Energien, Thomas Niemeyer, habe von einer 50-50-Beteiligung bei dem Vorhaben gesprochen. Die 7,5-Megawatt-Windräder sollen pro Stück rund 2,5 Prozent des Potsdamer Strombedarfs decken. Die beiden neuen Windparks könnten also mehr als 20 Prozent des benötigten Stroms erzeugen, schreiben die PNN.

Bürgerinformation am 10. September

Einer breiteren Öffentlichkeit sollen die Planungen und erste Visualisierungen am 10. September bei einer Informationsveranstaltung vorgestellt werden. Dabei setze das Rathaus statt auf einen Vortrag vor einem vollen Saal auf thematische Rundgänge mit interessierten Bürgern. Diese sollen direkte Gespräche mit den Fachplanern ermöglichen.

Die erste Infoveranstaltung zu den Windkraftanlagen solle am 10. September in der Grundschule Krampnitz stattfinden, zwischen 16 und 20 Uhr. Die dabei geplanten Rundgänge starten jeweils um 16, 17, 18 und 19 Uhr.

Zur besseren Planung würden Interessierte gebeten, sich vorab für ein gewünschtes Zeitfenster mit Angabe der Personenzahl anzumelden. Die Anmeldung sei per E-Mail an potsdam@ikome.de oder telefonisch unter Tel.: (0341) 261 80 444 möglich. Hinter Ikome verberge sich ein aus Leipzig stammendes Unternehmen, das auf Bürger- und Öffentlichkeitsbeteiligung bei Energieinfrastrukturprojekten spezialisiert sei.

Nach dieser Bürgerrunde sei dann die Potsdamer Stadtpolitik gefragt. Noch im September sollen die Ausschüsse für Umwelt und für Bauen über die Windräder beraten. Für Anfang November erhoffe die Bauverwaltung dann einen ersten Beschluss der Stadtverordneten, um mit den Planungen für die Windräder fortschreiten zu können.

Konkret sollen für die Vorhaben die jeweiligen Teile des Flächennutzungsplans geändert werden. Wegen Gesetzesänderungen sei allerdings kein neuer Bebauungsplan mehr notwendig. Gleichwohl finde eine Umweltprüfung statt, versicherten die Projektvertreter laut Zeitung. Nach der Änderung des Flächennutzungsplans sei zudem ein separates Genehmigungsverfahren fällig. Dann werde laut den Planern unter anderem die Lärmbelastung für Anwohner bewertet.

Akzeptanz vor Ort stärken

Stadtplanungschef Wolfram habe auf die finanziellen Vorteile durch die Anlagen verwiesen, gerade für die nördlichen Ortsteile. Allein aus den Anlagen bei Kartzow sollen so rund 200.000 Euro pro Jahr in Potsdam ankommen, die Hälfte davon in den städtischen Haushalt. Vom Rest sollen 75 Prozent an die direkt betroffenen Ortsteile fließen, weitere 25 Prozent übergreifend im Norden eingesetzt werden.

Bürger, Verbände und andere Interessengruppen könnten sich im kommenden Jahr formal bei der Änderung des Flächennutzungsplans einbringen, habe Wolfram deutlich gemacht. Gegen die Windparkpläne hatte bereits der Landschaftsschutzverein Berlin-Brandenburg mit dem Berliner Anwalt Christoph Partsch juristische Gegenmaßnahmen angekündigt.

EWP-Vertreter Niemeyer wiederum sagte, man wolle Bürger auch über Energiegenossenschaften und Crowdfunding finanziell beteiligen und sie so profitieren lassen. Auch das soll die Akzeptanz vor Ort stärken.

Quelle: PNN